Zoff im Gewerbe Streit unter Osnabrücker Taxiunternehmern verhindert Preiserhöhung

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Taxifahren bleibt in Osnabrück günstig, weil sie sich die Unternehmer nicht auf eine einheitliche Linie einigen können. Foto: Jörn MartensTaxifahren bleibt in Osnabrück günstig, weil sie sich die Unternehmer nicht auf eine einheitliche Linie einigen können. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Taxifahren in Osnabrück sollte teurer werden – eigentlich. Weil aber Zoff im Gewerbe herrscht, wird daraus nichts. Der Rat hat einen entsprechenden Antrag von der Tagesordnung gestrichen.

So weit die gute Nachricht für die Kunden. Jetzt die schlechte für die Unternehmen: Da die Preise nur nach Zustimmung von Politik und Verwaltung erhöht werden können, müssen sie mit den alten Tarifen weiterleben, bis sie sich geeinigt haben.

Erhöhung der Beförderungspreise

Den Kunden bleibt eine nicht unerhebliche Erhöhung der Beförderungspreise erspart. Wenn sich der Aufschlag dann doch dereinst auf den Taximetern wiederspiegeln sollte, müssen sie sich auf eine Anhebungen von 11,36 Prozent im Normaltarif und 15,91 Prozent im Nacht- und Wochenendtarif einstellen. Bei näherer Betrachtung relativiert sich die Preissteigerung allerdings, weil sich durch geringere Kilometerpreise beispielsweise bei einer Fahrt von 5 km nur noch eine Steigerung von 7,14 Prozent bzw. 8,46 Prozent ergibt. Das wäre ein Sprung von 12,60 Euro auf 13,50 Euro (montags bis samstags zwischen 21 und 22 Uhr)  bzw. von 13 Euro auf 14,10 Euro (Wochenend- und Nachttarif).

Sachverhalt klären

Wie lange nun diese geplante Erhöhung ausgesetzt wird, ist unklar. Eigentlich hatte schon der Ausschuss für Bürger und Ordnung, in dessen Zuständigkeit das Geschehen rund um die Taxen fällt, das Tarifregelwerk, das auf den klangvollen Namen "Verordnung zur Änderung der Verordnung der Stadt Osnabrück über die Beförderungsentgelte und Beförderungsbedingungen für die in der Stadt Osnabrück zugelassenen Taxen" hört, auf den Weg bringen sollen. Daraus wurde seinerzeit nichts, weil aus Taxikreisen Protest an das Ohr der Politik gedrungen war. Die bat die Verwaltung, sich doch bitte mit ihrem Gesprächspartner, dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), noch einmal ins Benehmen zu setzen, um den Sachverhalt zu klären. 

Tarifanhebung moderat und angemessen

Dabei war der Ausschuss durchaus Willens, der Vorlage der Verwaltung zuzustimmen, hielt man die geforderte Tarifanhebung doch für moderat und im Angesicht der allgemeinen Kostensteigerung im Taxigewerbe für angemessen. Also erging die Bitte an die Verwaltung, doch noch einmal nachzuhorchen, wie denn nun das Meinungsbild bei den Droschkenbesitzern aussehe. Der GVN habe ihr auf Nachfrage mitgeteilt, dass der Beschluss mit deutlicher Mehrheit gefallen sei, so die zuständige Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, Sandra Solf. 

40 Unterschriften von Taxiunternehmern

Und so landete der Punkt im gesicherten Mittelfeld der Rats-Tagesordnung. Aber was ist schon sicher in diesem Leben? Denn am Tag der Sitzung, mithin am Dienstag, erreichte Politik und Verwaltung ein Schreiben mit etwa 40 Unterschriften von Taxiunternehmern, indem diese bekunden, das sie mit dem Papier des GVN nicht einverstanden seien. Dann kam alles genau so, wie es kommen musste: Das Thema "Verordnung zur Verordnung ... " (siehe oben) wurde von der Tagesordnung genommen. Rat und Verwaltung sind guten Willens, treten aber so lange auf der Stelle, bis sich das Gewerbe einig ist. Der Spielball liegt im Feld der Taxiunternehmer ebenso wie die Verantwortung für das Gelingen oder auch das Scheitern einer Preisanpassung. Für Solf ist klar: "Der GVN ist jetzt in der Pflicht, sich zu positionieren." 

Keine guten Aussichten

Der aber hat es nun wahrlich nicht leicht mit seiner Taxi-Klientel. Das Gewerbe ist bekannt für langanhaltende Auseinandersetzungen und intensives Beharren auf der jeweils eigenen Position. Die Gräben scheinen tief zu sein und ziehen sich selbst durch den Vorstand der Osnabrücker Funk-Taxi-Zentrale 32011. Michael Torloxten Vorstandsmitglied bei 32011, der seine Zustimmung ebenfalls zurückgezogen hat, begründet den Sinneswandel damit, dass im ursprünglichen Beschluss unter anderem die Preisschwelle von fünf Euro nicht überschritten wurde, in dem dann der Verwaltung vorgelegten Papier aber sehr wohl. Wie die Veränderung zustande gekommen ist, konnte Torloxten nicht erklären. "Wir müssen bei der Preiserhöhung vorsichtig sein. Nicht alles ist am Markt umsetzbar", sagt er. 

Zustimmung zurückgezogen

Ulrich Hoefner, GVN-Geschäftsführer für den Bezirk Osnabrück, bestätigt, das einzelne Mitglieder dem gemeinsam erstellten Regelwerk zunächst zugestimmt hätten, um ihre Zustimmung dann wieder zurückzuziehen. Hoefner hat den Kaffee offensichtlich auf, spricht davon, dass einzelne Taxiunternehmer "hinter meinem Rücken losgelaufen" seien, um gegen die Vereinbarung, die er allen Unternehmern in Osnabrück habe zukommen lassen und der diese auch mit einer breiten Mehrheit zugestimmt hätten, zu opponieren. Er ist hörbar unzufrieden mit der Situation. "Die Bereitschaft hier Einigkeit herzustellen, ist bei mir mittlerweile bei Null." Keine guten Aussichten für die Taxiunternehmen, denn der GVN ist Ansprechpartner der Verwaltung, die sich nur schwerlich mit jedem Betrieb einzeln auseinandersetzen kann, mithin einen Sprecher für alle braucht. 

Fahrpreise in Osnabrücker Taxen bleiben günstig

Die Fronten scheinen verhärtet. Politik und Verwaltung können sich in Ruhe zurücklehnen und die weitere Entwicklung abwarten, während sich die Fahrgäste in die Polster kuscheln können, in dem wohligen Gefühl, dass ihnen in nächster Zukunft wohl niemand die im Vergleich mit anderen Städten wie Braunschweig, Oldenburg oder Münster ausgesprochen günstigen Fahrpreise in den Osnabrücker Taxen streitig macht.


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