Maßmann und die neue Liebe So tickt der neue Osnabrücker Polizeipräsident

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Ist bald ohne Uniform unterwegs: Michael Maßmann tritt die Nachfolge von Bernhard Witthaut als Osnabrücker Polizeipräsident an. Foto: Swaantje HehmannIst bald ohne Uniform unterwegs: Michael Maßmann tritt die Nachfolge von Bernhard Witthaut als Osnabrücker Polizeipräsident an. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Stühlerücken bei der Polizei: Michael Maßmann ist nach dem Weggang von Bernhard Witthaut neuer Polizeipräsident in Osnabrück. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der bisherige Leiter der Osnabrücker Polizeiinspektion, was ihm fehlen wird und warum die Liebe zum neuen Amt erst noch wachsen muss.

An seinen ersten Tag als Leiter der Polizeiinspektion Osnabrück im Oktober 2006 kann sich Maßmann nicht mehr in allen Details erinnern, wohl aber an ein Küchengespräch einige Tage vorher, als ihn seine Frau fragte: "Und das macht dir jetzt Spaß?" Vorangegangen war ein ausufernder Arbeitstag, der mit einem Banküberfall begann und erst spätabends endete. Maßmann hatte das Geschehen in der Einsatzzentrale mitverfolgt. Die flüchtigen Täter vermutete die Polizei zwischenzeitlich in der Nähe eines Gasthofs im Osnabrücker Land, in dem wenig später eine Hochzeit stattfinden sollte. "Die Räuber hatten Waffen dabei, also mussten wir die Hochzeit ausfallen lassen. Ich hoffe, dass uns die Hochzeitsgesellschaft mittlerweile verziehen hat", sagt Maßmann heute. 

Polizeidirektion und Polizeiinspektion

Die Polizeiinspektion (PI) Osnabrück ist eine untergeordnete Polizeibehörde und der Polizeidirektion (PD) Osnabrück unterstellt. Die Zuständigkeit der PI Osnabrück erstreckt sich auf Stadt und Landkreis Osnabrück sowie die in diesem Bereich liegenden Autobahnen – insgesamt rund 2241 Quadratkilometer.
Mehr als 900 Personen sind bei der PI Osnabrück beschäftigt, die damit die größte Inspektion Niedersachsens ist. Neben den beiden Standorten in Osnabrück (Kollegienwall und Winkelhausenstraße) ist die Polizei auch noch in den Polizeikommissariaten Bersenbrück, Bramsche, Melle und Georgsmarienhütte sowie den Stationen Bohmte und Dissen aktiv.
Die PD Osnabrück ist eine polizeiliche Mittelbehörde, ihr sind die PI Osnabrück, PI Leer/Emden, PI Emsland/Grafschaft Bentheim, PI Aurich/Wittmund und eine Zentrale Kriminalinspektion nachgeordnet. Damit reicht ihr Zuständigkeitsbereich von der Nordseeküste bis zum Teutoburger Wald. Mehr als 3000 Personen sind bei der PD Osnabrück beschäftigt.

Die Einsatzzentrale zu verlassen kam für Maßmann seinerzeit nicht in Frage, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt offiziell noch gar nicht Inspektionsleiter war. In seinen zwölf Jahren als Chef der Behörde hatte der 58-Jährige immer den Anspruch, nah dran zu sein am Geschehen. Zumindest so wie es als Vorgesetzter eben möglich ist. Das Unmittelbare, also die enge Verbindung zu dem, was seine Mitarbeiter täglich auf den Straßen erleben, das wird im neuen Amt weniger werden. Und: Auch wenn Maßmann quasi der oberste Polizist zwischen den ostfriesischen Inseln und dem Teutoburger Wald ist, per Definition wird er dann eben kein Polizist mehr sein, sondern ein politischer Beamter. 

Foto: Swaantje Hehmann

Den Spaß, so wie es seine Frau nach dem Einsatz nach dem besagten Banküberfall formulierte, hat der gebürtige Osnabrücker in den vergangenen zwölf Jahren nicht verloren. "Die Polizeiinspektion ist meine Berufsliebe gewesen", sagt Maßmann, von dem seine Mitarbeiter erzählen, er sei trotz seines Amtes immer nahbar geblieben.

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Als während eines VfL-Heimspiels gegen Preußen Münster im Jahr 2011 ein von Auswärtsfans geworfener Böller mehrere Personen und darunter auch einige Polizeibeamte verletzte, ging das auch an Maßmann nicht spurlos vorbei. Der Tag endete für ihn mit einem Besuch am Krankenbett eines verletzten Kollegen. "Das war schon eine prägende Geschichte", sagt der 58-Jährige.

