Parken kann teuer werden Vorsicht, am Güterbahnhof in Osnabrück lauert der Abschlepper

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hier nicht parken! Die Fläche vor dem Güterbahnhof ist in Besitz der 3 G Group GmbH, die Falschparker rigoros abschleppen lässt. Foto: hinHier nicht parken! Die Fläche vor dem Güterbahnhof ist in Besitz der 3 G Group GmbH, die Falschparker rigoros abschleppen lässt. Foto: hin

Osnabrück. Ein leerer Platz so nah am Bahnhof, so verlockend zum Parken. Aber Vorsicht! Das ist Privatgelände, und der Eigentümer des Güterbahnhofs lässt Autos rigoros abschleppen. Darf der das überhaupt?

Ihr Sohn habe sein Auto an einem Samstag am Güterbahnhof abgestellt, berichtet Cornelia Kuper. Ja, es gebe Warnhinweise vor dem Restaurant und am Verwaltungsgebäude. Aber die Fläche direkt an der Straße sei nicht als Parkverbotszone erkennbar und nicht entsprechend gekennzeichnet.

Dort parkte das Auto ihres Sohnes Hendrik. Aber nicht lange: Als er nach etwa 20 Minuten zurückkehrte, war das Auto weg. Die ganze Familie habe sich einen Tag später den Tatort angesehen – "und genau in diesem Moment wurde wieder ein Auto abgeschleppt".

226,18 Euro fürs Abschleppen bezahlt

Am Montag konnte der 28-Jährige das Auto bei einer Firma in Belm abholen, nachdem er die Rechnung beglichen hatte: 226,18 Euro, in bar bitte, inklusive 15 Euro Hakenlastversicherung, 30 Euro Samstagszuschlag, 15 Euro Herausgabepauschale und 40 Euro Standgebühr für zwei Tage. Das Ganze habe Methode, vermutet Cornelia Kuper. "Es ist pure Abzocke", schimpft sie in einem Brief an unsere Redaktion.

Abzocke? Thomas Gründler, Geschäftsführer der 3 G Group GmbH, weist den Vorwurf mit Nachdruck zurück. Seine Firma ist Eigentümerin des alten Güterbahnhofs. Gründler verweist auf "die eindeutige Beschilderung" an der Zufahrt zum ehemaligen Bahnhofsgelände. Dort hängt das Verkehrsschild Nr. 250 "Verbot für Fahrzeuge aller Art" (roter Kreis auf weißem Hintergrund). Darunter der Zusatz: Anlieger frei.


Suchbild: Wo ist das Schild, das die Zufahrt zum Güterbahnhof verbietet? Antwort: ganz rechts am Laternenpfahl. Foto: hin


Das Schild kläre die Rechtslage eindeutig, sagt Gründler. Das habe das Amtsgericht Osnabrück auch in einem Urteil bestätigt. In der Tat entschied das Amtsgericht Osnabrück im Oktober zugunsten der 3 G Group. Ein Autofahrer hatte die Rückerstattung der Abschleppkosten verlangt. Vergeblich. Das Gericht stellte fest, der Autofahrer habe in "verbotener Eigenmacht" sein Fahrzeug auf dem Privatgrundstück abgestellt. Der Grundeigentümer habe es in rechtmäßiger Weise entfernen lassen.


Foto: hin


Er könne die Beschwerden nicht nachvollziehen und sehe auch keine Notwendigkeit, weitere Schilder aufzustellen, sagt Gründler. Auf mehreren Tafeln werde gewarnt: "Privatgrundstück. Betreten für Unbefugte verboten! Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden abgeschleppt!" Wer sein Auto trotzdem dort parke, müsse eben die Konsequenzen tragen. Würde nicht abgeschleppt, wäre der Platz schnell von Leuten zugeparkt, die mit der Bahn verreisen, aber sich das Parkticket in der Bahnhofsgarage sparen wollten, sagt Gründler.


Foto: hin


Die 3 G Group hat den Abschleppdienst aus Belm beauftragt, ständig ein Auge auf die illegalen Parker zu haben und für Ordnung zu sorgen. Für das Unternehmen ein durchaus lukrativer Auftrag, wie es scheint. Über die Zahl der abgeschleppten Fahrzeuge will der Abschlepper nichts sagen: "Betriebsinterna", sagt der Belmer. Auch über die Reaktionen der betroffenen Autofahrer könnte er vermutlich viel erzählen, belässt es aber bei wenigen Andeutungen. Manche, die wenigsten allerdings, nähmen es mit Humor, sagt er. Andere schimpften über die "Mafia". Einmal habe er sogar einen tätlichen Angriff erlebt. 

Nur Anlieger dürfen den Platz vor dem Güterbahnhof befahren und ihr Auto abstellen. Den Anlieger-Status erlangt, wer als Kunde den mobilen Schnellimbiss oder die Shisha-Bar "La Orient" aufsuchen will. Die Bar öffnet um 16 Uhr. Danach werden nach Auskunft des Abschleppunternehmens keine Autos mehr auf den Haken genommen – denn den Autos sei es nicht anzusehen, ob sie Anliegern oder illegalen Parkern gehören.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN