Zweiter Tag im Prozess um vermeintlichen Muttermord Was für Menschen waren Mutter und Sohn?

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In diesem Haus im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost, soll der Sohn seine Mutter getötet haben. Foto: David EbenerIn diesem Haus im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost, soll der Sohn seine Mutter getötet haben. Foto: David Ebener

Osnabrück. Am zweiten Tag im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 61-Jährigen versuchte das Gericht, sich Opfer und Täter mittels der Zeugen aus dem persönlichen Umfeld von Mutter und Sohn zu nähern. Ein schwieriges Unterfangen.

Geladen waren Freundinnen und Arbeitskolleginnen der Mutter, die – so die Anklage – im März diesen Jahres von ihrem Sohn getötet, zerteilt und zum Teil verbrannt wurde. Den Anfang der Vernehmungsreihe machte die Saunafreundin des Opfers, die, wie die Getötete Angestellte der Stadt Osnabrück, seit Jahren regelmäßig donnerstags mit ihr eine Sauna an der Wersener Straße besuchte. Wahrscheinlich war es auch die 60-Jährige, die das Opfer als letzte lebend gesehen hat, denn am von der Staatsanwaltschaft angenommenen Tattag, dem 29. März, waren beide noch Gast in der Sauna. Kurz nach 20 Uhr trennten sich ihre Wege in Osnabrück. Das Opfer nahm den Bus nach Hause. Danach gab es kein Lebenszeichen mehr von ihr.

Opfer hat nichts von sich preisgegeben

Wie denn der Mensch gewesen sei, mit dem sie da regelmäßig in die Sauna gegangen sei, wollte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer wissen. "Sie hat  nie viel von sich preisgegeben", sagte die Freundin und Kollegin. Nur so viel: Am vermeintlichen Tattag sei die Freundin unruhig gewesen, da ihr Sohn nach mehreren Wochen Aufenthalt aus einer Klinik in Bad Oeynhausen entlassen werden sollte, sich aber noch nicht bei seiner Mutter gemeldet hatte. Ansonsten sei sie nett gewesen, ja, aber auch sehr verschlossen eben. Selbst eine andere Freundin, mit der das Opfer Traumurlaube auf Hawaii und in Kanada verbrachte, teilte diese Einschätzung. Wenn sie mal genauer nachgefragt habe, sei ihr beschieden worden, sie sei aber neugierig. "Na ja, dann fragt man ja auch nicht weiter."

Normales Verhältnis zwischen Mutter und Sohn

Alle Zeuginnen nennen den Sohn beim Vornamen. Auch hier auf den ersten Blick also eine gewisse Nähe, die sich aber bei genauerem Nachfragen durch das Gericht als ebenso brüchig erweist, wie die zu seiner Mutter. Auch er sei nett gewesen, ruhig und höflich. Aggressiv? Nein, von Aggressivität könne man bei dem Angeklagten nicht sprechen, allgemein nicht und vor allem nicht seiner Mutter gegenüber. Wer die beiden gemeinsam erlebt hat und nun seine Eindrücke vor Gericht schildern soll, spricht von einem "normalen" Verhältnis. Keine besonderen Vorkommnisse. Nur eine Zeugin erinnert sich, dass der Sohn beim Autofahren ungehalten auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer reagiert habe. Aber eigentlich nur verbal. Ein aggressiver Fahrstil, wie Drängeln, Hupen oder häufiger Spurwechsel sei nicht vorgekommen. Eine andere spricht davon, der Sohn habe sie im Sommer des vergangenen Jahres einmal betrunken angerufen und sich beklagt, dass er zuviel Geld an seine Mutter abgeben musste. Wieder nüchtern, lehnte er aber Hilfsangebote der Freundin ab. Es sei alles wieder in Ordnung, habe er gesagt.

Sohn suchte Kontakt zu Vorgesetzten und Kollegen

Das Gericht wendet sich dem vermeintlichen Tattag, dem Gründonnerstag diesen Jahres, und den Tagen danach zu. In mehreren Telefonaten suchte der Sohn offensichtlich den Kontakt zu Vorgesetzten und Kollegen sowie den Freundinnen seiner Mutter. Im Büro meldete er seine Mutter wegen einer Familienangelegenheit ab, Worum es dabei ging, wollte er nicht preisgeben. Freundinnen der Mutter, bei denen er sich nach ihrem Verbleib erkundigte, erzählte er, er habe am Karfreitag einen Zettel, das Mobiltelefon und eine EC-Karte der Mutter gefunden. Auf den Zettel habe sie geschrieben, dass sie "einmal rausmüsse". 

Vorgesetzte gab Vermisstenanzeige

Und sonst? Zielstrebig, korrekt und zuverlässig sei die Mutter gewesen, so ihre Vorgesetzte, für die das Opfer im Vorzimmer eines städtischen Fachbereichs arbeitete. Die Vorgesetzte war es auch, die eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgab, weil sie sich das Fernbleiben ihrer Mitarbeiterin vom Arbeitsplatz nicht erklären konnte. Auch mit ihr hatte der Sohn zuvor telefoniert.

Angeklagter schweigt weiter

Der schweigt nach wie vor zum Geschehen. Eckdaten aus seinem Lebenslauf ließ er seinen Strafverteidiger vortragen. Auf Rückfragen des Gerichts antwortet er leise und ruhig. Nur selten trifft sich sein Blick mit dem seiner Schwester, die ihm als Nebenklägerin gegenüber sitzt. Emotionale Regungen sind für die Beobachter auf keiner Seite erkennbar. Der Kontakt sei abgebrochen als sich die Eltern trennten und die Tochter mit etwa 14 Jahren zu ihrem Vater zog, während der Sohn bei seiner Mutter blieb, trug Rechtsanwalt Frank Otten vor. Auch hier sind wohl kaum tiefere Einblicke in das Binnenverhältnis von Mutter und Sohn zu erwarten.


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