10-Millionen-Stiftung Wie Brigitte Coppenrath Existenzgründern Mut macht

Von Wilfried Hinrichs und Sven Lampe

Brigitte Coppenrath, Stifterin und Vorstandsvorsitzende der Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung. Archivfoto: Gert WestdörpBrigitte Coppenrath, Stifterin und Vorstandsvorsitzende der Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück.. Die Osnabrücker Unternehmerin Brigitte Coppenrath hat vor eineinhalb Jahr eine Stiftung ins Leben gerufen, die klugen Köpfen und mutigen Existenzgründern in der Region eine Starthilfe gibt. Es kommt etwas ins Rollen.

Die "Aloys & Brigitte Coppenrath-Stiftung"  gehört mit einem Stammkapital von zehn Millionen Euro zu den größten in Niedersachsen. Sie wolle Menschen eine Förderung zukommen lassen, die sich in unserer Region selbstständig machen wollen, denen aber die finanzielle Grundlage fehle, sagte Brigitte Coppenrath bei der Gründung im vergangenen Jahr. Dabei ließ sie die Zuhörer einen Moment tief in ihre Seele blicken: Sie wisse aus der eigenen Geschichte sehr genau, was es bedeute, ein Unternehmen zu gründen.„Der unternehmerische Erfolg meines Mannes mit seinem Team wäre nicht möglich gewesen, hätten wir nicht vor langen Jahren gemeinsam den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Wir haben seinerzeit unser Haus verkauft und alles auf eine Karte gesetzt.“

Aloys Coppenrath und sein Vetter Josef Wiese gründeten 1975 Coppenrath & Wiese. Ihre Idee, tiefgekühlte Backwaren auf den Markt zu bringen, war so erfolgreich, dass daraus ein Großunternehmen mit 1700 Beschäftigten in Osnabrück und Mettingen wurde. Das Unternehmen gehört seit 2015 zur Oetker-Gruppe.

300.000 Euro für Start-ups

Welche Ideen und Gründer hat die Stiftung in den ersten 18 Monaten gefördert? „Wir können nicht jedes geförderte Projekt der Öffentlichkeit vorstellen, weil zum Teil der Patentschutz noch nicht rechtskräftig ist oder das Ideenpotenzial erst nach Marktreife seine Wirkung entfalten kann,“ sagt Felix Osterheider, Mitglied im Kuratorium der Stiftung. Seit Gründung habe die Stiftung ganz unterschiedliche Start-ups in der Region Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim mit etwa 300.000 Euro unterstützt.

Eines davon heißt „PearProgramming“ und wurde von Studenten der Universität Osnabrück an den Start gebracht. Das Produkt ist eine Lern-Software für den Schulunterricht der Zukunft: Auf spielerische Weise können Schüler damit Informatik lernen. Anstelle von Schulbüchern bietet die künstliche Intelligenz von "PearProgramming" eine virtuelle Welt, die sich dem Lernstand der Schüler anpasst und den Lehrern bei der  Korrektur und Fehleranalyse unter die Arme greift.

Das Echo der Fachwelt auf den Bildungs- und IT-Messen sei sehr ermutigend gewesen, sagt Mitgründer Paul Ohm. „Die Stiftung hat uns zu einem ganz frühen Zeitpunkt mit 28.000 Euro gefördert, als wir noch so gut wie gar nichts vorzeigen konnten." Neben der finanziellen Unterstützung stünde die Stiftung seinem Team auch mit Rat und Tat bei den ersten Schritten auf dem Unternehmerparkett zur Seite.

Rollstuhlgerechtes Haus mit 14 Apartments

Im emsländischen Lingen hat die Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung nun den Spatenstich für ein ungewöhnliches Investitionsprojekt gesetzt, das vor Ort Gutes bewirken und mit seiner materiellen Rendite wiederum dem Stiftungszweck dienen soll. Im kommenden Jahr entsteht in Lingen ein komplett rollstuhlgerechtes Haus mit 14 Apartments und einer Wohngruppe für acht Personen. Betreiber wird das Christophorus-Werk Lingen sein.

Für Brigitte Coppenrath ist das Haus mehr als eine bloße Investition. "Es wird zur Heimat für Menschen mit und ohne Handicap und setzt damit ein Zeichen für Inklusion, für ein Miteinander in Respekt und Würde", sagte Coppenrath: "Das Konzept dieses Hauses ist in Lingen erdacht worden und hat uns in Osnabrück überzeugt." Die Stiftung investiert 2,8 Millionen Euro in das Projekt, dessen materielle Rendite wiederum dem Stiftungszweck dienen soll. 


Stiftungszwecke

Die Coppenrath-Stiftung will pfiffigen Gründern auch aus dem Handwerk in der Startphase helfen, sie will in Kooperation mit der Universität und Hochschule Osnabrück verheißungsvolle Start-up-Projekte mitfinanzieren und – an diesem Punkt spreizt sich der Stiftungszweck ungewöhnlich weit – sie will das therapeutische Reiten in Hagen fördern. Dieser Stiftungszweck liegt der Stifterin am Herzen, weil sie das Reitangebot nach eigenen Worten in ihrer Familie als „segensreich und förderungswürdig“ erlebt hat.

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