Bestellungen rund um die Uhr abholbar "Amazon Locker": Amazon installiert in Osnabrück eigene Paket-Station

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Neu in Osnabrück: Amazon-Kunden können ihre Bestellungen jetzt zur Shell-Tankstelle an die Hannoversche Straße liefern lassen. Dort können die Pakete jederzeit aus Selbstbedienungs-Schließfächern herausgeholt werden. Foto: Yannick RichterNeu in Osnabrück: Amazon-Kunden können ihre Bestellungen jetzt zur Shell-Tankstelle an die Hannoversche Straße liefern lassen. Dort können die Pakete jederzeit aus Selbstbedienungs-Schließfächern herausgeholt werden. Foto: Yannick Richter

Osnabrück. Der Online-Händler Amazon hat jetzt auch in Osnabrück eine eigene Paket-Abholstation installiert. Ab sofort können Kunden ihre Bestellungen an Selbstbedienungs-Schließfächer liefern lassen, um die Pakete dann zu einer beliebigen Uhrzeit abholen zu können.

Während der stationäre Einzelhandel in der Stadt zunehmend in Bedrängnis gerät (erst kürzlich hat das Traditionsgeschäft Leder Rabe einen Insolvenzantrag gestellt), sind die Online-Versandhändler weiter auf dem Vormarsch. Amazon, der weltgrößte Online-Händler, erzielt Umsatzrekorde. Nutznießer des boomenden Online-Geschäfts waren bislang auch Paket-Dienstleister. Mit der Zustellung von Paketen aus Online-Shops setzen Unternehmen wie DHL, Hermes oder UPS Milliarden um. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern, denn Amazon treibt den Ausbau seiner "Amazon Locker" genannten eigenen Paket-Abholstationen in Deutschland voran. Auch in Osnabrück wurde jetzt eine solche Station installiert. Seit Ende November können Amazon-Kunden ihre Bestellungen zur Shell-Tankstelle an die Hannoversche Straße 30 liefern lassen. 

55 Schließfächer umfasst Amazons Paket-Abholstation an der Hannoverschen Straße 30 in Osnabrück. Foto: Yannick Richter

Angriff auf Paket-Dienstleister?

"Der Amazon Locker ist noch im Testbetrieb. Er wird in der nahen Zukunft in Betrieb gehen", teilt Amazon-Pressesprecherin Nadiya Lubnina auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Bundesweit seien mittlerweile mehr als 400 Paket-Abholstationen – hauptsächlich in Ballungsgebieten – von Amazon installiert worden. Neben Shell-Tankstellen gehören auch Einzelhändler wie Rewe und Edeka zu Amazons Partnern. Die Wahl des Standorts ist dabei gut durchdacht, denn die Stationen sind immer zu erreichen, besitzen gute Parkmöglichkeiten, liegen in einer sicheren Umgebung und bieten die Möglichkeit, ohnehin geplante Tätigkeiten wie Tanken oder Einkaufen mit dem Abholen des Pakets zu verbinden. 

Dennoch betont der Online-Händler, dass die Schließfächer nicht als Konkurrenz zu Angeboten der gängigen Paket-Dienstleister zu verstehen seien. Weil die infrastrukturellen Bedingungen der Logistikfirmen nicht auf das schnelle Wachstum des Internet-Handels ausgerichtet seien, gehe es vielmehr darum, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. 

Jeder Amazon Locker hat einen Namen. Die Paket-Abholstation in Osnabrück heißt "Atem". Foto: Yannick Richter

Wie funktionieren Amazons Schließfächer?

In Osnabrück umfasst die Abholstation 55 Schließfächer. Wie jede von Amazons Stationen hat sie einen besonderen Namen. Sie trägt den Namen "Atem". Das Funktionsprinzip entspricht in etwa dem der DHL-Packstationen. Anstatt der Lieferung an die Wohn- oder Geschäftsadresse können Kunden ihre Pakete an die Abholstation von Amazon liefern lassen. "Mit Amazon Locker erhalten Kunden Pakete schnell und bequem. Sie müssen nicht auf den Zusteller oder bei der Ersatzzustellung auf den Nachbarn warten, sondern flexibel zu einer für sie passender Zeit ihr Paket abholen", sagt Sprecherin Lubnina.

Sobald Lieferungen im Amazon Locker bereitliegen, erhalten die Kunden eine E-Mail-Benachrichtigung mit individuellem Abholcode sowie der Adresse und den Öffnungszeiten der gewählten Abholstation. Da sich die meisten Stationen außerhalb der Gebäude befinden, sind die Schließfächer fast überall täglich für 24 Stunden zugänglich. Um das Paket aus dem Schließfach zu entnehmen, können die Kunden an einem Bildschirm ihren Code eingeben oder den Barcode mithilfe eines Lesegeräts einscannen. Ab Zustellung haben Kunden drei Werktage Zeit, um ihre Lieferungen abzuholen. Sind sie dann noch nicht abgeholt, gehen sie zurück an das Logistikzentrum von Amazon. Der Kunde erhält danach den vollen Kostenpreis als Gutschrift zurück.

Nachdem die Kunden den Abholcode eingegeben haben, können sie das Paket aus den Schließfächern entnehmen. Foto: Yannick Richter

Abholstationen nur der Anfang?

Durch die rasche Expansion der eigenen Packstationen setzt der Internet-Riese andere Zustelldienste unter Druck. In Großstädten wie Berlin fährt Amazon zudem einen Großteil der Bestellungen selbst aus. Die Frage, ob der Online-Händler langfristig komplett auf die Dienste anderer Paket-Zusteller verzichten wird, um die Bestellungen in Eigenarbeit auszuliefern, wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht beantworten. Auch das im Internet kursierende Gerücht, dass Amazon plane, in den eigenen Schließfächern Produkte zu platzieren, die der Kunde rund um die Uhr herauskaufen kann, blieb unkommentiert.


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