„Male und rede nicht“ Osnabrücker Malerin Ursula Daphi gestorben

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Wer kennt nicht die Masken als Holzreliefs im Stadttheater, die über den Eingängen zum Parkett hängen, wer nicht das Mosaik am Südamerika-Haus des Osnabrücker Zoos? Die Osnabrücker Künstlerin Ursula Daphi hat sie und vieles andere im Osnabrücker Stadtraum geschaffen. Am Freitag, 5. Juli, ist die 1923 Geborene mit 90 Jahren in ihrer Heimatstadt Osnabrück gestorben.

Im Jahr 2003, zu ihrem 80. Geburtstag, gab eine große Ausstellung mit 90 Bildern im Kulturgeschichtlichen Museum einen Überblick über ihr Lebenswerk. Seit 1955 malte sie, ihr Werk wird stilistisch unter „lyrischem Kubismus“ verortet. „Wie von fern durchzieht Ursula Daphis Bildwelten eine Reminiszenz an Lyonel Feiningers prismatische Bildkonstrukte oder an die kubistischen Collagen eines Juan Gris“, schrieb Kunstkritiker Stephan Lüddemann anlässlich der Ausstellung in der „NOZ“. Wie Gris malte auch Daphi gern stilisierte Musikinstrumente.

Bis zum Schluss hat Ursula Daphi noch gemalt, berichtet ihr Sohn Martin Daphi. „Sie hat sich nicht als Künstlerin, sondern als Malerin gesehen, der das handwerkliche Können wichtig war. ,Male und rede nicht‘ befolgte sie als ihre Devise.“

Ertrag ist eine Fülle von Werken, die sie im norddeutschen Raum, aber auch in Barcelona oder auf Mallorca ausstellte.

Für den Weg zum Malen musste sie als junge Frau einige Widerstände überwinden. Ihr Vater erlaubte ihr 1941 das Studium an der Kunstakademie München nicht, also ließ sie sich in Leipzig zur Werklehrerin ausbilden und studierte heimlich an der Kunstakademie der Stadt. 1946 konnte sie sich an der Düsseldorfer Kunstakademie nicht einschreiben, weil nur männliche Bewerber genommen wurden.

Den Beruf als Zeichen- und Werklehrerin gab sie für die drei Kinder auf und malte freischaffend. „Jahrelang nur Aquarelle, als wir klein waren, damit wir uns an den Ölfarben nicht vergifteten“, erzählt Martin Daphi schmunzelnd. Leben hätte seine Mutter von ihrer Kunst nicht können, meint er, doch sein Vater verdiente als Lehrer. „Doch immer, wenn sie ein Bild verkaufte, konnten wir in den Urlaub fahren“, erinnert er sich dankbar.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN