Weihnachtsgeschäft läuft Osnabrück trotzt dem Onlinehandel: Die City ist voll

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Freitag, 13 Uhr. Autoschlange vor dem L&T-Parkhaus. Foto: Michael GründelFreitag, 13 Uhr. Autoschlange vor dem L&T-Parkhaus. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Onlinehandel lässt unsere Innenstädte sterben? Eine Umfrage der Commerzbank und die Frequenzmesser in der Fußgängerzone lassen für Osnabrück einen anderen Schluss zu: Die Stadt ist voll. Und das Portemonnaie der Kunden angeblich auch.

L+T-Geschäftsführer Thomas Ganter freut sich, wenn er schon morgens beim Blick aus dem Bürofenster eine Schlange vor dem L+T-Parkhaus sieht. Die Kunden warten lieber in der Autoschlange auf einen freien Platz bei L+T, statt eines der Parkhäuser am Rande der Innenstadt anzusteuern. Warum? "Bequemlichkeit", sagt Ganter. Der Kunde mag es bequem. Auch deshalb sei der Onlinehandel so erfolgreich: "Weil man vom Sofa aus bequem bestellen und sich die Sachen ins Haus bringen lassen kann." 

Die Sorge ist groß im Einzelhandel, dass die Menschen aus lauter Bequemlichkeit nicht mehr in die Stadt kommen. Die Zahl der Passanten, die in Osnabrück kontinuierlich von sechs Laseraugen ermittelt wird, ist tendenziell rückläufig. Von 2016 auf 2017 ging die Zahl um knapp zwölf Prozent zurück. Mark Rauschen, L+T-Chef und Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses, sieht darin "echte Warnsignale," wie er in dieser Woche nach der Jüngsten Sitzung des IHK-Ausschusses sagte. Er mahnte: „Gerade in dieser für den Handel wichtigsten Jahreszeit müssen unsere Innenstädte gut erreichbar sein."

Anlass zum Optimismus

Die jüngsten Zahlen der Passantenmessung geben aber Anlass zum Optimismus. Am ersten Adventssamstag strömten 157.527 Menschen an den Messstellen in der Innenstadt vorbei, das waren 7,7 Prozent mehr als am ersten Advent des Vorjahres. Am Freitag vor dem ersten Adventswochenende lag die Frequenz mit rund 102.000 Besuchern exakt auf dem Niveau von 2017. Die Messung zeigt auch, dass der sogenannte Black Friday am 23. November (ein aus den USA importierter Schnäppchentag) immer mehr mobilisiert. Dieses Mal kamen mit 100.000 Menschen fast 14 Prozent mehr Menschen in die Stadt als vor einem Jahr (88.000).

Diese neuen Zahlen passen zu einem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die die Commerzank in Auftrag gegeben hat. Demnach verzeichnete die Hälfte der Osnabrücker Händler 2018 mehr Kunden als vor einem Jahr. Insgesamt seien die Einzelhändler in Osnabrück positiv gestimmt: 77 Prozent beurteilen die wirtschaftliche Entwicklung als sehr gut oder stabil.

Wie die Hasewelle wirkt

Auch L+T kann über die Frequenz nicht klagen. "Wir haben uns mit der Investition ins Sporthaus ein Stück weit vom Trend abgekoppelt", sagte Thomas Ganter. Das Sporthaus und die Hasewelle, die im März in Betrieb gingen, haben nach Ganters Angaben zusätzliche Besucher ins Haus geholt. "Da ist sicher viel Neugier dabei. Spannend wird es, wie sich die Zahlen in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln." 

Mit dem Umsatz in den ersten beiden Adventswochen ist Ganter "ganz zufrieden". Vor allem Mode-Accessoires und Lederwaren sei nachgefragt worden. Nach dem warmen Oktober habe der kalte November das Geschäft vor allem bei Wintermode in Fahrt gebracht. "Wir liegen im Umsatz ganz knapp über dem Vorjahresniveau. Gut wäre, wenn es jetzt noch vier bis fünf Grad kälter würde."

Verhaltener Optimismus

Katja Calic von Unternehmerverband Einzelhandel hört aus der Branche einen verhaltenen Optimismus. Die Erwartungen für diesen und den nächsten Samstag seien "recht hoch", sagte sich unserer Redaktion am Freitag. Viele Einzelhändler quer durch alle Branchen hätten ihr von einem "verhaltenen Start" ins Weihnachtsgeschäft berichtet. Doch weil die Adventszeit relativ kurz sei, würden die Last-Minute-Käufer in diesem Jahr wohl früher losgehen. Im Trend liegen nach ihren Angaben weiterhin Unterhaltungselektronik, aber auch klassische Spielwaren wie Gesellschaftsspiele, Lego oder Playmobil. "Und natürlich Gutscheine", so Calic.

Die Handelsexpertin hat noch einen anderen Trend ausgemacht: Hochwertiges wird bevorzugt, am liebsten schick verpackt.

Fast 600 Euro für Weihnachtsgeschenke

Das bestätigen auch die Ergebnisse einer Umfrage des Handelsverbandes Nord in Hamburg. Demnach wollen die Norddeutschen in diesem Jahr deutlich mehr für Weihnachtsgeschenke ausgeben, die Hamburger mit 482 Euro im Schnitt um sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Jeder zweite Deutsche (über zwölf Jahren) gibt der Umfrage zufolge mehr als 300 Euro für Weihnachtsgeschenke aus, jeder Fünfte Deutsche sogar mehr als 500 Euro.

Am lockersten sitzt das Geld bei den sogenannten Babyboomern: Die 53- bis 65-Jährigen lassen sich die Geschenke in diesem Jahr durchschnittlich 588 Euro kosten.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN