Vor CDU-Parteitag CDU-Vorsitz: Wen werden die Osnabrücker Delegierten wählen?

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Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei einer Regionalkonferenz in Bremen. Foto: Carmen Jaspersen/dpaFriedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei einer Regionalkonferenz in Bremen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Osnabrück. Fritz Brickwedde und Mathias Middelberg entscheiden am Freitag beim CDU-Bundesparteitag mit, wer den Posten von Angela Merkel übernehmen wird. Wem werden sie ihre Stimme geben? Das wollte auch die Osnabrücker CDU-Basis am Donnerstagabend von den beiden wissen.

Etwa 60 CDU-Mitglieder aus der Stadt hörten im Hotel Arcona Living aufmerksam zu, als Kreisvorsitzender und Fraktionschef Fritz Brickwedde über die drei Kandidaten sprach, die sich am Freitag im Hamburg dem Votum der Delegierten stellen. Auch den Zuhörer entging nicht, dass Brickwedde bei der politischen Vita von Annegret Kramp-Karrenbauer etwas länger verweilte als bei Friedrich Merz und Jens Spahn, deren Stationen er kurz referierte. Ein Hinweis auf seine Präferenz?

Fritz Brickwedde in der CDU-Mitgliederversammlung. Foto: Hermann Pentermann


Eine Sprecherin der Frauen-Union jeweils interpretierte den Eingangsvortrag des Stadt-Vorsitzenden als Werberede für "AKK". Die Frauen-Union sei allerdings anderer Meinung: "Wir sind für Friedrich Merz."

Zu alt fürs Kanzleramt?

Zwölf CDU-Mitglieder meldeten sich in der gut neunzigminütigen Basisaussprache zu Wort. Keiner sprach sich für Jens Spahn aus. "Der ist noch jung und hat noch Zeit", sagte die frühere CDU-Ratsfrau Irene Thiel, die selbst noch "unentschieden" ist. 

Legt man die Aussagen der Redner zugrunde, gibt es in der Osnabrücker CDU eine klare Tendenz für: Friedrich Merz. Sechs Wortbeiträge entwickelten zu flammenden Plädoyers für den 63-Jährigen Rückkehrer, drei Redner sprachen sich für Annegret Kramp-Karrenbauer aus, zwei hielten beide für sehr geeignet und konnten sich nicht entscheiden.

Astrid Hamker hat sich entschieden. Sie kenne Merz gut, arbeite seit 13 Jahren mit ihm im Wirtschaftsrat der CDU zusammen und sei erst vor acht Wochen mit ihm auf Amerika-Reise gewesen. Für Merz spreche seine wirtschaftlicher Sachverstand und seine guten transatlantischen Beziehungen, die noch sehr wichtig werden würden. "Ich kann mit eine Kramp-Karrenbauer oder einen Spahn nicht neben Trump vorstellen", sagte Hamker. 

Joachim Wiemeyer bezweifelte dagegen, dass Merz als möglicher Kanzlerkandidat die breite Masse der Wähler erreichen würde. Als Finanzjurist und Einkommensmillionär, der sich selbst der "gehobenen Mittelschicht" zureche, fehle ihm die Bindung zur Basis. Außerdem wäre der heute 63-Jährige für eine Kanzlerkanditatur 2021 zu alt.

Der Hinweis auf die Millioneneinkünfte reizte mehrere Sprecher zum Widerspruch. Dass jemand mit eigener Arbeit viel Geld verdiene, sei kein Makel, sondern Ausweis von Kompetenz und Qualität, sagte etwa Christian Münzer, der sich "mit Entschiedenheit" für Merz aussprach. 

Christof Haverkamp plädierte für Kramp-Karrenbauer, weil sie die Flügel der Union binden und breite Wählerschichten erreichen könnte: "Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Merz würde nur der SPD nützen, weil sie sich an ihm abarbeiten kann."

Christopher Peiler, Vorsitzender der Jungen Union, warnte dagegen eindringlich vor einer Fortsetzung der Ära Merkel in Person von Kramp-Karrenbauer: "Sie redet und kleidet sich ähnlich", sagte Peiler, was ihm Protest und Gelächter zugleich einbrachte. Die Junge Union und die Mittelstandsvereinigung, so Peiler, stünden geschlossen hinter Merz. 

Noch nicht entschieden

Und für wen stimmen nun die beiden Delegierten? "Ich habe mich noch nicht entschieden", sagte Fritz Brickwedde am Ende. Auch Mathias Middelberg legte sich öffentlich nicht fest, auch wenn er zu "80 Prozent" eine Tendenz habe, wie er vor Beginn der Sitzung gesagt hatte. Die beiden wollen noch Meinungen hören, darunter auch der 22 weiteren Abgesandten des CDU-Bezirks Osnabrück-Emsland. Am Donnerstagabend treffen sich die 147 Delegierten aus Niedersachsen in Hamburg zu einer Aussprache.

Große Einigkeit herrschte unter den CDU-Mitgliedern in diesen drei Punkten, die Brickwedde zum Schluss aufzählte:

  • "Es sind drei hervorragende Kandidaten".
  • "Die Diskussion um den Vorsitz und den künftigen Kurs tut der Union gut."
  • "Es wäre gut, wenn Merz, AKK und Brinkhaus (neuer Fraktionschef im Bundestag) ein Trio in der CDU-Führung bilden würden."


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