Protest gegen EU-Flüchtlingspolitik Seebrücke Osnabrück: Wir wollen nicht länger wegsehen

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Demonstration gegen das Wegsehen: Renate Heise (links) und Michaelis van Kampen von Seebrücke Osnabrück verbinden der "Sitzenden" vor dem Gerichtsgebäude in der Hakenstraße die Augen.  Foto: Ralph Griesinger/Seebrücke OsnabrückDemonstration gegen das Wegsehen: Renate Heise (links) und Michaelis van Kampen von Seebrücke Osnabrück verbinden der "Sitzenden" vor dem Gerichtsgebäude in der Hakenstraße die Augen. Foto: Ralph Griesinger/Seebrücke Osnabrück

Osnabrück. Aktivisten der Seebrücke Osnabrück haben aus Anlass des 70. Jahrestages der UN-Menschenrechtserklärung über 20 Skulpturen in der Innenstadt die Augen mit einem orangefarbenen Tuch verdeckt.

Sie wollen mit dieser Aktion in den Farben der Seenotrettung dagegen protestieren, dass die europäischen Regierungen und Medien die Augen vor dem Sterben im Mittelmeer verschließen, heißt es dazu in einer Mitteilung der Initiative. "Im Jahr 2018 sind laut Angaben des UNHCR über 2000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken oder verschwunden. Die Todesrate hat sich im September auf über 20 Prozent erhöht, als keine zivilen Seenotretter im Einsatz waren. Fast 18.000 Menschen ertranken seit 2014 auf der Überfahrt", heißt es in der Mitteilung weiter. 

Misshandlungen 

„Mit der Aktion soll dagegen protestiert werden, dass die europäischen Regierungen die Seenotrettung im Mittelmeer weiter blockieren und die zivilen Seenotretter kriminalisieren“, so die Sprecherin der Initiative Renate Heise. So weigerten sich die Regierungen Italiens oder Maltas, gerettete und schutzsuchende Menschen aufzunehmen. Die aktive Unterstützung Europas für die libysche Küstenwache habe dazu beigetragen, dass 2018 mehr als 10.000 gerettete Menschen nach Libyen zurückgebracht wurden. Dabei habe diese Küstenwache nach vielen Berichten selbst direkte Verbindungen zur organisierten Kriminalität und den Schleusern. In den Auffanglagern Libyens werden Flüchtlinge gefoltert, misshandelt, vergewaltigt oder als Sklaven verkauft.

„Angesichts des Bruchs des Völkerrechts durch die Europäische Union fordern wir am 70. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung, dass die EU den Friedensnobelpreis zurückgibt, den sie 2012 erhalten hat“, erklärt Renate Heise. „Wir wollen uns mit der menschenverachtenden Politik Europas nicht abfinden. Deshalb fordern wir auch, dass Städte Flüchtlinge über ihre offizielle Quote hinaus aufnehmen.“ Osnabrück habe sich im August zum "sicheren Hafen" erklärt und der Bundesregierung angeboten, zusätzliche Schutzsuchende aufzunehmen.

Inzwischen seien drei neue Rettungsschiffe ausgerüstet und im Mittelmeer unterwegs. Die Seebrücke Osnabrück ruft zu Spenden für die Organisation Sea-Watch auf.


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