Osnabrücker Zoll rät zur Vorsicht Schöne Bescherung: Warum Geschenkpakete aus Übersee teuer werden können

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Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten müssen grundsätzlich beim Zoll abgefertigt werden. Vermeintliche Weihnachtsschnäppchen können durch zusätzliche Steuern und Abgaben teuer werden. Foto: Gert WestdörpWarensendungen aus Nicht-EU-Staaten müssen grundsätzlich beim Zoll abgefertigt werden. Vermeintliche Weihnachtsschnäppchen können durch zusätzliche Steuern und Abgaben teuer werden. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Weihnachtsgeschenke sind heutzutage ganz einfach über das Internet zu bestellen. Angebote in Onlineshops klingen vielversprechend. Warum der Zoll in Osnabrück zur Vorsicht rät.

Viele Produkte, wie beispielsweise Markenschuhe oder Elektroartikel sind günstig, wenn man sie außerhalb der Grenzen Europas bestellt. Gerade vor Weihnachten ist das sehr verlockend. Was viele Menschen nicht wissen: Zusätzlich zu den Versandkosten, können noch Zoll, Einfuhrumsatzsteuern oder Verbrauchsteuern anfallen. Schnell kann aus einem vermeintlichen Schnäppchen ein teures Geschenk werden.

Einfuhrabgaben abhängig vom Warenwert

"Eine Postsendung aus einem Nicht-EU-Staat muss grundsätzlich zollamtlich abgefertigt werden", erklärt André Pfob, Leiter des Zollamts Fledder. 7435 Postsendungen sind im Jahr 2017 im Zollamt Osnabrück bearbeitet worden. Ob und in welcher Höhe Einfuhrabgaben entstanden sind, hing dabei immer vom Warenwert und der Art der Sendung ab. 

Daniel Weidlich im Paketraum bei der Erfassung der Pakete. Foto: Gert Westdörp

Grundsätzlich gilt: Für private Geschenksendungen unter 45 Euro fallen keine Einfuhrabgaben an. Bei kommerziellen Sendungen wird der Besteller ab einem Warenwert von 22 Euro zur Kasse gebeten. Ist dies der Fall, wird der Besteller per Post informiert, dass sein Paket beim Zollamt liegt. Werden vor Ort die anfallenden Zölle und Steuern bezahlt, kann die Waren unkompliziert in Empfang genommen werden.

Einfuhrumsatzsteuer

Welche Kosten fällig sind
Bei Internetbestellungen aus Nicht-EU-Ländern fallen zusätzliche Kosten an, wenn ein bestimmter Warenwert überschritten wird. Der Zoll hat auf seiner Internetseite verschiedene Berechnungsbeispiele parat. So sind bei einem Wert zwischen 22 und 150 Euro die Sendungen zwar zollfrei, die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent bzw. 7 Prozent und die Verbrauchsteuer (bei Warensendungen mit verbrauchsteuerpflichtigen Waren) sind aber zu erheben. Allerdings werden Abgaben in einer Höhe von weniger als 5 Euro nicht erhoben. Betragen der Rechnungspreis zum Beispiel 100 Euro und die Versandkosten 10 Euro ergibt sich ein Warenwert von 110 Euro, der mit 19 Prozent zu versteuern ist. Beim Zoll müssen also zusätzlich 20,90 Euro bezahlt werden. Ab einem Warenwert von mehr als 150 Euro werden die Abgaben nach dem Zolltarif berechnet. Mehr Infos gibt es hier.


Plagiate – Waffen – Medikamente

221 Sendungen – meist aus China – zog der Zoll im vergangenen Jahr jedoch aus dem Verkehr. Dabei handelte es sich in 82 Fällen um Verstöße gegen den gewerblichen Rechtsschutz. Es ging um Fälschungen.  "Plagiate halten wir regelmäßig fest", so Pfob. Designer Taschen, Markenschuhe oder Schmuck stehen dabei ganz oben auf der Liste. 89 Lieferungen verstießen gegen die Produktsicherheit. "Hierbei geht es um Waren, die meist auch aus China kommen und die deutschen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen." Ein Beispiel: Die, als Taschenlampen getarnten, Elektroschocker, die im März einen Zollbeamten verletzten. 

Regelmäßig stellt der Zoll Waffen sicher. Foto: Gert Westdörp


46 Mal wurden Medikament und vier Mal Waffen sichergestellt. Ende Oktober zog der Zoll beispielsweise Schlagringe mit integrierten Elektroschockern aus dem 'Verkehr. "Wir beobachten vermehrt, das solche Bestellungen zunehmen." Über Internetportal seien Messer, Schlagstöcke, getarnte Elektroschocker, Laser, Stahlkugeln für Schleudern, Pfefferspray und sogar Falschgeld spottbillig zu bestellen.

Lebensmittel per Post

Aber auch Lebensmittelsendungen aus aller Welt beschäftigen den Zoll. Zuletzt noch ein Paket aus Afrika, mit pflanzlichen Beträubungsmittelstoffen. "Aus Indien kam ein Paket mit unangenehmem Geruch. Fruchtfliegen ließen auf vergammelte Lebensmittel schließen", erinnert sich Daniel Weidlich. Er arbeitet in der Postabfertigung des Zollamts, kommt mit vielen Paketen in Kontakt. Das sei schon manchmal unangenehm. Im Vorraum des Zollamtes sind besondere Raritäten, die über die Jahre aufgelaufen sind, ausgestellt. 

Markenpiraterie: Der Zoll in Osnabrück hat schon so manchen kuriosen Schuh aus dem Verkehr gezogen. Foto: Gert Westdörp


Neben Designerschuhen und exklusivem Schmuck sind auch Waffen, Potenzmittel und Medikamente zu sehen. Noch nicht dabei, aber gut gesichert und vom Zoll beschlagnahmt, sind Schuhe aus echtem Königspythonleder, bestellt im Sudan.  "Bei dieser Sendung liegt eine Verletzung des Artenschutzrechts vor. Daher können wir sie nicht herausgeben", erklärt Pfob.

Infos über die Zoll und Post-App

Damit die eigene Bestellung nicht irgendwann auch in der Auslage des Zollamts landet, rät Pressesprecher Christian Heyer vom Hauptzollamt Osnabrück: "Bei geplanten Bestellungen von Waren aus nicht EU-Ländern ist es ratsam, sich zuvor bei der zentralen Auskunftsstelle des Zoll oder über das Internet zu informieren." Die Auskunftsstelle ist unter der Rufnummer 0351/44834510 zu erreichen. Im Internet stehen unter www.zoll.de Informationen zur Verfügung und die App "Zoll und Post" gibt Auskunft über gesetzliche Bestimmungen, berechnet voraussichtliche Einfuhrabgaben und warnt vor Produkten, die gefährlich oder verboten sind.


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