Mit dem RE 2 zum Großflughafen Schadet der neue Regionalexpress Osnabrück–Düsseldorf dem FMO?

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Der Flughafen Münster/Osnabrück ist zwar an die Autobahn A1, nicht aber ans Schienennetz angebunden. Von Osnabrück aus fährt lediglich ein Bus direkt zum FMO. Foto: David EbenerDer Flughafen Münster/Osnabrück ist zwar an die Autobahn A1, nicht aber ans Schienennetz angebunden. Von Osnabrück aus fährt lediglich ein Bus direkt zum FMO. Foto: David Ebener

Osnabrück. Zügig von Osnabrück zum Airport Düsseldorf: Ab Dezember 2019 verbindet erstmals ein Regionalexpress die drittgrößte Stadt Niedersachsens direkt mit dem drittgrößten Flughafen Deutschlands. Zum FMO in Greven fährt hingegen nur ein unbeliebter Mini-Shuttlebus. Wird die Bahn zur Gefahr für den Flughafen Münster/Osnabrück?

Nur zwei Stunden braucht der Regionalexpress RE 2 demnächst für die Strecke zwischen Osnabrück und Düsseldorf Flughafen. Zum Vergleich: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Osnabrück zum FMO gelangen will, ist mit der Pendelbus-Linie X150 als einziger Direktverbindung bereits 45 Minuten unterwegs. Lassen Flugreisende aus Stadt und Landkreis den Regio-Airport in Greven deshalb in Zukunft links liegen?

Für FMO keine neue Erfahrung

Nein, glaubt FMO-Sprecher Andrés Heinemann. Zugverbindungen zu Großflughäfen wie Düsseldorf, Frankfurt oder Amsterdam seien für den FMO keine neue Erfahrung. Von Münster bestehe die Linie RE 2 bereits seit vielen Jahren. Und auch aus Osnabrück könne man schon heute – wenngleich mit einem Umstieg – per Bahn zum Flughafen Düsseldorf fahren. Heinemann ist deshalb überzeugt: 

Mit einem attraktiven Flugplan mit vielen Zielen und entsprechenden Frequenzen, so wie er aktuell wieder von uns geboten wird, wird der Flughafen Münster/Osnabrück in unserer Region weiterhin die erste Wahl sein.
Gut für Fluggäste mit Angst vor Schlangen: Check-In-Schalter am Flughafen Münster/Osnabrück. Foto: David Ebener


Fluggäste schätzen Vorteile in Greven

Am FMO finde der Fluggast eine "entspannte und stressfreie Atmosphäre" vor. An großen Luftfahrt-Drehkreuzen wie Düsseldorf hingegen seien Passagiere "genervt von langen Schlangen an Check-In-Schaltern und unkalkulierbarer Wartezeit an der Sicherheitskontrolle", stellt Heinemann fest. Und während sie nach der Landung immer noch auf ihr Gepäck warten würden, "sind FMO-Nutzer schon wieder auf dem Heimweg".

Nicht nur viele Touristen, sondern auch Geschäftsreisende hätten sich daher ganz bewusst wieder für den Flughafen Münster/Osnabrück entschieden. "Die wachsenden Fluggastzahlen sind ein Beleg dafür", erklärt der Sprecher und kündigt an, den Service "gerade an diesen wichtigen Punkten" 2019 weiter zu verbessern. 

Airport Düsseldorf als Tor zur Welt

Der Flughafen Düsseldorf (DUS) geht davon aus, dass sich die Verlängerung der Regionalexpress-Linie RE 2 nach Osnabrück positiv auf sein Geschäft auswirken wird. "Ein moderater Anstieg der Fluggastzahlen aus der Region Osnabrück ist durchaus möglich", sagt DUS-Sprecherin Laura Overath. Genutzt würden insbesondere das Langstreckenangebot sowie Flugverbindungen ab Düsseldorf, die es an den näher gelegenen Regionalflughäfen nicht gibt.


Blick auf das Logo am Flughafen Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa


55.000 Passagiere aus der Region Osnabrück

In den ersten drei Quartalen 2018 seien am Airport Düsseldorf insgesamt 55.000 abfliegende Passagiere aus der Region Osnabrück (Postleitzahlen-Gebiete Stadt und Landkreis Osnabrück) gezählt worden. Das entspricht einem Anteil von 0,64 Prozent am gesamten Aufkommen von 8,6 Millionen – Flug/Flug-Umsteiger nicht mitgerechnet. Die Hälfte der Fluggäste reiste mit dem Auto an, 45 Prozent mit der Bahn. Overath sagt: 

Durch die verbesserte Nahverkehrsverbindung erwarten wir, dass mehr Passagiere für ihre Anreise von der Straße auf die Schiene wechseln werden.


