Osnabrücker Arzt empört Hallo, Herr Dr. Thiele, erwische ich Sie auf dem Golfplatz?

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Thomas Thiele in seiner Hautarztpraxis in der Lotter Straße. Archivfoto: Michael GründelThomas Thiele in seiner Hautarztpraxis in der Lotter Straße. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Osnabrücker Hautarzt und FDP-Ratsherr Thomas Thiele ist empört über Äußerungen des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach, Ärzte sollten ihre Sprechstunden zum Wohl der Patienten ausdehnen statt mittwochs auf den Golfplatz zu gehen. In den Praxen arbeiteten schon alle an der Belastungsgrenze, sagte Thiel in unserem Telefoninterview.

Hallo Herr, Thiele erwische ich Sie auf dem Golfplatz?

(lacht) Nicht nur das, ich war vorher noch in der Muckibude. Im Ernst: Ich finde das unerträglich, was die Herren Lauterbach und Spahn da von sich gegeben haben. Inhaltlich daneben, und weil die Tonlage das Ganze nur noch schlimmer macht. Sehen Sie, ich habe gestern jemanden aus der Praxis verwiesen, der meine Mitarbeiterinnen in einer Weise verbal angegriffen hat, dass es nicht mehr hinzunehmen war. Das ist es, was die Politik mit solchen Äußerungen provoziert. Die sollen doch ehrlich sein.

Ehrlich sein? Warum ist die Politik nicht ehrlich?

Es wird eine Ausweitung der Sprechstunden gefordert, ohne die ganze Wahrheit zu sagen. Dazu gehört nämlich, dass das Budget gedeckelt ist. Ich bekomme 13,80 Euro pro Patient im Quartal, egal, wie oft er in die Praxis kommt. Damit wir uns richtig verstehen: Ich beschwere mich nicht über den Verdienst, aber wer längere Sprechzeiten einfordert, muss dafür auch die Rahmenbedingungen schaffen.

Könnten Sie in Ihrer Praxis die Sprechzeiten ausdehnen?

Ich wüsste nicht wie, denn es gibt nicht genug Personal. Wir arbeiten in der Regel von 7.30 bis 18 Uhr. Grob überschlagen gehen hier im Schnitt 10.000 Patienten pro Quartal durch die Praxis. Ich kann Ihnen versichern: Unser Team geht jeden Tag bis an die Belastungsgrenze. Früher kamen auf einen Arzt zwei Helferinnen, heute ist das Verhältnis eins zu eins. Die hohe Belastung führt auch dazu, dass viele Helferinnen nach einer Schwangerschaft nicht in den Job zurückkehren, weil er ihnen zu stressig ist. Also, kurz gefasst: Keine längeren Sprechzeiten, weil das Personal fehlt und alle schon an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Das gilt auch für die Ärzte. Ich komme in der Woche locker auf 60 Stunden.

(Weiterlesen: Ärzte zu häufig auf dem Golfplatz?)


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