Bayerisches Arbeitsdorf in Osnabrück Moderne Arbeitsplätze: Holzhütten als Büros

Die Firma Salt and Pepper Software Solutions hat in einer Lagerhalle neben ihrem Firmensitz provisorisch ein Hüttendorf für ihre Mitarbeiter aufgebaut. Foto: Michael GründelDie Firma Salt and Pepper Software Solutions hat in einer Lagerhalle neben ihrem Firmensitz provisorisch ein Hüttendorf für ihre Mitarbeiter aufgebaut. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Osnabrücker Softwarefirma Salt and Pepper stellt fast wöchentlich neue Mitarbeiter ein, aber das neue Bürogebäude neben dem jetzigen wird erst im Sommer 2019 fertig. Die Beschäftigten arbeiten in Holzhütten, die in einer Lagerhalle nebenan aufgebaut wurden. Sieht so modernes Arbeiten aus? Ein Ortsbesuch.

In der 800 Quadratmeter großen Halle stehen 24 Gartenhütten, auf dem Fußboden liegt grüner Kunstrasen und an den Wänden hängt ein Alpenpanorama. "Passend zu den Hütten wollten wir eine Atmosphäre wie in einem bayerischen Bergdorf schaffen", sagt Timo Seggelmann, Geschäftsführer Salt and Pepper.

Die Lagerhalle als bayerisches Hüttendorf: Der Arbeitsplatz für Katharina Oelgemöller, Marcel Krause und Tobias Sibera. Foto: Michael Gründel

Wohnzimmer-Atmosphäre

Die Temperaturen in der Halle sind eher kühl, aber in den einzelnen Lauben ist es warm wie in einer Berghütte und auf dem Boden liegt flauschiger Teppich – manche schlendern in Socken von Hütte zu Hütte. "Ich finde es schön und würde hier bleiben. Es hat ein bisschen was von einer Wohnzimmer-Atmosphäre", sagt Katharina Oelgemöller in Anwesenheit ihres Chefs Seggelmann. Auch die anderen Mitarbeiter finden es "gemütlich" und "schön".

Katharina Oelgemöller an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Michael Gründel


Wenig Tageslicht

Seggelmann selbst weiß aber auch von Kollegen, die das anders sehen und sich auf das neue Büro-Gebäude freuen: "Dieses Arbeitsumfeld ist eine kreative Übergangslösung." Es sei zwar einmalig in Osnabrück, aber könne auf Dauer keine Traumumgebung für Mitarbeiter sein, weil zum Beispiel zu wenig Tageslicht hineinkomme. Nur durch die Oberlichter dringt Licht in die Halle. Damit dieses überhaupt in den Hütten ankommt, wurden in die Gartenlauben Dachfenster eingebaut.

Manchmal öffnen die Mitarbeiter ein Hüttenfenster und lassen Hallenluft rein – frische Bergluft gibt es hier noch nicht. Die 20 bis 36 Quadratmeter großen Hütten bieten Platz für die verschiedenen Projektteams, die mal aus vier oder fünf Personen bestehen.

Manuel Kosta von Salt and Pepper testet eine VR (virtuelle Realität)-Brille. Foto: Michael Gründel


Suche nach Mitarbeitern und Büroräumen

In der Kaffee-Partner-Allee hat die Softwarefirma Salt and Pepper für ihren Geschäftsbereich "Software Solutions" ihren Hauptsitz. Doch das Büro-Gebäude reicht nicht mehr aus. Als die Firma im Mai 2017 in die Büros einzog, beschäftigte Seggelmann 40 Mitarbeiter. Derzeit seien es rund 125 Mitarbeiter. Ganz genau kann der Geschäftsführer das nicht sagen, denn "fast jede Woche stellen wir ein". Die Aufträge seien da, aber nicht genügend Mitarbeiter. Manchen Kunden würden sie sagen, dass sie erst einstellen müssen, bevor sie das Projekt angehen können.

Und neben der Suche nach Personal steht die Suche nach Büroräumen an. Seggelmann wollte die kurzen Wege für seine Mitarbeiter beibehalten. Deshalb wurde die Lagerhalle nebenan, die bis dahin von einer Speditionsfirma genutzt wurde, gemietet und in ein Hüttendorf umgewandelt.

Virtuelle Realität

Eine Holzhütte dient als Teeküche, eine als Besprechungsraum und eine als Vorführraum für die neue Technologie der virtuellen Realität. Für die Planung der Übergangslösung hat der Vermieter Ost und Koch Immobilien (OKI), der auch das neue und alte Büro-Gebäude gebaut hat, auf eben diese Technik von Salt and Pepper zurück gegriffen.

Ein Blick in das Büro-Loft mit dem kleinen beleuchteten Besprechungsraum. Foto: Michael Gründel


Der Anwender kann in einem dreidimensionalen Raum verschiedene dargestellte Objekte bewegen und platzieren. So wurden im Vorfeld ohne schon echte Hütten zu besitzen, diese in der Halle hin und her geschoben und auch Schreibtische und Teppiche im Inneren der Lauben quasi aufgebaut.

