Verrohte Sprache und Menschen Osnabrücker Schulklasse filmt Beleidigungen

Die 9a der Schule an der Rolandsmauer sah im Cinema-Arthouse ihren selbst produzierten Kurzfilm "Verrohte Sprache- verrohte Menschen". Foto: Gert WestdörpDie 9a der Schule an der Rolandsmauer sah im Cinema-Arthouse ihren selbst produzierten Kurzfilm "Verrohte Sprache- verrohte Menschen". Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beschimpfungen waren in der Klasse 9a der Schule an der Rolandsmauer "das" Thema in den vergangenen Monaten. Sogar vor ihrer Lehrerin nahmen die Jugendlichen die Kraftausdrücke in den Mund – was aber völlig in Ordnung war. Denn dahinter steckt ein Projekt im Politikunterricht.

"Wir beleidigen uns oft in der Schule, aber wir haben uns gefragt: Warum mache ich das in der Schule, wenn ich es doch zuhause nicht mache", sagte die Schülerin Angelina Hellmich stellvertretend für ihre Klasse im Gespräch mit unserer Redaktion. Diese Erkenntnis sei den Schülern gekommen, als sie mit ihrer Lehrerin Sandra Erking im Politikunterricht über Beleidigungen sprachen.

Hintergrund ist ein Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema "Verrohte Sprache – verrohte Menschen", für den die Klasse einen Kurzfilm produziert hat. Zuerst sollten die Schüler alle Schimpfworte sammeln, die sie kennen oder benutzen. "Es ist komisch, die Beleidigungen zu sagen, wenn der Lehrer dabei ist", sagte Angelina Hellmich. Doch die Pädagogin brach das Eis, indem sie von Wörtern erzählte, die früher benutzt wurden: "Zum Beispiel ,Lästermaul', aber das ist für die Kids heute harmlos."

Beleidigungen sind psychische Verletzungen

Im Film sagte ein Schüler, dass, wenn ein anderer ihn beleidige und das nicht witzig, sondern ernst gemeint habe, er auch zurückbeleidige. Im Unterricht fragte Erking die Schüler, was Beschimpfungen mit den Menschen mache. Schnell sei klar gewesen: "Niemand will sich beschimpfen lassen. Es sind starke psychische Verletzungen", so die Lehrerin.

Angelina Hellmich sagte, dass sie sich im Nachhinein frage, warum sie jemanden beleidigt habe: "Und dann gehe ich zu demjenigen und entschuldige mich."

Szenen unter der Gürtellinie

Für den Kurzfilm drehten die Schüler verschiedene Szenen. Das 30-minütige Material sichteten sie gemeinsam mit Technikern im Medienzentrum Osnabrück an der Natruper Straße und schnitten es zu sechs Minuten zusammen.

Die Filmpremiere wurde dann zu einer Überraschung für die Schüler. Im Rahmen des Projekts "Britfilms" gingen die Schüler der Schule an der Rolandsmauer ins Cinema Arthouse, wo sie die Komödie Paddington 2 im Originalton sahen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Das Kino wurde also zum Klassenzimmer für den Englischunterricht.

Film plötzlich im Kino

Doch als der Vorhang aufging, sahen die Schüler der 9a plötzlich sich selbst auf der Kinoleinwand. Die Englisch- und Politiklehrerin Sandra Erking hatte als Überraschung den eigenen Kurzfilm an den Kinodirektor Hermann Thieken weitergeleitet, und der hatte zugestimmt, ihn im Kino zu zeigen.

Die Lehrerin Sandra Erking (links) und ihre Klasse werden vom Schulleiter Frank Böttger für ihr Filmprojekt, das im Cinema Arthouse auf großer Leinwand gezeigt wurde, gelobt. Foto: Gert Westdörp

Das sechsminütige Werk "Verrohte Sprache – verrohte Menschen" zeigt zuerst einen Streit zwischen Schülern und Szenen, die verbal unter die Gürtellinie gingen. Im Anschluss sprechen die drei Hauptdarsteller über Beleidigungen, in welchen Situationen sie eine aussprechen und was das mit ihnen macht. Am Ende folgt eine kurze Fragerunde mit dem Berufseinstiegsbegleiter Sascha Olivier.


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