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Tödlicher Lkw-Unfall im Lotter Kreuz Polizei verärgert über filmende Gaffer und fehlende Rettungsgasse auf A1

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Osnabrück. Am Dienstag ist ein Lkw-Fahrer auf der A1 im Lotter Kreuz bei einem Auffahrunfall ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte sind über Gaffer und die fehlende Rettungsgasse verärgert – und appellieren an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer.

Insbesondere die Feuerwehr mit ihren großen Fahrzeugen habe Probleme gehabt, zur Unfallstelle zu gelangen, sagt Münsters Polizeisprecher Andreas Bode. Wegen der Baustelle sei es dort derzeit ohnehin eng. „Es ist schwierig, dort eine Rettungsgasse zu bilden“, sagt Bode. „Aber möglich.“ Und dennoch: „Gestern kamen wir nicht gut durch“, so Bode am Mittwoch.

Vier von fünf Krankenwagen stecken im Stau

In 80 Prozent aller Rettungseinsätze verlieren Helfer wertvolle Zeit, weil die Rettungsgasse durch Fahrzeuge blockiert wird. Das geht nach Informationen unserer Redaktion aus einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hervor. Nach Angaben von DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin wird der durchschnittliche Zeitverlust durch diese Behinderungen auf bis zu fünf Minuten geschätzt. Für einen Patienten, der reanimiert werden müsse, könne dann jede Hilfe zu spät sein. ten

Am Dienstagnachmittag hatte ein Lkw-Fahrer offenbar ein Stauende im Lotter Kreuz übersehen. Er fuhr auf einen Lkw auf und starb noch vor Ort.

Der Lkw-Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Foto: NWM-TV

„Es ist ein generelles Phänomen, dass die Leute keinen Platz machen“, berichtet Bode weiter. „Dabei ist jede Sekunde wichtig und wertvoll.“ Ob der Lkw-Fahrer zu retten gewesen wäre, wenn die Einsatzkräfte eher vor Ort gewesen wären, ist Spekulation. Dessen Verletzungen seien sehr schwer gewesen, so Bode. Er appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, eine Rettungsgasse zu bilden. Jeder Fahrer sollten sich fragen: „Was, wenn ich selbst einen Unfall habe?“


Blockieren der Rettungsgasse deutlich teurer

Die Bußgelder beim Blockieren einer Rettungsgasse sind im Oktober 2017 drastisch gestiegen. 200 Euro und zwei Punkte kostet das Vergehen (zuvor 20 Euro). Das Behindern eines Fahrzeugs mit Martinshorn und Blaulicht kostet 240 Euro, mit Gefährdung 280 Euro. 

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius reicht das nicht. Er plädiert für Strafen von bis zu 500 Euro. Andere Länder wie Österreich kassierten immerhin bis zu 2180 Euro ab.

Die Feuerwehr Osnabrück zeigt in einem Video, wie es richtig läuft:

Fahrer filmen Unfall

Zudem ärgert sich Münsters Polizeisprecher über die „Sensationsgier“ einiger Verkehrsteilnehmer. Mehrere Auto- und Lkw-Fahrer hatten den Unfall am Dienstag fotografiert oder gefilmt, wie Fotos zeigen. „Leider ist das immer wieder der Fall“, sagt Bode. Auch hier appelliert er an alle Fahrer. „Jeder sollte sich fragen, ob er im Falle eines Unfalls selbst gefilmt werden wollte.“

Die Feuerwehrkräfte mussten am Dienstag eine Plane nutzen, um den Lkw-Fahrer vor Gaffern zu schützen. Normalerweise können die Rettungskräfte portable Trennwände anfordern, die über den Landesbetrieb Straßenbau NRW angeschafft wurden. Binnen einer halben Stunde seien sie in der Regel am Unfallort, sagt Bode. „Und dann fließt der Verkehr gegenüber auch besser.“

Keine Gaffer notiert

Sind die Kapazitäten vorhanden, notiere die Polizei die Kennzeichen der filmenden Gaffer. Am Dienstag sei das nicht möglich gewesen. Die eingesetzten Beamten waren mit der Absicherung der Unfallstelle und der Verkehrsregelung beschäftigt gewesen.

Das kostet die Smartphonenutzung am Steuer

  • Nutzung des Smartphones am Steuer: 100 Euro, 1 Punkt
  • ... mit Gefährdung: 150 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
  • ... mit Sachbeschädigung: 200 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
Erlaubt ist die Nutzung von Geräten, die fest im Fahrzeug verbaut sind, in einer Halterung stecken oder per Sprachsteuerung bedienbar sind. In die Hand darf das Smartphone (oder auch Tablet) nur genommen werden, wenn der Motor abgeschaltet ist. Das gilt nicht bei modernen Autos mit einer Start-Stopp-Automatik, die den Motor an Ampeln automatisch abschalten.
Radfahrer zahlen übrigens 55 Euro, wenn sie das Smartphone während der Fahrt bedienen.

Bereits am Montag hatte ein Lkw-Fahrer ein Stauende auf der A1 übersehen – nur wenige Kilometer entfernt auf der entgegengesetzten Richtung. Auch dieser Fahrer starb. Und auch nach diesem Unfall hatten die Rettungskräfte Schwierigkeiten, zur Unfallstelle zu gelangen. Viele Fahrer hatten sich nicht am Bilden der Rettungsgasse beteiligt.

Unfall bremst Busverkehr in Osnabrück aus

Der Unfall am Dienstag wirkte sich auch auf den Osnabrücker Stadtverkehr aus. Zahlreiche Lkw fuhren durch die Stadt. Im Busverkehr kam es dadurch zu teilweise erheblichen Verspätungen von bis zu 40 Minuten, teilte die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück mit.


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