"Spirou oder: die Hoffnung" Comicfigur Spirou trifft Osnabrücker Maler Felix Nussbaum

Von Christoph Beyer

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Die Comic-Figuren vor dem Nusbaum-Selbstporträt im Spirou-Buch. Foto: Hermann PentermannDie Comic-Figuren vor dem Nusbaum-Selbstporträt im Spirou-Buch. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. "Spirou oder: die Hoffnung" lautet der Titel eines soeben erschienenen Comic-Bandes, welchen die Felix Nussbaum-Gesellschaft am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert. Der Osnabrücker Maler und seine Frau Felka Platek nehmen in der auf vier Bänden angelegten Weltkriegs-Geschichte eine Schlüsselrolle ein.

"Spirou oder: die Hoffnung" lautet der Titel eines soeben erschienenen Comic-Bandes, welchen die Felix Nussbaum-Gesellschaft am heutigen Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert. Der Osnabrücker Maler und seine Frau Felka Platek nehmen in der auf vier Bänden angelegten Weltkriegs-Geschichte eine Schlüsselrolle ein. 

Die Abenteuer des Hotelpagen "Spirou" erschienen erstmalig vor 80 Jahren und avancierten seither zu einem Klassiker der franko-belgischen Jugendliteratur. Das Jubiläum der Comicreihe hat der französische Zeichner Émile Bravo zum Anlass genommen, um ein ambitioniertes Vorhaben umzusetzen: Zeitlich anknüpfend an einen bereits vor zehn Jahren erschienenen "Spirou"-Band skizziert er den Werdegang der Comic-Figur in den Wirren des zweiten Weltkrieges. Im Kontext der Jahre der deutschen Besatzung in Brüssel lernt "Spirou" den dort untergetauchten Felix Nussbaum und eine Frau Felka Platek kennen und schließt Freundschaft mit dem Paar, das auf der Flucht vor den Nazis in der belgischen Hauptstadt Schutz sucht. Insgesamt rund 350 Seiten wird das vierbändige Werk am Ende umfassen, dass der Carlsen Verlag zusammen mit dem belgischen Verlag Dupuis in Deutschland, Frankreich und Belgien bis Ende 2020 veröffentlicht.

Große Tür fürs Nussbaum-Museum

Als eines der spektakulärsten Comic-Vorhaben der letzten Jahrzehnte und "atemberaubend gute Geschichte" bezeichnet FAZ-Literaturredakteur und Comic-Experte Andreas Platthauer den ersten Band und das Gesamtvorhaben Bravos. "Für mich ist das eine große Tür, die dadurch für das Nussbaum-Museum aufgemacht wird" betonte Heiko Schlatermund, erster Vorsitzender der Felix-Nussbaum-Gesellschaft, der die vierbändige Comic-Geschichte auch als Chance sieht, die Person Nussbaum einem neuen Publikumskreis bekannt zu machen. Dass der Künstler selbst im Jahr 1936 Comiczeichnungen für einen Zeichentrickfilm erstellte, ist für Schlatermund eine spannende Parallele zu dem zeichnerischen Werk Bravos und dem popkulturellem Medium Comic als solchem. Mit Ansgar Sprehe, Mitveranstalter und Inhaber des Osnabrücker Comic-Ladens "Neunte Kunst", wird bei der Präsentation ein "Spirou"-Kenner über die Reihe und die Kunstform Comic referieren. Spannend dürfte auch die Präsentation eines Video-Interviews mit Émil Bravo werden, dass Anne Sybille Schwetter, zweite Vorsitzende der Nussbaum Gesellschaft, mit dem Zeichner führte. Nussbaums Faible für die künstlerische Verarbeitung kindlicher Lebenswelten, die sich unter anderem in vielen seiner angewandten Arbeiten zeige, habe auch für Bravo Gültigkeit, betonte Schwetter. 

Von Nussbaum fasziniert

Dass der Erschaffer der neuen "Spirou"-Bände von Nussbaum und dessen Werk fasziniert ist, weiß der Carlsen-Comiclektor Michael Groenewald aus persönlichen Gesprächen zu berichten. Ganz ohne Vorgaben von Verlagsseite aus habe dieser die Geschichte entwickelt und mit dem Anliegen verbunden, jungen Lesern im Rahmen einer tiefgründigen und komplexen Comicgeschichte die Shoa und die Folgen totalitärer Herrschaft aufzuzeigen und die Möglichkeit zu bieten, daraus Schlussfolgerungen für das heutige Leben zu ziehen.

Die Umstände des Krieges und das tragische Schicksal Nussbaums, der, zusammen mit seiner Frau, von den Nazis nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet wurde, lässt "Spirou" politisch und gesellschaftlich reifen. Bravo liefert so nachträglich eine Erklärung dafür, wie aus dem naiven Hotelpagen der spätere, bekannte Abenteurer und Kämpfer für die Menschlichkeit werden konnte.

Buchpräsentation "Spirou oder: die Hoffnung, Teil 1", Donnerstag 6.12.2018, 18 Uhr, im Akzisehaus des Museumsquartiers Osnabrück 


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