Deutschlands älteste City-Streife Osnabrücker macht seit 20 Jahren Ladendieben das Leben schwer

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Thorsten Wültner (rechts) und sein Kollege Rolf Degener bilden die City-Streife in der Osnabrücker Innenstadt. Foto: Jörn MartensThorsten Wültner (rechts) und sein Kollege Rolf Degener bilden die City-Streife in der Osnabrücker Innenstadt. Foto: Jörn Martens 

Osnabrück. Fast jeder Besucher der Osnabrücker Innenstadt kennt ihn, doch nur die Allerwenigsten hatten schon einmal persönlich mit ihm zu tun: Seit 20 Jahren geht Thorsten Wültner für die Osnabrücker Einzelhändler auf die Pirsch nach Ladendieben. Er ist Teil der Osnabrücker City-Streife, die seit 1993 ununterbrochen im Einsatz ist.

Wer mit Thorsten Wültner durch die Osnabrücker Innenstadt geht und über seinen Beruf spricht, muss damit rechnen, nicht unbedingt die erste Geige zu spielen. Dabei ist der 48-Jährige kein unhöflicher Mensch, vielmehr muss er sich berufsbedingt auf Dinge konzentrieren, die sich um ihn herum abspielen. Hintergrund: Seit 20 Jahren ist Wültner im Auftrag der Osnabrücker Einzelhändler in der Innenstadt unterwegs und macht Ladendieben das Leben ein wenig schwerer.

City-Streife seit 25 Jahren unterwegs

Wültner ist damit fast ein Kind der ersten Stunde: Schon seit Dezember 1993 gibt es die City-Streife, die von aktuell rund vier Dutzend Einzelhändlern finanziert wird. Der Handels- und Dienstleistungsverband Osnabrück Emsland (HDV) rief sie seinerzeit ins Leben, um den immer öfter bandenmäßig agierenden Ladendieben Herr zu werden. "Für die Händler ist die Streife ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort", sagt HDV-Sprecherin Katja Calic. "Und wenn es hart auf hart kommt, dann sind die Mitarbeiter eine wichtige Hilfe." Dass es die Streife schon seit 25 Jahren ununterbrochen gibt, ist laut Calic in Deutschland einmalig.

Foto: Jörn Martens

Tagein tagaus ist Wültner im blauen Dress des Sicherheitsdienstes WSO zwischen Neumarkt und Krahnstraße unterwegs, momentan begleitet ihn sein Kollege Rolf Degener. In der Regel sind die Sicherheitsmänner zu zweit unterwegs, auch und vor allem weil es bisweilen ganz schön ruppig zugeht. "Die Menschen sind aggressiver geworden, das muss man ganz klar sagen", erklärt Wültner. Immer öfter bewaffnen sich Ladendiebe, mal sind es Messer, mal ist es Pfefferspray, das Wültner und Degener im besten Fall in den Taschen der Delinquenten finden. 

Im schlimmsten Fall merken die beiden, dass Ladendiebe nicht davor zurückschrecken, das Pfefferspray auch einzusetzen. Das bekam Wültner im August zu spüren: Ein Ladendieb zückte auf der Flucht – er hatte in einem Drogeriemarkt Parfum gestohlen – das Spray und sprühte es Wültner mitten ins Gesicht. Der 48-Jährige wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und blieb dort über Nacht. "Das vergisst man natürlich nicht so einfach. Ich bin seitdem vorsichtiger geworden und beobachte genau, was Verdächtige mit ihren Händen tun, wenn wir sie ansprechen", sagt Wültner. Erfahrung sei das Wichtigste bei diesem Job.

Bewaffnet ist die City-Streife nicht, Wültner und Degener wissen trotzdem, wie man sich im Notfall wehrt. Ihren Körper einsetzen müssen die beiden nach eigenen Angaben relativ selten, nur wenige Delinquenten wehren sich, wenn ihnen die City-Streife auf die Schliche gekommen ist. Das WSO-Duo weiß in solchen Fällen genau, was es darf und was nicht. Bei den teilnehmenden Händlern sind sie ermächtigt, das Hausrecht auszuüben und Anzeigen gegen Ladendiebe zu schreiben. Ganz ohne Polizei kommen die beiden freilich nicht aus. "Die Zusammenarbeit klappt aber genau wie mit den Ladendetektiven sehr gut", sagt Degener.

Foto: Jörn Martens

Trotz so manch eines körperlichen Angriffs liebt der Osnabrücker seinen Beruf. "Ich habe viele Freiheiten, jeder Tag ist anders. Einen Bürojob könnte ich mir momentan nicht vorstellen." Natürlich weiß auch Wültner, dass sein Job quasi einem Kampf gegen Windmühlen gleicht, denn Ladendiebe wird es freilich immer geben. Auch Fälle wie der einer Frau, die der Streife an einem Tag gleich drei Mal ins Netz ging, entmutigen ihn nicht. "Das habe ich echt sportlich genommen. Grundsätzlich ist es gut zu wissen, dass die Händler uns und unsere Arbeit schätzen. Die Anerkennung tut schon gut." 

"Wir vertrauen uns und halten uns gegenseitig den Rücken frei. Anders geht es nicht."Rolf Degener

Wenn Wültner wollte, könnte er von vielen Anekdoten und Kuriositäten erzählen. Will er aber nicht. "Wir unterliegen ja auch einer Schweigepflicht." Trotzdem schwingt ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit, als er erzählt, wie er vor einigen Jahren Juwelenräubern auf die Schliche kam. "Die standen längere Zeit vor dem Geschäft herum und haben da einfach nicht hingepasst." Wieder so eine Erfahrungssache für den 48-Jährigen, der mit einer engagierten Ladendetektivin entscheidend dazu beitrug, dass die Männer, die einen Tag später tatsächlich den Juwelier ausraubten, dingfest gemacht werden konnten.

Foto: Jörn Martens

Mit vielen Händlern ist Wültner per du, man kennt sich teilweise seit Jahren. "Für mich erzeugt die City-Streife ein Gefühl der Sicherheit. Die Jungs sind bei einem Anruf schnell da und darüber hinaus auch noch sehr nett", sagt Gabriele Rath von Ulis Läufershop. In manchen Situationen helfe es auch schon, wenn die Streife einfach Präsenz zeigt. "Das schreckt einige Ladendiebe ab", so Rath.

Loslassen geht nicht

So richtig loslassen kann der Osnabrücker Wültner nicht von seinem Job. Wenn er privat in der Innenstadt unterwegs ist, greifen die gleichen Mechanismen wie im Berufsalltag. "Das Aufmerksamsein kann ich nicht abstellen. Das bleibt immer drin."


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