Der Humorprediger Eckart von Hirschhausen amüsiert und belehrt in der Osnabrück-Halle

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Das Seil, an dem das Leben hängt, zauberte Eckart von Hirschhausen mit seinem Programm „Endlich!“ zum Thema Zeit auf die Bühne der restlos ausverkauften Osnabrück-Halle. Foto: Thomas OsterfeldDas Seil, an dem das Leben hängt, zauberte Eckart von Hirschhausen mit seinem Programm „Endlich!“ zum Thema Zeit auf die Bühne der restlos ausverkauften Osnabrück-Halle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Mit einer Mischung aus Aufklärung, Therapie-Show und Werbung in eigener Sache unterhielt Eckart von Hirschhausen sein Publikum fast drei Stunden lang in der restlos ausverkauften Osnabrück-Halle.

Das Erfolgsrezept des pointierten medizinischen Kabaretts, mit dem Hirschhausen zu Deutschlands wohl bekanntestem Arzt wurde, löste er diesmal nur teilweise ein. Um den richtigen Umgang mit Zeit sollte sich das aktuelle Programm drehen – und der im letzten Jahr 50 Jahre alt gewordene Fernsehstar machte nicht nur per Videoclip, sondern auch in persona von Beginn an klar, dass er die am liebsten auf der Bühne im direkten Kontakt mit seinem Publikum verbringt, jedenfalls solange ihn noch jemand sehen will. Und das waren mehr als genug im voll besetzten Europasaal, den der Entertainer einmal mehr zum größten Wartezimmer der Stadt machte. Und tatsächlich durften am Ende einige von Hirschhausens „Patienten“ ihre Lebenswünsche- und ziele beichten, um sich vom Arzt ihres Vertrauens eine fachkundige Einschätzung dazu anzuhören. Die hochdosierte Mischung aus theoretisch aufklärerischem Infotainment und praktischer Therapie-Show präsentierte dieser dabei mitunter selbstgefällig belehrend und oftmals auch im plakativen, schablonenhaften Stil eines amerikanischen Lifecoach-Gurus, der seine Anhänger zum selbstbestätigenden Mitmachen animiert.

Lebensweisheiten angesichts des Todes

So wurden etwa neben kollektivem Bodenbeckentraining und „Kindsein“ mit großen bunten Luftballons auch von Christoph Reuter am Klavier begleitete Rudelgesänge angestimmt - von „When The Saints Go Marching In“ bis hin zu Abbas „Thank You Fort The Music“; als Hommage an jenes Lebenselixier, das bereits mit dem rhythmischen Herzschlag im Mutterleib beginnt und schönstenfalls mit Mozarts Totenmesse endet. Dass der Tod zum Leben dazu gehört und wir ihn nicht größer machen sollten, als er ist, sondern ihn vielmehr als „Motor des Lebens“ begreifen müssten, der uns angesichts dessen Endlichkeit lehren sollte, was wirklich wichtig ist, waren nur einige von vielen mehr oder weniger spirituellen Binsenweisheiten, die sich im Rezeptbuch des Kabarett-Doktors angehäuft haben. Wie ein personifizierter Alltags- und Lebensratgeber empfahl er daraus unter anderem, sich im Dienste der Selbst- und Weltrettung von Dingen zu trennen, die man eigentlich nicht braucht und deshalb unnütz angehäuft hat. 

Humor auf Rezept

Das frei nach den Beatles intonierte „All You Need is Less“ konnte man dabei indes auch auf Hirschhausens Programm selbst beziehen. Denn das nannte sich zwar „Endlich!“, enthielt aber einen gefühlt unendlichen, diffusen Wust an mithin amüsant und pointiert aufbereiteten Themen und Botschaften. Die von der Heilwirkung des Humors nutzte er auch, um in eigener Sache für verschiedene Projekte wie das der Klinikclowns zu werben, die er vor rund zehn Jahren erfolgreich in Deutschland eingeführt hat. Auch hier wäre weniger Werbung mehr Struktur gewesen. Aber auch das kann man ja wie alles im unsicheren Leben vor dem sicheren Tod mit dem von Hirschhausen salbungsvoll gepredigten Humor nehmen, der eben in der Tat hilft, „nicht an den Widersprüchen des Lebens zu verzweifeln“ und ihm „mit heiterer Gelassenheit“ zu begegnen.


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