Studenten im Einsatz Mit Engeln und dem „echten Nikolaus“ unterwegs in Osnabrück

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In der Katholischen Hochschulgemeinde verkleiden sich Studenten als Nikoläuse und Engel für Hausbesuche am Nikolaustag. Foto: Michael GründelIn der Katholischen Hochschulgemeinde verkleiden sich Studenten als Nikoläuse und Engel für Hausbesuche am Nikolaustag. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Kleine Kinder sind überzeugt, dass es ihn gibt. Und auch viele Erwachsene hoffen, vom Nikolaus beschenkt zu werden. Männer in roten Kostümen sind in der Vorweihnachtszeit zuhauf unterwegs. Nur ganz selten ist es der „echte Nikolaus“.

Um dem Heiligen aus Myra ganz persönlich zu begegnen und einen Einblick in die geschichtliche Persönlichkeit zu bekommen, hinter der sich zahlreiche Legenden verbergen, die ebenso poetisch wie tiefsinnig sind, besuche ich die Katholische Hochschulgemeinde in Osnabrück. Hier schlüpfen jedes Jahr am 6. Dezember circa zwanzig Studierende in Nikolausgewänder und Engelskostüme, fahren zu Kindern, lesen aus dem Goldenen Buch vor und erzählen die Geschichte des heiligen Nikolaus.

Das Ankleiden dauert ganz schön lange. Foto: Michael Gründel

Als ich kurz nach 14 Uhr ankomme, liegen bereits die passenden Kostüme frisch gewaschen und gebügelt auf einem Stapel parat. Die ersten Studenten beginnen damit, sich ein weißes Schultertuch abenteuerlich um den Oberkörper zu wickeln und schlüpfen in die Albe, eine weiße knöchellange Tunika. Darüber kommt das rote Bischofsgewand mit Goldbordüren-Einfassung. Eine um den Bauch geschlungene Kordel, wuscheliger schneeweißer Bart und eine ebensolche Perücke geben den letzten Schliff und verwandeln die fünf anwesenden Männer innerhalb weniger Minuten in bischöflich kostümierte Nikoläuse.

Fehlt nur noch die Perücke. Foto: Michael Gründel

Fehlen nur noch Handschuhe, Krummstab und natürlich die Mitra, diese sich hoch auf dem Kopf türmende zweispitzige Bischofsmütze. Fröhlich sind mittlerweile auch die zehn Engel in entsprechende Kostüme geschlüpft, haben sich einen silbern glitzernden Heiligenschein in die Locken gesteckt, Engelsflügel umgebunden und sehen geradezu himmlisch aus.

Hier kommt die Mitra. Foto: Michael Gründel
Weihnachtsreporterin Monika Vollmer im Gespräch mit Mathea Knirsch, Lena Höneberg und Hannes Giesen. Foto: Michael Gründel

Melina Stellmacher (21) ist zum dritten Mal Engel und weiß, was sie die nächsten Stunden erwartet. „Die Kinder warten immer schon ganz aufgeregt auf uns, freuen sich und sind sehr respektvoll“, berichtet sie von ihren Erfahrungen und erzählt, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, die Fassung zu bewahren und nicht laut los zu lachen. „Es ist teilweise schon lustig, die Reaktionen zu beobachten“.

„Die Kinder warten immer schon ganz aufgeregt auf uns, freuen sich und sind sehr respektvoll.“Melina Stellmacher, Engel am Nikolaustag

Fünf Teams sind unterwegs

Insgesamt 21 Stationen sind an dem Nachmittag von den fünf Teams abzuarbeiten. Teilweise besuchen sie Gruppen mit 30 Kindern, teilweise Familien mit einem Kind. Der Ablauf davor ist jedoch immer gleich: in weiter Entfernung wird geparkt. Klar, ein Nikolaus kommt mit dem Schlitten und nicht mit dem Auto. Vor dem Haus sammelt das Team schnell die bunten Päckchen, die vorab die Eltern versteckten, in einen großen Jutesack und klopft lautstark an die Tür.

Im Goldenen Buch stehen alle wichtigen Informationen über die Kinder. Foto: Michael Gründel

Da ich ein Engelskostüm nur probehalber überstreifen durfte und dann an einen wahren Himmelsboten zurückgeben musste, darf ich das Team nicht weiter begleiten. Kurz zuvor konnte ich aber einen Blick in das ominöse Goldene Buch werfen. Darin befinden sich Notizen zu den jeweiligen Kindern, die die Mütter dem Nikolaus im Vorfeld mitteilten. Von Geschwisterkindern, die sich hauen oder die Mutter ärgern bis hin zu dem Kleinkind, welches sich nachts von seiner Windel trennen soll. Ob die Kinder sich auch nach dem Erhalten des Geschenkes an ihr Versprechen erinnern, sich zu bessern, weiß auch der Nikolaus nicht.

Geschichten aus dem Leben des Heiligen

Er tadelt nur kurz und belohnt die anschließend braven Kinder mit Geschenken, während er eine Geschichte vom Heiligen Bischof Nikolaus erzählt. „Meist ist es die Geschichte mit der großen Hungersnot oder wie Nikolaus den Seeleuten in Not hilft. Die kann man sich leicht merken“, erklärt Referentin Natalie Giesen, die seit September die Organisation der Aktion übernommen hat.

Dass diese Legenden nicht nur auf dem Leben des Bischofs von Myra basieren, sondern auch auf denen eines Abtes namens Nikolaus von Sion, spielt keine Rolle. Rein geschichtlich betrachtet, bleibt die Lebensgeschichte des Nikolaus also im Dunkeln der Vergangenheit.

Los geht's: Hannes Giesen und Lena Höneberg auf dem Weg zur ersten Familie. Foto: Michael Gründel
Foto: Michael Gründel

Die kleinen Kinder interessiert das wenig. Sie singen oder tragen dem Nikolaus und seinen Engeln ein Gedicht vor und behalten ihn in Erinnerung bis in die Gegenwart. Und werden, wenn sie groß sind, die Stiefel erwartungsvoll am Vorabend seines Festes vor die Tür stellen und hoffen, dass sie am nächsten Morgen gefüllt sind.


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