Rückkehr als A-cappella-Formation Ex-Wise-Guys sorgen in Osnabrück für Gänsehaut-Momente

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Mitreißend: die neu formierten Wise Guys um Gründungsmitglied Daniel Dickopf (rechts).André HavergoMitreißend: die neu formierten Wise Guys um Gründungsmitglied Daniel Dickopf (rechts).André Havergo

Osnabrück. Im vergangenen Jahr nahmen die Wise Guys Abschied vom Publikum. Seither wagt Gründungsmitglied Eddi Hüneke als singender Musiker einen Neustart, derweil drei Ex-Mitglieder mit neuen Kollegen die Nachfolge der erfolgreichsten deutschen A Cappella-Formation antreten.

Rudelsingen mit alten Bekannten: Das Publikum ist aufgestanden und lässt sich von dem Sänger auf der Bühne in vier Segmente einteilen. Jeder Block bekommt eine Melodielinie vorgesungen, die von den jeweiligen Zuschauern aufgenommen wird, bis der ganze Saal von vierstimmigem Chorgefüge erfüllt ist. Da bekommt manch ein Beteiligter Gänsehaut, erst recht, als die A Cappella-Truppe vorn im Scheinwerferlicht den mitreißenden Refrain des Songs „Wir sind da“ in dieses komfortable Chorbett legt. Es setzt stehende Ovationen, obwohl das Konzert noch gar nicht zu Ende ist.

Diese Sänger wissen, wie man ein Publikum um den Finger wickelt. Immerhin haben zumindest drei von ihnen mit den Wise Guys sensationelle Erfolge feiern können. Angefangen hatten die „Besserwisser“, so die Übersetzung von Wise Guys, vor mehr als 25 Jahren als Schülerband. Nach dem Abitur gründeten sie eine A Cappella-Truppe und verkauften später die größten Hallen im deutschsprachigen Bereich aus. Dann kam das bittere Ende: 2017 gingen die Wise Guys auf Abschiedstournee. Damit die vielen Fans nicht ganz auf ihre in die Jahre gekommene Boygroup verzichten müssten, kündigte Daniel „Dän“ Dickopf an, dass er mit den Kollegen Björn Sterzenbach und Nils Olfert wieder eine a Cappella-Gruppe gründen würde. „Wir suchen uns neue Mitstreiter und nennen uns „Alte Bekannte“, sagte Dän, der heute als einziges Gründungsmitglied der Wise Guys weitermacht.

Urmitglied Eddi Hüneke hat sich nach der Trennung als Solokünstler selbstständig gemacht. Im Rosenhof stellte er vor nicht langer Zeit sein erstes Album im Alleingang vor, musste aber feststellen, dass die Tatsache, ein Wise Guy gewesen zu sein, nicht ausreicht, um einen Saal zu füllen. Wegen geringer Resonanz verlegte er sein Konzert ins Foyer des Ladens, wo er vor zirka 60 Zuschauern mit seinem Pianisten Tobi Hebbelmann musizierte und sang. Was eher nach Neustart aussah, gestaltet sich bei den Alten Bekannten anders. Zwar verkauften sie nicht, wie früher mit den „Klugscheißern“, den Europasaal der Osnabrückhalle aus, sondern sie hatten den kleineren Kongresssaal gebucht – der mit 500 Zuschauern aber auch komplett ausverkauft ist. „Hier ist es auch ganz schön mit den verglasten Wänden. Man kann ja die ganze Skyline von Osnabrück sehen“, scherzt Nils Olfert.

Offenbar funktioniert das Rezept, mit dem die Wise Guys berühmt wurden, auch heute noch: Eigene Lieder mit witzigen Texten im puren Gesangsmodus zum Besten geben und ein paar Coversongs mithilfe gelungener Arrangements charmant interpretieren. Dazu gehören amüsante Moderationen und lustige, kleine Choreografien. In dieser Tradition auftretend dürfte es den Alten Bekannten nicht schwer fallen, an den Erfolg der Wise Guys anzuknüpfen.

An mangelnder Qualität wird die Karriere dieses Quintetts jedenfalls nicht scheitern. Bei den schnelleren Liedern bekommt man schnell das Gefühl, dass Rhythmus und Bass vom Techniker am Mischpult dazugemixt werden. Doch diesem Vorwurf setzten sich die fünf Schönsänger nicht aus: Clemens Schmuck, einer der beiden neuen im Gesangsverein, demonstriert schon bald seine hohe Kunst als „Beatboxer“, der mit dem Mund Bass und Schlagzeug imitiert.

Sogar nachdenkliche Songs, die bei den Wise Guys sehr gut ankamen, haben die Alten Bekannten mitgebracht. „Nur Du allein“ heißt ein Lied über Depressionen. „Ich habe selbst darunter gelitten“ erzählt Dän, der die meisten Texte der Truppe schreibt. Wenn man unter solch einer Erkrankung leide, müsse man wissen, wie man sich richtig helfen lassen kann, betont er. Das Lied erntet lang anhaltenden Applaus.

Nach der Ankündigung, auch die Tradition des „Afterglow“ im Foyer fortzuführen, das in einem allerletzten, unplugged gesungenen Lied gipfelt, singen die Alten Bekannten als Zugabe die euphorischste und gar nicht sarkastisch gemeinte Lobeshymne, die die Stadt an der Hase je gehört hat: „Osnabrück, du bist die schönste Stadt der Welt!“


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