Stellenzahl wird verdoppelt Chefin der Osnabrücker Wirtschaftsförderung räumt gründlich auf

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Marina Heuermann. Foto: Gert WestdörpMarina Heuermann. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Marina Heuermann ist erst seit eineinhalb Jahren Chefin der Osnabrücker Wirtschaftsförderung. Jetzt krempelt sie den Laden um. Und der Stadtrat folgt ihr dabei – trotz der hohen Kosten.

Heuermanns Erkenntnis ist einfach: Damit die Wirtschaftsförderung die Wirtschaft fördern kann, braucht sie mehr Personal. 6,5 Stellen waren der WFO GmbH bislang zugebilligt. Im kommenden Jahr soll die städtische Tochtergesellschaft um 5,5 Stellen aufgestockt werden. Das ist quasi die Verdoppelung des Personalstands.

Auch die Kosten verdoppeln sich. Bislang finanziert der Steuerzahler die Wirtschaftsförderung jährlich mit 450 000 Euro. Im kommenden Jahr wird die Stadt zusätzlich 450 000 Euro aufwenden, in den Folgejahren jeweils 736 000 Euro zusätzlich. Insgesamt wird die WFO GmbH in Zukunft mit 1,2 Millionen Euro aus dem städtischen Topf finanziert.

Zu wenig Mitsprache?

Es ist der größte Sprung für die WFO GmbH, die 1991 als Gemeinschaftsunternehmen der öffentlichen Hand und der Wirtschaft ins Leben gerufen wurde. Gesellschafter der WFO GmbH sind je zur Hälfte die Stadt Osnabrück und der Verein für Wirtschaftsförderung e.V. (VWO), dem etwa 70 Unternehmen angehören. Der Verein bringt jährlich 180 000 Euro in die Wirtschaftsförderung ein, hinzu kommen 45 000 Euro für Projektförderungen. Die Stadt trägt also zwei Drittel der Gesamtkosten.

Diese Lastenverteilung wird durch Heuermanns Konzept „Osnabrück.2030“ erheblich zuungusten der Stadt verschoben. Der Verein sehe sich nicht in der Lage, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen, heißt es in der Vorlage für den Rat. Die Mehrkosten seien ausschließlich durch die Stadt zu tragen.

Der Stadtrat stimmte dem mit großer Mehrheit zu. Nur die Linken lehnen das Konzept prinzipiell ab, weil darin jeder Hinweis auf Arbeitnehmerbelange fehle, wie Giesela Brandes-Steggewentz in der Ratssitzung sagte.

Die Grünen enthielten sich in der Abstimmung. Inhaltlich unterstützten sie die Stärkung der WFO, sagte Michael Kopatz. Die Grünen stoßen sich jedoch an der Kosten- und Machtverteilung. Wenn die Stadt in Zukunft 80 Prozent der Kosten trage, dann sollten auch die Mitspracherechte entsprechend verteilt werden, so Kopatz.

Mehr Aufgaben

Gleich nach Amtsantritt von WFO-Chefin Marina Heuermann Mitte 2017 hatten die WFO-Gesellschafter das Beratungsunternehmen Exper-Consult mit einer Analyse der Wirtschaftsförderung in Osnabrück beauftragt. Die Berater kamen zu dem Ergebnis: Die WFO hat viele neue Aufgaben hinzugekommen, ohne dass die Personaldecke entsprechend mitgewachsen ist. Wichtige Aufgaben wie die Vermittlung von Gewerbeflächen und Immobilien kämen zu kurz. Nachholbedarf gebe es auch in der Außendarstellung und Imagebildung des Standortes Osnabrück. Jährlich gingen bei der WFO etwa 280 Anfragen von Unternehmen, 50 Fördermittel-Beratungen und 80 Anfragen zu Behördenvorgängen ein.

Die WFO soll sich künftig stärker darum kümmern, geeignete Wirtschaftsflächen zu mobilisieren, Brachflächen an den Markt zu bringen und neue Gewerbestandorte in Kooperation mit den Umlandgemeinden und dem Landkreis zu entwickeln. Um das Image des Standortes zu verbessern brauche es eine professionelle Außendarstellung, die die „Stärken Made in Osnabrück“ besser zur Geltung bringe.


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