Warum Frauen im IHK-Präsidium fehlen „Eine Vizepräsidentin muss das Ziel sein“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Männerriege: Mathias Middelberg (von links), Thomas Kolde, Franz-Josef Paus, Matthias Hopster, Axel Mauersberger, Uwe Goebel, Hendrik Kampmann, Martin Schlichter, Heinrich Koch, Ulrich Boll, Hans-Christoph Gallenkamp, Mark Rauschen und Marco Graf. Foto: IHKMännerriege: Mathias Middelberg (von links), Thomas Kolde, Franz-Josef Paus, Matthias Hopster, Axel Mauersberger, Uwe Goebel, Hendrik Kampmann, Martin Schlichter, Heinrich Koch, Ulrich Boll, Hans-Christoph Gallenkamp, Mark Rauschen und Marco Graf. Foto: IHK

Osnabrück Das Bild steht beispielhaft: Nach der Wahl der neuen Führungsriege lächeln Männer im Anzug nebeneinander aufgestellt in die Kamera. Wie nach der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, die Uwe Goebel zum neuen Präsidenten gewählt hat. Goebel übernimmt das Amt von Martin Schlichter. Und nicht nur der neue Präsident, auch die Vizepräsidenten, die bestätigt oder neu gewählt wurden, sind männlich.

Dabei hatte Martin Schlichter schon vor der Wahl zur Vollversammlung im Herbst kräftig die Werbetrommel für mehr Frauen im Ehrenamt der Kammer gerührt. Eine Präsidentin wäre gar die erste in dieser IHK, hatte er in einem Gespräch gesagt. Daraus ist nichts geworden. Warum?

Ohne Frage, die IHK brauche mehr Frauen, und man bemühe sich auch weiterhin, sie für das Ehrenamt zu begeistern, betont Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Aber: „Die Vollversammlung ist ein Spiegelbild der Wirtschaft“, so Graf weiter, sowohl mit Blick auf die Region als auch auf die Branchen. Hier bleiben Frauen in Führungspositionen trotz langfristig steigender Quote eine Minderheit.

Zeit ein limitierender Faktor

Dennoch, auch das betont der IHK-Hauptgeschäftsführer, sei der ehemalige Präsident und jetzige Ehrenpräsident Martin Schlichter erfolgreich darin gewesen, Unternehmerinnen für eine Kandidatur zur Vollversammlung zu begeistern: Immerhin 16 haben sich zur Wahl gestellt, neun von ihnen haben es in die Vollversammlung geschafft. „Da haben wir uns natürlich die Frage gestellt, ob jemand von ihnen mit langjähriger Erfahrung in der IHK oder in anderen Wirtschaftsverbänden für das Amt der Vizepräsidentin zur Verfügung stünde“, sagt Graf.

Dieses Mal seien die Anfragen jedoch ohne Erfolg geblieben. Eine Begründung habe man immer wieder gehört: Der Zeitaufwand sei mit Blick auf die persönliche Planung zu hoch. Dieses Zeitproblem hatte Schlichter schon im Vorfeld angesprochen: „In der Praxis ist es leider immer noch so, dass Frauen neben dem Beruf oft die Hauptlast tragen, wenn es um die Versorgung der Familie geht.“ Abfinden will man sich bei der IHK mit dem geringen Frauenanteil aber nicht. „Dass die IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim eine Vizepräsidentin bekommt, muss das Ziel für die nächste Wahl sein“, betont Graf.

Ausschussvorsitzende möglich

Bis dahin wird das ehrenamtliche Präsidium eine Männerdomäne bleiben – wie in den meisten IHKs in Niedersachsen. Ganz ohne Frauen in Führungspositionen soll die Vollversammlung jedoch nicht bleiben. Die Fachausschüsse, in denen Positionen erarbeitet werden, sind demnächst zu besetzen – ebenso die Posten der Ausschussvorsitzenden. „Hier bin ich optimistisch, dass wir eine Ausschussvorsitzende bekommen werden“, sagt Graf.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN