Internationales Kerzenleuchten Gedenken an Sternenkinder auf Osnabrücker Friedhof

Von Niklas Golitschek

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Osnabrück. Das eigene Kind zu verlieren ist für Eltern der schlimmste Albtraum. Um an diese tragischen Schicksale zu erinnern, fanden sich am Sonntagnachmittag auf Einladung des Sozialverbands Deutschland (SoVD) Osnabrück knapp 30 Gäste am Heger Friedhof zum Internationalen Kerzenleuchten ein.

Der zweite Sonntag im Dezember ist der internationale Gedenktag für Sternenkinder. Symbolisch sollen deshalb in aller Welt Kerzen angezündet werden, um eine Lichterbrücke erstrahlen zu lassen.

104 Kerzen erhellten die Gedenkstätte für die verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen in Osnabrück zwischen 1942 und 1946. Eine Kerze für ein zu früh beendetes Leben. So entwickelte sich diese Veranstaltung zu einem Gedenken zu zwei Anlässen – an alle verstorbenen Kinder und an die Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus zu diesem Kindersterben führten.

„Wir können keinen Schmerz lindern, nichts wiedergut- oder rückgängig machen“, sagte Trauerrednerin Iris Krampe. Doch mit der Erinnerung lasse sich Anteil nehmen. Anders als in vergangenen Zeiten gebe es im heutigen Lebensumfeld in Deutschland für die Familien Raum zur Trauer. „Das Licht schwingt nach in den Sternen“, zitierte sie aus einem Schreiben einer anonymen Mutter, um die symbolische Bedeutung der Kerzenflammen für das erloschene Leben zu beschreiben.

Und diese 104 Kerzen waren nicht bloß Grabkerzen. Die Kinder der Klasse 4a der Rosenplatzschule beteiligten sich an dieser Aktion und steuerten selbst gestaltete Laternen bei. Liebe, Frieden, Schutz – Schriftzüge wie diese zierten die Kerzengefäße zwischen gemalten Herzen und Regenbögen. Lehrerin Tina Schick hatte das Thema Kinderrechte und den Nationalsozialismus mit ihrer Klasse behandelt. Dazu erstellten die Schüler das Buch „Kinder haben Rechte“, das noch in diesem Monat erscheinen soll. „Wir haben viele Nationalitäten bei uns, und die Kinder haben toll mitgemacht“, sagte Schick. Sie hätten viele Fragen gestellt, auch zu aktuellen Themen. Andere Kinder wiederum waren daraufhin selbst auf ihre Großeltern zugegangen, um mit ihnen über deren Kindheitserlebnisse zu sprechen, erzählte sie weiter. „Ich finde es toll, dass wir die Kerzen gemacht haben. So können wir immer daran denken, und die Kinder haben es warm“, sagte Viertklässlerin Mathilda Tasche, nachdem sie ihre Laterne an dem Denkmal abgestellt hatte.

Nicht vergessen, nicht verdrängen – das war es auch, worum es der Lehrerin ging. „Die Geschichten müssen aufrechterhalten werden“, betonte sie. Nur so lernten die Kinder, was nicht wieder passieren dürfe. Ebendas thematisierte auch Mitinitiator Gerd Groskurt während seiner Rede an der Gedenkstätte: „Heute stehen hier drei Steine, die den Kindern einen Namen geben, den Angehörigen ein Stück Erinnerung sind und uns eine Mahnung sein sollten.“ Eine Mahnung, die menschliche Würde stets zu bewahren, Auseinandersetzungen nicht mit Hass und Gewalt zu führen. Gleichzeitig betrachtete er die Lichter auch als Symbol der Hoffnung, als Brücke zur Versöhnung mit den Mitmenschen und der Völker. In diesem Zuge verwies Groskurt auch auf ein anderes bedeutendes Ereignis: An diesem Montag, 10. Dezember, wurde vor 70 Jahren die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.


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