Ratspolitiker skeptisch Wird Neubaugebiet "Grüner Garten" in Voxtrup bezahlbar?

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Rund 1,7 Hektar an der Meller Landstraße in Voxtrup wollen die Evangelischen Stiftungen Osnabrück bebauen. Foto: Michael GründelRund 1,7 Hektar an der Meller Landstraße in Voxtrup wollen die Evangelischen Stiftungen Osnabrück bebauen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit jedem neuen Baugebiet muss sich die Stadt jetzt daran messen lassen, ob sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird, mehr Wohnraum – und außerdem bezahlbar – zu schaffen. Beim geplanten Gebiet „Grüner Garten“ in Voxtrup kommen jetzt Zweifel auf.

Die evangelischen Stiftungen Osnabrück haben im Frühjahr dieses Jahres eine Fläche an der Ecke Meller Landstraße/Am Gut Sandfort erworben, die zuletzt von einem Gartenbaubetrieb genutzt worden war. Etwa 1,7 Hektar davon sollen bebaut werden – mit 21 Einfamilien-, Stadt- und Reihenhäusern, 36 Mietwohnungen in acht Mehrfamilienhäusern und 22 Wohnungen für betreutes Wohnen. Darüber hinaus wollen die Stiftungen ein neues Altenpflegeheim mit 100 Plätzen bauen. Es soll als Ersatz für das Altenheim am Ledenhof dienen, das im Anschluss abgerissen wird. 

Planzeichnung "Grüner Garten": Stadt Osnabrück, Fachbereich Städtebau


Geht nicht mehr?

Rund 80 neue Wohneinheiten in Voxtrup: Reicht das? Da äußerten im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss einige Ratsmitglieder Skepsis. Vor allem die hohe Zahl an Einfamilienhäusern stieß auf Unbehagen. Warum nicht mehr Mietwohnungen? „Wenn wir schon kostbare Grünflächen bebauen, dann müssen wir sie so effektiv wie möglich bebauen“, sagte Michael Kopatz von den Grünen. Hintergrund: Vor viereinhalb Jahren hatte die damalige Grundstückseignerin umfassende Rodungen durchführen lassen, was im Stadtteil für Aufregung sorgte. „Und auch an dieser Stelle entsteht kein bezahlbarer Wohnraum“, kritisierte Kopatz weiter.

10 Prozent Sozialwohnungen sind Pflicht

Zumindest eine gewisse Anzahl von Sozialwohnungen müssen die Evangelischen Stiftungen dort errichten. Wie jeder Investor müssen sie sich an die Rahmenvorgaben halten, die der Rat vor einem Jahr verabschiedet und diesem Sommer noch einmal konkretisiert hat. Je nach Quartier hat die Stadt verschiedene Sozialwohnungsquoten festgelegt, die Investoren beim Bau von Mehrfamilienhäusern erfüllen müssen. Für den Bereich „Grüner Garten“ liegt die Pflichtquote bei zehn Prozent, das wären also etwa sechs Sozialwohnungen. Nur wer mit geringem Einkommen beim Amt einen Berechtigungsschein erhält, darf in solchen Sozialwohnungen mit maximalen Nettokaltmieten von sieben Euro pro Quadratmeter leben.

„Über die Mindestanzahl hinaus möchten wir möglichst mehr machen“, sagte Johannes Andrews, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftungen unserer Redaktion auf Anfrage. Wie hoch die übrigen Mieten sein werden, darüber könne er noch keine Aussage treffen. „Für Preise ist es noch viel zu früh“, so Andrews. Und weiter: 

„Wir haben kein Interesse, ein hochpreisiges Wohngebiet zu schaffen.“ Johannes Andrews, Vorstandsvorsitzender Evangelische Stiftungen Osnabrück


Die Stadt möchte den Grünen Garten als sogenanntes „Leuchtturmprojekt“ listen, in dem auch generationenübergreifende oder inklusive Wohnformen entstehen. Die Stiftungen sind laut Andrews im Gespräch mit der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO), außerdem hätten zwei private Wohngruppen bereits Interesse angemeldet, ein Haus gemeinsam zu beziehen. Zurzeit sammeln die Stiftungen die verschiedenen Anfragen.

Was die Ausnutzung der verschwindenden Grünfläche umgeht, betont Andrews, dass Richtung Süden (Meller Straße) eine hohe Wohnungsdichte geplant sei, und weiter nördlich eine lockerere Bauweise. „Ich meine, wir haben eine gute Mischung für ein stabiles gutes Wohngebiet für alle Generationen mit Platz für Kinder zum Spielen“, so Andrews. „Es geht darum, den uns verfügbaren Platz optimal auszunutzen, aber auch ein lebenswertes Wohngebiet zu schaffen.“

Wird es in benachbarten Vierteln zu heiß?

Welche Auswirkungen die geplante Bebauung auf das Stadtklima hat, soll noch untersucht werden, erläuterte Fachbereichsleiter Franz Schürings, denn in diesem Punkt äußerten auch die Vertreter von FDP und UWG Bedenken.

Die SPD glaubt nach Aussage von Ratsfrau Susanne Hambürger dos Reis ebenfalls nicht, dass in dort günstiger Wohnraum entsteht, stimmte aber trotzdem zu, dass das entsprechende Bebauungsplanverfahren jetzt in die nächste Runde geht und die Öffentlichkeit beteiligt wird. UWG, Grüne und FDP enthielten sich allerdings bei der Abstimmung.


Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Osnabrück

... und was die Stadt dagegen unternimmt
Bis 2020 will die Stadt Planungsrecht schaffen für mindestens 3000 neue Wohneinheiten. 1200 bis 1300 entstehen derzeit im Landwehrviertel, doch auch dort wird nur ein kleiner Teil der Wohnungen sozial gebunden sein. Parallel fallen etliche Sozialwohnungen in den kommenden Jahren aus der Sozialbindung, nach Angaben der Stadt wird es bis Ende 2018 voraussichtlich noch 1538 sozial gebundene Wohnungen geben – 2013 waren noch 2068 Wohnungen Sozialwohnungen. Parallel steigen bei regulär vermieteten Wohnungen die Mieten kontinuierlich an.




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