Angelika Simon verabschiedet Mit Herz und Verstand das Osnabrücker Klinikum gerettet

Wertschätzung von allen Seiten bekam Angelika Simon in ihrer Abschiedsfeier zu spüren. Als Betriebsrats- und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende hat sie den Sanierungsvertrag für das Klinikum Osnabrück mit ausgehandelt. Foto: Swaantje HehmannWertschätzung von allen Seiten bekam Angelika Simon in ihrer Abschiedsfeier zu spüren. Als Betriebsrats- und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende hat sie den Sanierungsvertrag für das Klinikum Osnabrück mit ausgehandelt. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Ohne sie wäre das Klinikum vielleicht nicht mehr in kommunaler Trägerschaft. So klang es jedenfalls in den Abschiedsworten für die langjährige Betriebsratsvorsitzende Angelika Simon. Sie habe maßgeblich dazu beigetragen, das defizitäre Klinikum zu sanieren. Mit einem befristeten Lohnverzicht der Beschäftigten.

Bis 2020 läuft das Sanierungsprogramm, das vor drei Jahren ausgehandelt wurde, um die Zukunft des Klinikums zu sichern. Der größte Beitrag dazu komme von den Beschäftigten, rief Oberbürgermeister Griesert bei der Abschiedsfeier für Angelika Simon in Erinnerung – fünf Jahre lang mit einer Gehaltseinbuße von 3,5 Prozent. Das zeuge von großer Verbundenheit. „Wir sind sehr froh, dass wir bei diesem Prozess auf Ihre Erfahrung zurückgreifen konnten“, erklärte der OB gegenüber der scheidenden Betriebsratsvorsitzenden. Und er fügte hinzu, dass sich der Einsatz gelohnt habe, denn mit dem Klinikum gehe es wieder aufwärts.

„Sie ist charmant und freundlich“, bekundete der Aufsichtsratsvorsitzende und CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Brickwedde in seiner Abschiedslaudatio. Angelika Simon könne aber auch sehr hartnäckig sein und sei vor allem durchsetzungsstark. Die Verhandlungen über den Fortbestand des Klinikums habe er als „persönlichen Gewinn“ empfunden, gestand der CDU-Politiker, und dabei sei ihm bewusst geworden, „dass eine Gewerkschaft wie Verdi diesen Konflikt sehr konstruktiv angeht“.

Große Wertschätzung sprach auch aus den Worten von Michael Hagedorn, der für die Grünen im Aufsichtsrat des Klinikums sitzt. Gerade angesichts der häufigen Geschäftsführerwechsel sei Simon für ihn zu einer „unverzichtbaren Ansprechpartnerin“ und zugleich zu einer „absoluten Vertrauensperson“ geworden, ließ er durchblicken. Der Sanierungsprozess seit „natürlich“ mit dem Namen von Geschäftsführer Frans Blok verbunden, „aber ohne Sie wäre er zum Scheitern verurteilt gewesen“, hob er hervor.

Angelika Simon habe ihr Herz und ihren Verstand eingesetzt, „um hier wieder Ordnung reinzubringen“, erklärte

Verdi-Sekretärin Elke Nobel. Nicht immer sei sie mit ihr einer Meinung gewesen, räumte sie ein, aber die Betriebsratsvorsitzende habe viel erreicht. So gebe es im Klinikum durch ihr Engagement noch immer einen Servicebereich und eine Küche.

Die Geehrte, die in den Ruhestand geht, gab den Dank zurück. Sie habe in ihren 45 Berufsjahren viele Kollegen und Vorgesetzte gefunden, „die mir zum Vorbild wurden“ – allerdings auch das Gegenteil. Zum Schluss legte sie ein Geständnis ab: Schon während ihrer Ausbildung habe sie einen Streik angezettelt, weil sie und ihre Kolleginnen sich ungerecht behandelt fühlten. Und am Ende habe das auch den ärztlichen Direktor überzeugt.


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