Gegen die Verbreitung von Unfug Physiker-Duo verwandelt Rosenhof Osnabrück in Hörsaal für Wissenschafts-Show

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Experimentierfreudig: Reinhard Remfort (links) und Nicolas Wöhrl brechen im Rosenhof eine Lanze für die Wissenschaft. Foto: Thomas OsterfeldExperimentierfreudig: Reinhard Remfort (links) und Nicolas Wöhrl brechen im Rosenhof eine Lanze für die Wissenschaft. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Vom Podcast auf die Bühne: Mit ihrem Programm „Methodisch inkorrekt“ machten sich die Physiker Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort im ausverkauften Rosenhof auf unterhaltsame Weise für die Wissenschaft stark.

Unbewiesene Behauptungen und unbelegte Scheinfakten sind heutzutage weit verbreitet. Um die Erklärung der Welt nicht der Scharlatanerie und Esoterik zu überlassen, bringen die beiden aus dem Ruhrgebiet stammenden „Pottcaster“ Reinhard Remfort und Nicolas Wöhrl ihre naturwissenschaftlich aufklärerische Audio-Reihe „Methodisch inkorrekt“ nun auch auf die Bühne. Eine gute Idee, denn ob Video-Einspieler oder Experimente wie seinerzeit im Chemie- oder Physikunterricht, bei denen es dampft, zischt und leuchtet: Die visuelle Komponente erhöht noch einmal den Unterhaltungswert und verstärkt das Anliegen der beiden akademisch geschulten Wahrheitsfanatiker. 

Die mit dem Wasser reden

Einmal wird das Publikum im voll besetzten Saal des Rosenhofs buchstäblich geblendet. Ansonsten geht es dem kongenialen Duo, bei dem Wöhrl den strukturgebenden und Remfort den spontan chaotischen Part spielt, allerdings eher darum, esoterische Blender zu entlarven, die sie augenzwinkernd politisch korrekt als „Menschen mit besonderem Weltbild“ bezeichnen. Dazu zählen solche, die offen dazu raten, den Verstand auszuschalten und sich ausschließlich von Gefühlen leiten zu lassen, ebenso wie jene, die Quantentheorie für Heilversprechen missbrauchen oder die, die mit dem Wasser reden, um es verschwurbelt oder „eingekocht“ als besonders gereinigt und geweiht an dafür empfängliche Jünger zu verkaufen. Den „gebenden Blick“ enttarnen sie dabei als Mittel zum Nehmen. Denn auch und gerade das Esoterik-Business habe das ökonomische Prinzip perfektioniert, minimalen Aufwand mit maximalen Gewinn zu betreiben, wie Wöhrl und Remfort an unzähligen Beispielen illustrieren. Dabei geht es ihnen weniger um die wissenschaftliche Entzauberung der Welt, sondern vielmehr um eine Klar- und Richtigstellung von nicht belegbarem Unfug, mit dem trotz erdrückender Gegenbeweislast schnelles Geld gemacht werden soll, indem nur an Gefühltes und Geglaubtes appelliert wird. 

Wissenschaft ist keine Meinung

Ihr eigenes, im lockeren Plauderton und nicht im belehrenden akademischen Duktus vorgetragenes Programm wird so auch zu einem Appell, stets misstrauisch zu sein gegenüber „Pseudo-Fakten, die nicht ineinandergreifen“, und „Schwurbeltheorien“, die das „Vertrauen in das wissenschaftliche Weltbild untergraben“. Dass an manchen Schulen heutzutage „mehr getanzt als Physik“ gelehrt werde, stört sie. Und auch wenn ihr letztes „methodisch inkorrekte“ Experiment im Rosenhof kläglich verpufft ist und sich buchstäblich als Rohrkrepierer erweist, haben die beiden Physiker auf eine äußerst amüsante, kurzweilige und unterhaltsame Art bewiesen, dass Wissenschaft auch Spaß machen kann und „keine Meinung“ ist. Sondern die Grundlage des Zusammenlebens, der Motor der Geschichte und der Zivilisation und überdies ein probates Mittel, eben tatsächliche „Meinungen“, die auf Glauben statt Wissen basieren, infrage zu stellen. Was heutzutage auch jenseits der Naturwissenschaften wichtiger denn je erscheint.


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