Mit der Kamera als Begleiter Anselm Pahnke präsentiert im Cinema-Arthouse seine Reisedokumentation „Anderswo“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Fahrrad, mit dem er drei Kontinente bereist hat, hatte Filmemacher Anselm Pahnke auch in Osnabrück dabei. Foto: Michael GründelDas Fahrrad, mit dem er drei Kontinente bereist hat, hatte Filmemacher Anselm Pahnke auch in Osnabrück dabei. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Selbstfindung auf dem Fahrrad: Anselm Pahnke stellte seinen Film „Anderswo – Allein in Afrika“ persönlich im Cinema-Arthouse vor.

Rund 15 000 Kilometer in 415 Tagen legte der damals 25-jährige Hamburger Geophysik-Student vor vier Jahren  auf dem Fahrradsattel zurück – nicht geradeaus von Süd nach Nord, sondern kreuz und quer durch insgesamt 15 verschiedene Länder des afrikanischen Kontinents immer dahin, wo er gerade hingetrieben wurde von der „Willkürlichkeit des Lebens“. Das ist eine der vielen Formulierungen, mit denen Anselm Pahnke im Cinema-Arthouse das Gefühl zu beschreiben versucht, allein seiner inneren Stimme zu vertrauen und ein Gefühl für sich selbst zu bekommen - ohne von anderen Menschen bewertet, bevormundet, kritisiert oder „Angst eingepflanzt“ zu bekommen. Die Einsamkeit, die sich nach der Aufgabe seiner beiden Mitfahrer nach drei Monaten eingestellt hatte, sei schnell einem Alleinsein gewichen, das ihm geholfen habe, sich selbst kennenzulernen, sagt der mit sechs Geschwistern aufgewachsene Hauptdarsteller seines eigenen Films beim Publikumsgespräch im mit mehr als 300 Besuchern restlos ausverkauften größten Saal des Kino-Komplexes am Wall. 

Gegen den Wind

Ob per Daumen wie in „Weit“ oder mit dem Motorrad wie in „Egal was kommt“: Filmische Dokumentationen über ungewöhnliche Reiseprojekte zur Selbstfindung, bei denen der Weg das Ziel ist, haben derzeit Konjunktur. Pahnkes Film fasziniert aber vor allem dadurch, dass er über das rein Dokumentarische hinaus auch als spannender Abenteuer- und bildgewaltiger Natur- und Tierfilm funktioniert. Detailverliebte Nahaufnahmen und beeindruckende Bilder von Giraffen, Elefanten oder Flusspferden in freier Natur lassen den Zuschauer fast daran zweifeln, dass er den Film nicht geplant hat und keinen Kameramann, sondern lediglich eine einfache, kleine Kamera mit Stabilisator im Gepäck hatte, wie er beteuert. Auch sich selbst hat Pahnke damit vielschichtig in Szene gesetzt. So sieht man etwa, wie er im Sattel gegen den zermürbenden Wüstenwind, dicht vorbeifahrende und Staub aufwirbelnde Fahrzeuge, beißende Fliegen, steinige Wege, Schlamm, dünne Höhenluft, hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze und Trockenheit ankämpft, sich gegen Verstopfung einen selbst gebauten Einlauf verpasst oder umringt von lachenden Kindern in Dörfern ankommt, die ihm lehrten, von der Hand in den Mund und zeitlos in den Tag hinein zu leben. Umso mehr hadert er nach seiner Rückkehr damit, dass nun wieder „alles im Kontext der Zeit“ geschehe und man rasant und in riesigen Schritten „schon an der Uni für die Rente planen“ müsse, wie er im Gespräch sein Unbehagen mit gesellschaftlichen Erwartungen, Druck und Zwängen auf den Punkt bringt.

Zuschauer mitgenommen

Die Kamera diente Pahnke auch als Begleiter und Ansprechpartner. Zusammen mit tagebuchartigen Audioaufnahmen, die im Film als Stimme des Ich-Erzählers dienen, dokumentieren viele Bilder so auch den Gedankenaustausch des Protagonisten mit sich selbst. Der Zuschauer wird selbst durch brenzlige Situationen hindurch wie etwa einer Malaria-Infektion in Kenia oder einer Verhaftung in Ägypten mitgenommen auf dem mal schönen und mal strapaziösen Weg durch den Kontinent und nicht zuletzt auch in die Gefühlswelt von dessen Durchquerer. Das "Nomadendasein" hat ihm so gut gefallen, dass er sich nach seinem Afrika-Abenteuer mit dem Fahrrad auch noch auf den Weg durch Asien bis nach Australien gemacht hat. Dafür hat Pahnke allerdings ganz bewusst die Kamera zuhause gelassen und sich unterwegs „mit anderen verknüpft“. Ganz allein durch Afrika war dann wohl doch genug. Nicht zuletzt auch für einen facettenreich mitreißenden Film über einen ganz persönlichen, individuellen Weg nach „Anderswo“ und zu sich selbst – mit Eigenenergie und in Eigenregie.


Weitere Vorstellungen von „Anderswo – Allein in Afrika“ im Cinema-Arthouse am Montag, 31.12., um 13 Uhr und am Sonntag, 13.01., um 11.30 Uhr.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN