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In Osnabrück und anderen Städten Wohnungskonzern Vonovia reagiert mit Sanierungsstopp auf Mieterprotest

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Osnabrück. Mieterhöhungen um knapp 50 Prozent haben Mieterproteste in Osnabrück und anderen Städten ausgelöst, weil Mieter die Zeche für die energetischen Sanierungen zahlen mussten. Jetzt reagiert Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia mit drastischen Maßnahmen. Der Mieterbund Niedersachsen-Bremen zeigt sich von der Geschäftspolitik empört.

Vonovia-Chef Rolf Buch will seine energetischen Investitionen in Deutschland um rund 40 Prozent kürzen und begründet das mit einer „dramatisch zurückgegangenen“ gesellschaftlichen Akzeptanz für die mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen. Vonovia ist mit 400.000 Wohnungen Deutschlands größter Vermieter. Von Buchs Ankündigung stark betroffen ist auch der Norden Deutschlands. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verfügt Vonovia über 83.000 Wohnungen. Auch in der 170.000-Einwohner-Stadt Osnabrück ist der Immobilienriese mit knapp 4000 Wohnungen derzeit größter Wohnungsvermieter. Nach Mieterhöhungen infolge von energetischen Sanierungen um bis zu fast 50 Prozent gab es harsche Kritik. Der Caritasdirektor für die Diözese Osnabrück, Franz Loth, bezeichnete diese Mieterhöhungen als „asozial“ und rügte, dass der Wohnungsvermieter sich seiner sozialen Verantwortung nicht bewusst sei.

( Weiterlesen: Vonovia muss auf die verunsicherten Osnabrücker Mieter zugehen)

Laufende Projekte werden geprüft

Nun reagiert Vonovia: „Aktuell prüfen wir die Projekte für 2019 intensiv. Auch die laufenden Projekte werden wir uns noch einmal ansehen“, antwortete ein Konzernsprecher auf die Frage unserer Redaktion, in welchem Maße energetische Investitionen in unserer Region nun gestoppt werden. Im Jahr 2018 hat Vonovia 543 Wohnungen in Osnabrück energetisch saniert und plante bislang, jährlich rund 150 Wohnungen in den kommenden Jahren energetisch zu sanieren. Unsere Redaktion hatte in den vergangenen Wochen über zahlreiche zweifelhafte Vonovia-Modernisierungen in Osnabrück berichtet. Die Mieterhöhungen waren ein Vielfaches höher als die Ersparnis bei den Heizkosten.

( Weiterlesen: Vonovia überdehnt die Grenzen des Rechts)

Mehr Investitionen in Schweden statt in Deutschland

Vonovia-Chef Buch erklärte mit Blick auf den Streit um energetische Sanierungen: „Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen.“ Während die Modernisierungsquote bei Vonovia bislang bei rund fünf Prozent des Wohnungsbestands gelegen habe, soll sich dieser Wert nun auf rund drei Prozent reduzieren. Künftig werde es durch Sanierungen zudem keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben, damit verhindert werde, dass Mieter ihre Wohnungen als Folge der modernisierungsbedingten Mietsteigerungen verlassen müssen. Vonovia werde die frei werdenden Mittel künftig verstärkt in Neubauten und in Modernisierungen in Schweden investieren, wo die Akzeptanz dafür deutlich größer sei, kündigte Buch an.

( Weiterlesen: Vonovia fehlt im Umgang mit Osnabrücker Mietern der Anstand)

Mieterbund: Vonovia modernisiert bezahlbaren Wohnraum weg

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Mieterbunds Niedersachsen-Bremen, Carsten Wanzelius, kommentierte: „Der Vonovia-Chef will der Politik ein schlechtes Gewissen einreden, indem er ankündigt, stärker in Schweden als in Deutschland zu investieren.“ Von einer fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz für den Klimaschutz in Deutschland könne aber nicht die Rede sein. „Die Geschäftspolitik empört, weil Vonovia bezahlbaren Wohnraum durch die unbegrenzten Modernisierungserhöhungen wegmodernisiert.“

Vonovia-Chef Rolf Buch will die energetischen Investitionen in Deutschland um rund 40 Prozent kürzen und begründet das mit einer „dramatisch zurückgegangenen“ gesellschaftlichen Akzeptanz für die mit starken Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen. Foto: dpa

( Weiterlesen: Drastische Mieterhöhungen nach Sanierungen in Osnabrück: Ein legaler Skandal)


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