Wlan und Glasfaserkabel

"Mit Jens Strebe und der OKI haben wir sehr flexible Vermieter", so Seggelmann. Die Planungen dauerten einige Monate, aber in wenigen Tagen wurden die Gartenhäuser zusammengesteckt, Wlan eingerichtet und ein Glasfaserkabel vom Nachbarhaus verlängert. "Ein Elektrikerteam hat die Kabel von oben verlegt und Telegrafenmasten auf die Hütten gesetzt. Der Vorteil ist, dass die Kabel nicht auf dem Boden herumliegen und man nicht stolpern kann", sagt Jens Strebe, OKI Geschäftsführer, der die erste Idee für die Hütten hatte.

Idee für Hüttendorf

Strebe sagt: "Wir hatten die Aufgabe, für Salt and Pepper Arbeitsplätze quasi aus dem Ärmel zu schütteln." Nur die Lagerhalle, die neben dem jetzigen Gebäude der Firma steht, war noch frei und sollte als Büro umfunktioniert werden.

In Berlin und Bonn habe Strebe Indoor-Wohnparks gesehen, aber diese Idee wurde schnell verworfen, da die Kosten zu hoch waren. In Bad Essen kenne Strebe Büros, die in einem Gewächshaus stünden. Im Gespräch mit Salt and Pepper sei man dann auf Gartenhäuser gekommen.

Die Kosten für die vielen Holzhütten trägt die OKI, die diese entsprechend auf die Miete und damit auf Salt and Pepper umlegt. Was mit dem Hüttendorf passiert, wenn die neuen Büroräume fertig sind, weiß Strebe noch nicht: Entweder es bleibe für einen neuen Mieter stehen oder alles werde abgebaut und die Lagerhalle umgebaut.

Fachkräfte mit modernen Arbeitsplätzen locken

Beim Buhlen um Fachkräfte in der IT-Branche ist ein Aspekt die Arbeitsumgebung. "Ein modernes Büro macht uns als Arbeitgeber attraktiver", findet Seggelmann. Dennoch sieht er das Hüttendorf nur als eine Übergangslösung. "Drei Dinge sind für ein gutes Arbeitsklima wichtig: Licht, Raumtemperatur und Akustik", so der Geschäftsmann. Das gewünschte Arbeitsumfeld sieht er im Gebäude nebenan.

Das rechte Gebäude soll zweimal kopiert und daneben gebaut werden. Foto: Michael Gründel


2016 baute die OKI die ehemalige Fahrzeughalle auf dem Gelände der Winkelhausenkaserne zum Büro-Loft um und ging auch auf Wünsche von Salt and Pepper ein. Meist zu viert sitzen die Mitarbeiter dort zusammen in einem Büro oder in einem offenen Raum, bei dem die Vierergruppen statt durch Wände durch Möbel oder Sichtschutz von einander getrennt sind. Außerdem gibt es verschiedene Besprechungsräume, einen Raum mit Tischkicker und Tischtennisplatte, tragbare Whiteboards und kleine Telefonzellen, die als Rückzugsorte für Privatgespräche dienen.

Büro-Gebäude zweimal kopiert

An der Decke sind Holzwolle-Leichtbauplatten montiert. "Die Platten haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und akustisch eine sehr gute Wirkung. In der Halle ist naturgemäß ein Echo, aber das ist im Büro nicht gut", sagt Strebe. Das Büro-Loft gefällt so sehr, dass bis zum Sommer 2019 neben dem jetzigen Bürogebäude zwei Kopien stehen sollen. Den ersten Spatenstich gab es Mitte November.

Die roten Ziegelsteine der alten Fahrzeughalle blieben. Neue Fenster dämmen besser. Foto: Michael Gründel

Das Ziel der OKI ist auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne im Osnabrücker Hafen ein Quartier zu gestalten, das laut Mitteilung "zu einem der innovativsten Standorte für Gewerbeimmobilien in Osnabrück" werden soll. Neben der 2012 eröffneten Kaffee-Partner-Firmenzentrale und dem Umbau der ehemaligen Fahrzeughalle zum Büro-Loft von Salt and Pepper sollen weitere Firmen wie eine Softwarefirma und ein Architekturbüro auf das Areal kommen.

Mehr Lesen: Die Osnabrücker Winkelhausenkaserne zeigt, was Konversion bringt

Gute Nachbarschaft unter Firmen?

"Wir wollen eine Mieterstruktur schaffen, in der die Firmen auch untereinander etwas von sich haben", so Strebe. Aktuell gebe es bereits für die IT-Mitarbeiter eine Rabattkarte für Coffee Perfect oder ein Winterreifenangebot bei der ortsansässigen KFZ-Werkstatt. Diese und weitere sogenannte Nachbarschafts-Bonus-Programme können per App abgerufen werden.

Die Firma Salt and Pepper Software Solutions sitzt im Osnabrücker Hafengebiet. Foto: Michael Gründel

Auf den Außenanlagen sollen weitere Zusatzleistungen angeboten werden – in der Diskussion ist ein Parkhaus oder eine Kantine. Aktuell können Mieter bereits eine Paketstation nutzen, um sich Weihnachtspakete liefern zu lassen. Seggelmann möchte mit seiner Firma in Osnabrück bleiben: "Wir gehen dahin, wo unsere Kunden sind." Claas, Grimme, Miele, Amazone und Harting sind einige der namhaften Kunden aus der Region.


Gelände der Winkelhausenkaserne

Das aktuelle Hüttendorf steht auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne. Dort wo jetzt Mitarbeiter in Holzhütten vor Bildschirmen sitzen, wurden einst Panzer gewartet.

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