Starker Trend vom Auto zur Bahn

Ohnedies sei bei der Wahl der Verkehrsmittel, mit denen Fluggäste aus der Region Osnabrück nach Düsseldorf gelangen, ein Trend weg vom Auto und hin zur Bahn festzustellen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum habe von insgesamt 60.000 abfliegenden Passagieren noch mehr als jeder Zweite (53 Prozent) die Anreise mit dem Pkw bevorzugt. Den Zug nahm dagegen nur gut jeder Dritte (36 Prozent). "Der Düsseldorfer Flughafen begrüßt deshalb die neue Regionalexpress-Verbindung von Osnabrück, die den Passagieren aus dieser Region eine umsteigefreie und komfortable Anreise zum Airport ermöglichen wird", betont Overath. (Weiterlesen: Streit um Halbstundentakt zwischen Osnabrück und Münster)

Kreis Steinfurt übernimmt Buslinie X150

Sogar der Kreis Steinfurt, zweitgrößter Gesellschafter des Flughafens Münster/Osnabrück und ab Februar verantwortlich für den FMO-Shuttlebus X150, sieht in dem erweiterten Nahverkehrszug-Angebot vor allem Chance statt Risiko. "Konkurrenz belebt das Geschäft. Einen Ausbau des ÖPNV können wir nur gut finden", sagt Baudezernent Franz Niederau. Auch zur umstrittenen Anbindung des FMO an die Stadt Osnabrück hat er eine klare Meinung:

Ein Flughafen ohne ÖPNV-Anschluss? Geht gar nicht. Deshalb stehen wir zur X150.
Wurde nach Angaben der Stadtwerke Osnabrück zu wenig genutzt: die Shuttlebus-Linie X150 zum Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Foto: Sebastian Stricker

Fahrplan wird stärker an Flügen ausgerichtet

Am 17. Dezember werde der Steinfurter Kreistag die Übernahme der bislang von den Stadtwerken Osnabrück betriebenen Pendelbus-Linie X150 beschließen. Trotz "mehr als bescheidener Nutzerzahlen" von meist ein bis vier Passagieren pro Fahrt, wie Niederau betont. Um das Shuttle attraktiver zu machen, solle der Fahrplan sich künftig stärker an Flugplan und Nachfrage orientieren. Ticketpreise hingegen blieben unverändert. Die Stadt Osnabrück hat bereits angekündigt, sich mit 100.000 Euro jährlich an den Kosten der Linie zu beteiligen.

FMO erleichtert über Erhalt der ÖPNV-Anbindung

Beim FMO zeigt man sich über den Erhalt der Busverbindung erleichtert. "Eine Einstellung der Linie, wie sie von den Stadtwerken Osnabrück beschlossen wurde, wäre gerade auch vor dem Hintergrund der neuen Entscheidungen zur Anbindung des Düsseldorfer Airports natürlich ein völlig falsches Signal gewesen", sagt Sprecher Heinemann.

Verhandlungen mit dem Ziel, die Auslastung der Linie X150 zu verbessern, würden in den kommenden Wochen geführt. "Außerdem werden wir in Osnabrück die Linie massiv bewerben." Hier sei allerdings auch das Engagement von Osnabrück Marketing und Tourismus (OMT) gefragt, so Heinemann weiter. "Denn für die Attraktivität einer Stadt ist eine gute ÖPNV-Anbindung zum eigenen Airport nicht unerheblich." 

Wem gehört der Flughafen Münster/Osnabrück?

Die FMO Flughafen Münster/Osnabrück GmbH hat 15 Gesellschafter. Die Stadt Osnabrück ist über ihre Tochter OBG zu gut einem Sechstel beteiligt. Alle Eigentümer im Überblick:
  1. Stadtwerke Münster GmbH (35,06 Prozent)
  2. Beteiligungsgesellschaft des Kreises Steinfurt mbH (30,28 Prozent)
  3. OBG - Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (17,20 Prozent)
  4. Grevener Verkehrs GmbH (5,89 Prozent)
  5. BEVOS Beteiligungs- u. Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH Landkreis Osnabrück (5,08 Prozent)
  6. Kreis Warendorf (2,44 Prozent)
  7. FMO Luftfahrtförderungs GmbH (2,08 Prozent)
  8. Kreis Borken (0,45 Prozent)
  9. Kreis Coesfeld (0,45 Prozent)
  10. Landkreis Grafschaft Bentheim (0,45 Prozent)
  11. Landkreis Emsland (0,45 Prozent)
  12. IHK Nord Westfalen (0,07 Prozent)
  13. IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (0,03 Prozent)
  14. Handwerkskammer Münster (0,03 Prozent)
  15. Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (0,03 Prozent)



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