Foto: Swaantje Hehmann

Maßmann könnte über viele solcher Begebenheiten in seiner Amtszeit erzählen. "In den zwölf Jahren ist wahnsinnig viel passiert." Geballt kam es im September 2011: Der Böllerwurf an der Bremer Brücke, ein Banküberfall, eine tödliche Messerattacke auf der Iburger Straße, der Besuch des türkischen Staatsministers Gül und weitere Einsätze sorgten für den wohl arbeitsreichsten Monat in Maßmanns PI-Leiter-Leben. "Da benötigt man Ausdauer", sagt der passionierte Fußballer, der nach eigenen Angaben in der Jugend von Schinkel 04 als Wadenbeißer galt. Gibt es Parallelen zum Job? Maßmann lächelt: "Die Ausdauer ist eine Eigenschaft, die ich vom Fußball auf mein Berufsleben übertragen konnte."

Täter nach 25 Jahren überführt

Gibt es einen Fall, der ihn besonders bewegt hat? "Es ist schwierig, einzelne Dinge hervorzuheben", sagt der neue Polizeipräsident. Der Fall Christina Spiegel sei aber etwas Außergewöhnliches gewesen. Die damals Neunjährige wurde am 27. November 1989 in Osnabrück auf dem Weg zur Schule sexuell missbraucht und anschließend getötet. Erst 25 Jahre später kam die Polizei dem Täter mit der Auswertung einer DNA-Spur auf die Schliche. "Erst durch die rasante technische Weiterentwicklung in der Kriminaltechnik war es möglich, den Mann zu identifizieren", sagt Maßmann. "Gottseidank. Es war für uns Polizisten eine wahnsinnige Erleichterung, den Täter gefasst zu haben."

"Ich wurde auf der Straße angesprochen, dass die Polizeiuniform endlich mal schick aussieht."Michael Maßmann über die einst neue, blaue Polizeiuniform

Vermissen wird Maßmann künftig seine Polizeiuniform. "Ich bin 40 Jahre Polizist gewesen. Auch wenn die Uniformen nicht alle schön waren und der Schnitt nicht immer gepasst hat, wird etwas fehlen." Die neue Berufsbekleidung als politischer Beamter wird künftig der Anzug sein. Noch mehr als jetzt will sich Maßmann in der neuen Aufgabe als Strippenzieher verstehen. Die menschliche Art seines Vorgängers Bernhard Witthaut wolle er sich zum Vorbild nehmen, sagt der 58-Jährige. 

Digitalisierung als Aufgabe

Als große Baustelle sieht der neue Polizeipräsident die Bewältigung der Digitalisierung "in allen Bereichen" an. "Prävention wird außerdem immer ein Thema sein. Ich bin der Ansicht, dass Polizei nicht nur Repression als ihre Aufgabe sehen kann", sagt Maßmann. Und was wird aus der Berufsliebe im neuen Jahr? "Die Liebe zur neuen Aufgabe muss sicherlich erst noch wachsen", so der Osnabrücker. 

„Michael Maßmann kenne ich schon seit Jahrzehnten, weil wir etwa gleich alt sind und beide in Schinkel groß geworden sind. Ich habe natürlich auch seinen erfolgreichen Weg als Polizist mitbekommen, vor allem seit 2006 als Oberbürgermeister in Osnabrück, wo wir viele Berührungspunkte hatten und auch in den vergangenen fast sechs Jahren als Innenminister. Michael ist ein sehr seriöser, fachlich hochkompetenter und in der Polizei anerkannter und beliebter Fachmann, genau deswegen habe ich ihn darum gebeten, die Nachfolge von Bernhard Witthaut zu übernehmen und freue mich sehr, dass er das gemacht hat.“ Boris Pistorius, Niedersächsischer Innenminister

Viele Umzugskisten wird Maßmann übrigens nicht packen und ins Gebäude der Polizeidirektion am Heger-Tor-Wall schleppen müssen. Sein bisheriges Büro besticht nicht gerade durch eine üppige Ausstattung mit Dekorations- und Einrichtungsgegenständen. Eine Osnabrücker Friedensreiterfigur, die den Besprechungstisch ziert, kommt aber auf jeden Fall mit. "Als Osnabrücker hat die Figur für mich großen symbolischen Wert."


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