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NWL-Verbandsversammlung "Organisationsversagen": Eurobahn kassiert Abmahnung in allen Netzen

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Eine Eurobahn im Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: Michael GründelEine Eurobahn im Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: Michael Gründel 

Osnabrück/Unna. Ausfälle, Verspätungen, zu kurze Züge: Wegen anhaltend schlechter Leistungen in allen Netzen wächst der Druck auf die Eurobahn. Am Donnerstag hagelte es für das Unternehmen die nächste Abmahnung durch den Auftraggeber Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).

Es ist die zweite Abmahnung für die Eurobahn und ihren Mutterkonzern Keolis Deutschland binnen zehn Monaten. Erst im Februar war sie vom NWL förmlich angezählt worden. Damals standen jedoch die Probleme im Teutoburger-Wald-Netz im Mittelpunkt, welches die Eurobahn vor einem Jahr übernommen hatte. Diesmal geht es um den Eisenbahnbetrieb insgesamt.

Die Verbandsversammlung in Unna warf Keolis Deutschland am Donnerstag vor, seinen Aufgaben strukturell nicht gewachsen zu sein. "Organisationsversagen" sei die Ursache für "massive und anhaltende Nicht- und Schlechtleistungen" in allen vier Netzen. Dazu gehören neben dem für die Region Osnabrück wichtigen Teutoburger-Wald-Netz auch das OWL-Dieselnetz Nord, das Hellweg-Netz und das Maas-Rhein-Lippe-Netz.


Das Teutoburger-Wald-Netz umfasst fünf Linien: RB 61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB 65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB 66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB 72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE 78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Grafik: NOZ/Langer

Unternehmen wird durchleuchtet

Der NWL forderte Keolis auf, unverzüglich ein sogenanntes Audit innerhalb ihres Unternehmens durchzuführen. Ein externer Prüfer soll dabei sämtliche Mängel feststellen, die zu dem Chaos bei der Eurobahn geführt haben. Anschließend muss Keolis die Mängelliste zwingend abarbeiten – andernfalls droht die Kündigung.

"Die Situation ist nicht tragbar", stellte NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel fest. Zwar sei die Eurobahn nicht für alle Probleme in ihren Netzen verantwortlich, aber doch für viele. "Aus unserer Sicht ist Keolis nicht richtig aufgestellt." Einzelne Verbandsvertreter gingen sogar noch weiter. Sie warfen dem Unternehmen nicht nur "Misswirtschaft" vor, sondern zweifelten auch offen an einer baldigen Verbesserung der Lage. Dem Image des Verkehrsmittels Bahn sei "auf Jahre geschadet".

Video: Eurobahn-Ärger: Das sagt der NWL-Geschäftsführer


Geschäftsführerin einbestellt

Keolis-Chefin Magali Euverte bezeichnete die erneute Abmahnung als "harten Schlag". Das Unternehmen setze seit Monaten alles daran, seine Nöte in den Griff zu bekommen. Doch die Maßnahmen zeigten nur langsam Wirkung. "Ich kann den Frust, die Wut und Enttäuschung der Fahrgäste nachvollziehen", sagte die Französin, die bereits zum dritten Mal in diesem Jahr vom NWL einbestellt wurde.

Ein großes Problem bei der Eurobahn seien neben einem Mangel an Lokführern fehlende Züge. Viele Fahrzeuge befänden sich in der Werkstatt, erklärte Euverte. Schuld seien Vandalismus, Unfälle und Schäden an den Rädern. Keolis habe aber nicht genügend Ersatzteile auf Lager, um die gesamte Flotte sofort wieder sicher zu machen, "und Lieferzeiten betragen teilweise bis zu einem Jahr". Deswegen werde das dringend benötigte Material inzwischen auch bei Mitbewerbern beschafft. Sogar komplette Züge habe sich die Eurobahn von Konkurrenten geliehen. So werde zum Beispiel auf der Linie RB 66 Osnabrück–Münster ab nächster Woche ein von der Westfalenbahn gestellter Ersatzzug eingesetzt.

Ich kann den Frust, die Wut und Enttäuschung der Fahrgäste nachvollziehenKeolis-Geschäftsführerin Magali Euverte

Keolis offen für externe Fehlersuche

"Wir stehen vor einer außergewöhnlichen Situation, die wir und andere Eisenbahnverkehrsunternehmen so noch nicht erlebt haben", sagte Euverte. "Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich aus der Krise zu kommen." Dabei könne das vom Auftraggeber geforderte Audit helfen.



Anti-Eurobahn-Petitionen im Internet

Kunden der Eurobahn machen ihrer Wut derweil in Online-Petitionen Luft. Auf verschiedenen Plattformen fordern sie Unternehmen und Auftraggeber dazu auf, endlich für einen zuverlässigen und funktionierenden Betrieb zu sorgen. "Genau dafür bezahlen wir alle ein Ticket!", erklärt der 16-jährige Joshua Tolksdorf aus Werne, einer der Initiatoren. Mehr als 1300 Unterstützer haben sich seiner Petition angeschlossen. Eine zweite Anti-Eurobahn-Petition, gestartet von einem Mann aus dem Kreis Warendorf, zählt bislang knapp 700 Unterstützer.


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