Bad der Gefühle Judith Holofernes trotzt Stimmbandentzündung

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Sang Lieder ihres neuen Albums und alte Helden-Klassiker: Judith Holofernes.Sang Lieder ihres neuen Albums und alte Helden-Klassiker: Judith Holofernes.

Osnabrück. Gehandikapt durch eine Erkrankung der Stimmbänder trat Ex-Wir sind Helden-Sängerin Judith Holofernes im Osnabrücker Rosenhof auf. Mehr als souverän absolvierte sie ihr Programm und traf den Nerv ihrer Fans.

Ganz schön mutig, diese Frau. „Vollgestopft mit Medikamenten“ sei sie, wegen einer Stimmbandentzündung. Trotzdem geht sie auf die Bühne des Rosenhofs und feiert dort ihren Tourneeabschluss. Tatsächlich hört sich ihre Stimme brüchig, zum Teil gar krächzend an - und gewinnt dadurch bei einigen Liedern sogar einen besonderen Reiz. Unterstützt von zwei tollen Backgroundsängerinnen absolviert sie mehr als souverän ihr Programm. Das Publikum bekommt das Gefühl, dass die Sängerin durchgehalten hat, weil sie es nicht schon wieder enttäuschen wollte.

Es geht um Judith Holofernes, die Sängerin von Wir sind Helden, die seit der Trennung der erfolgreichen Band auf Solopfaden wandelt. Im vergangenen Jahr hatte sie ihre Tour wegen einer Meningitis-Erkrankung absagen müssen. Zur Wiederaufnahme der Liveaktivitäten, bei denen sie ihr Album „Ich bin das Chaos“ vorstellen wollte, ereilte sie jetzt diese Stimmbandentzündung. Das ist Pech.

Jetzt steht sie da im Scheinwerferlicht und singt die „Pechmarie“: „Steh auf, Marie, was machst du auf dem Teppich, wir wollen doch tanzen gehen!“ Als hätte sie die Aufforderung an sich selbst gerichtet, spielt Holofernes mit ihrer Band einen tanzbaren Song nach dem anderen. Bisweilen driftet die fünfköpfige Band in einen rockenden Improvisationstrudel, der an die 70er Jahre erinnert, doch dann fängt sie sich wieder, um wunderschöne Trostlieder zu intonieren. Für feine Nuancen sorgen die beiden Multiinstrumentalistinnen und Sängerinnen, eine von ihnen die aus Bad Essen stammende Jarita Freydank.

Natürlich hat Judith Holofernes auch ein paar Helden-Lieder wie „Die Konkurrenz“ und „The Geek“ im Gepäck, die besonders frenetisch gefeiert werden. Ihre jüngsten Erlebnisse mit dem Fernsehformat „Sing meinen Song - Das Tauschkonzert“ münden in das Lied „Armour“ von ihrem Kollegen Ray Garvey, dem sie einen eigenen Text verpasste: „Feuer frei“. Damit es nicht langweilig wird, verwandelt Holofernes ein „Gedicht zum Chaos“ in ein Live-Hörspiel: Band und Publikum dürfen Vogelgezwitscher und andere Geräusche machen, während sie „Die Vollmeise“ vorliest.

Das Finale des Konzerts charakterisiert die verschiedenen Facetten, die diese Künstlerin so schillernd machen: Auf den mitreißende Heldensong „Ist das so“ folgt der Titelsong ihres zweiten Soloalbums „Ich bin das Chaos“. Und zum Schluss singt sie „Der letzte Optimist“, weil sie doch ein „Herz für ganz traurige Sachen“ hat. Welch ein Bad der Gefühle.


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