Mario Wurmitzers Stück "Nähe" Eine Sprache für die Beziehungslosigkeit

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Herbststimmung: Vater Heinz (Ronald Funke) und Tochter Lisa  (Denise Matthey) haben sich anfangs nicht viel zu sagen  im Stück „Nähe“. Im Hintergrund Bühnenbildnerin Ute Radler, Ron Zimmering und Jens Peters. Foto: David EbenerHerbststimmung: Vater Heinz (Ronald Funke) und Tochter Lisa (Denise Matthey) haben sich anfangs nicht viel zu sagen im Stück „Nähe“. Im Hintergrund Bühnenbildnerin Ute Radler, Ron Zimmering und Jens Peters. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Tragikomödie "Nähe" , mit der der junge Österreicher Mario Wurmitzer den Osnabrücker Dramatikerpreis gewonnen hat, wird am 14. Dezember im Osnabrücker Theater uraufgeführt. Über das Stück und seine eigenwillige Sprache.

Die Sprache in Mario Wurmitzers Stück fällt auf. Mit „Nähe“ hat er den dritten Durchgang des Osnabrücker Dramatikerpreises gewonnen. Viele Sätze werden von den Figuren nicht zu Ende gesprochen – und doch weiß man, welches Wort fehlt. Was drückt der junge, aus Österreich stammende Autor mit diesem Stilmittel aus?

„Nähe“ kreist um Lisa, die sich selbst abhanden gekommen ist. Sie und ihr Mann, ein Pilot, haben sich nichts mehr zu sagen und trennen sich. Lisa ist zwar ständig in Aktion, erlebt aber immer nur das Gleiche und Belanglose. Ein Schlaganfall ihres Vaters Heinz zwingt sie zurück in ihr Heimatdorf. Doch auch Vater und Tochter haben sich entfremdet, keine gemeinsame Sprache mehr und stochern mit unvollständigen Sätzen im Nebel zweier fremder Welten.

Ein Kreislauf auf der Bühne

Wie erweckt man ein Stück ohne jede Dramatik zum Bühnenleben? Regisseur Ron Zimmering und Bühnenbildnerin Ute Radler lassen die Figuren auftreten, die in Lisas dörflicher Vergangenheit eine Rolle gespielt haben: ihre tote Freundin, die Postbotin, der Bürgermeister, der Gesangsverein. Da die unrealistisch mal nachts um drei auftauchen, unterstreicht ein Kreislauf die Absurdität, eine „Reigenstruktur“ nennt es Zimmering. Die Bühne ist sehr breit, weist drei Wände und Mauern auf und die Figuren strömen „wie auf Breitband“ /Zimmering) von links vorüber. Das Regieteam hat dabei an Peter Handkes stummes und 1992 uraufgeführtes Stück „Die Stunde, da wird nichts voneinander wußten“ gedacht.

Lisas Panzer Bröckelt

„Lisas Panzers bröckelt auf dieser Reise zu sich selbst“, sagt Ron Zimmering. Wobei früher, in ihrem dörflichen Leben, auch nichts besser gewesen sei als heute. Von Nostalgie also keine Spur.

Die beiden Hauptfiguren, Denise Matthey und Ronald Funke, stöhnen ein wenig, denn leicht ist ihnen Wurmitzers Sprache nicht gefallen, auch nicht die Entscheidung, ob man die Satzfragmente alltagssprachlich spricht oder ihre formale Setzung betont. Mario Wurmitzer scheint in der Hinsicht nicht festgelegt zu sein. Denise Matthey (Lisa) sagt, sie habe die Sätze gelernt wie einen Song.

Das Team hat viel diskutiert, unterschiedliche Temperaturen, Gefühlslagen, ausprobiert, um den schmalen Grat zwischen Melancholie und leiser Komik zu finden. Bis auch Ronald Funke ( Heinz) warm geworden ist mit „Nähe“, 


Die Uraufführung von "Nähe" ist am Freitag, 14. Dezember um 19.30 Uhr im Emma-Theater der Städtischen Bühnen Osnabrück. Kartentel. 0541-7600076.


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