Winnetou im Museum Der Mythos Karl May wird in einer Ausstellung beleuchtet

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Thorsten Heese zu Karl May-Ausstellung "Blutsbrüder". Foto: Swaantje HehmannThorsten Heese zu Karl May-Ausstellung "Blutsbrüder". Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Anlässlich der Ausstellung „Blutsbrüder – Der Mythos Karl May in Dioramen“, die am 26. Januar im Kulturgeschichtlichen Museum eröffnet wird, sprachen wir mit Dr. Thorsten Heese, Kurator für Stadt- und Kulturgeschichte, über Karl May und das Geheimnis seiner Abenteuergeschichten.

Herr Heese, im Januar startet im Museumsquartier die Ausstellung „Blutsbrüder – Der Mythos Karl May in Dioramen“. Wie kommt es, dass der Autor zahlreicher Abenteuerromane Einzug in das kulturgeschichtliche Museum hält?

Wir wollen einen Blick hinter die Kulissen der Wildwest-Welten werfen, die Karl May in seinen Romanen entworfen hat. Immerhin haben seine Bücher und die Verfilmungen seiner Geschichten ganze Generationen begeistert und geprägt. In den 1960er Jahren gab es kaum ein Kind, das nicht „Cowboy und Indianer“ gespielt hat.

Was muss sich der Besucher unter „Der Mythos Karl May in Dioramen“ vorstellen?

Dioramen sind Schaukästen, die Kulissen für bestimmte Szenen bilden. In unserem Fall kann das eine Landschaft mit Bergpanorama sein, in der Winnetou und Old Shatterhand gerade Blutsbruderschaft schließen. In einem anderen Diorama, das wir ausstellen werden, jagt Winnetou gerade Santer, einen durchtriebenen Charakter, der in dem Band „Winnetou I“ aus Goldgier Vater und Schwester des Häuptlings ermordet.

Wer stellt denn solche Dioramen her?

Es gibt unterschiedliche Karl May-Fanclubs. Die Leute setzen sich begeistert mit allem auseinander, was mit dem Schriftsteller zu tun hat. Andreas Brenne, der an der Universität Kunstpädagogik und Didaktik unterrichtet, hat uns auf diese „Interessengemeinschaften“ aufmerksam gemacht. Wir arbeiten häufig zusammen und tauschen uns gelegentlich über mögliche Themen für Ausstellungen aus. Er ist selbst Karl May-Fan und erzählte uns von diesen Dioramen. Da wir hier im Museum eine ethnologische Sammlung haben, in der sich beispielsweise ein Original-Prärie-Indianer-Anzug aus den 1840er Jahren befindet, begann ich, mich für die Materie zu interessieren.

Warum ist Karl May für ein Kulturgeschichtliches Museum interessant?

Ich sehe das Museum als eine Schule des Sehens und des Befremdens. Daher finde ich es spannend, die Besucher mit einem bedeutenden kulturellen Zeitgeistphänomen zu konfrontieren. Karl May hat Bilder vom Wilden Westen im Kopf der Menschen erzeugt. Wir fragen, wie viel davon überhaupt realistisch war, wie viel reine Fantasie. Wie wir wissen, war Karl May, als er seine Geschichten schrieb, noch gar nicht in Amerika gewesen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns in der Ausstellung auch mit der Ebene der Adaption und der Transformation. Da heißt: Wie wurden Mays Geschichten in den ebenfalls sehr erfolgreichen Filmen umgesetzt? Und welche Fantasien entwickelten die Kinder damals in ihren eigenen Indianerspielen?

Was wird in der Ausstellung zu sehen sein?

Zunächst zeigen wir Dioramen in verschiedenen Formaten. Da gibt es welche in Streichholzschachtelgröße, andere sind einen Meter breit. Darüber hinaus werden wir ein „Live“-Diorama als Bühne bauen, in dem die Besucher real agieren, Szenen nachstellen und fotografieren können. Es werden aber auch Original-Kostüme aus Karl May-Filmen oder Nachbauten der „Silberbüchse“ und des „Henry Stutzens“, der Waffen von Winnetou und Old Shatterhand, zu sehen sein. Die kommerzielle Verwertung der Karl May-Thematik zeigen wir anhand von Figuren und anderen Spielzeugen, die früher im Handel waren. Interessanterweise habe ich vor Kurzem versucht, in einem Spielwarenladen Indianer- und Cowboy-Utensilien zu kaufen, aber es gab keine. Offenbar ist das Thema heute komplett aus den Köpfen der Leute verschwunden.

Also haben Sie die Absicht, mit der Ausstellung gerade die Menschen anzusprechen, die den Winnetou-Boom in den 1960er Jahren selbst miterlebt haben?

Ja, das wird wohl die Hauptzielgruppe sein. Allerdings bin ich überzeugt, dass sich auch junge Leute für das Phänomen interessieren. Immerhin wurden die Bücher über 200 Millionen Mal verkauft – ganz ohne Internet! Für „Neueinsteiger“ werden wir eine Leseecke zum Schmökern einrichten. Wir stellen aber auch eine aktuelle Gesamtausgabe mit allen Karl May-Büchern aus und zeigen einige Original-Ausgaben aus der Zeit um 1900.

Stimmt es, dass man sich unter bestimmten Voraussetzungen die Ausstellung umsonst anschauen kann?

Das ist richtig, denn wir haben einen Aufruf gestartet: Alle, die uns Privatfotos aus ihrer Kindheit schicken, auf der man sehen kann, wie Indianer und Cowboy gespielt wird, haben einmal freien Eintritt in die Ausstellung. Wer mitmachen möchte, kann sein Foto digital, vielleicht mit einer spannenden Geschichte, an heese@osnabrueck.de senden. Die Fotos werden dann in der Ausstellung präsentiert.


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