Osnabrücker aus 1a-Lage verdrängt Mieten für Einzelhändler in der Region Osnabrück ziehen stark an

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Der Geschäftsführer von Leder Rabe, Holger Bulk, hat die hohen Mieten in der Großen Straße nicht mehr erwirtschaften können und Insolvenz angemeldet. Foto: Jean-Charles FaysDer Geschäftsführer von Leder Rabe, Holger Bulk, hat die hohen Mieten in der Großen Straße nicht mehr erwirtschaften können und Insolvenz angemeldet. Foto: Jean-Charles Fays

Osnabrück. Stark steigende Mieten treffen nicht nur private, sondern auch gewerbliche Mieter. Wer sich Mieten von bis zu 110 Euro pro Quadratmeter in der Osnabrücker 1a-Lage noch leisten kann, wie inhabergeführte Geschäfte damit umgehen und warum gewerbliche Mieten für den Einzelhandel auch im Landkreis Osnabrück stärker als im bundesweiten Schnitt steigen.

Holger Bulk hat den Kampf aufgegeben. An der Espresso-Bar, an die er unsere Redaktion zu einem Gespräch im hinteren Ladenbereich des Traditionsgeschäfts für Taschen, Koffer und Accessoires gebeten hat, zeigt er sich resigniert. Noch vor zwei Monaten hat er auf ein Umdenken auf Vermieterseite gehofft. „Mieten sollten heutzutage flexibel sein und sich an der Geschäftsentwicklung orientieren“, hatte der 49-jährige Geschäftsführer gefordert und prognostiziert: „Ansonsten wird das Sterben der kleinen inhabergeführten Geschäfte weitergehen und sich weitere Filialisten ansiedeln.“ Dass er selbst im November 2018 Insolvenz anmelden wird, hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. Er hatte darauf hingewiesen, dass der Mietvertrag noch bis Ende 2019 laufe, die steigenden Mieten aber nicht zur aktuellen Situation im Einzelhandel passen würde. Dazu stehe er mit dem Vermieter im Dialog. Doch es hat alles nichts genutzt. Nach fast neun Jahren als Geschäftsführer wird er das Kapitel Leder Rabe schließen. „Auf eine soziale Komponente darf man bei gewerblichen Vermietern heutzutage nicht mehr hoffen“, resümiert er und hofft, dass ein Branchenkollege das Fachgeschäft, das seit 1948 in der Osnabrücker Innenstadt ansässig ist, weiterführt und seine neun Mitarbeiter ihre Arbeit fortsetzen können.

Baustelle direkt vor dem Schaufenster

Zu seinem Unglück wurde für Arbeiten an Versorgungsleitungen auch noch für drei Monate eine Baustelle vor seinem Geschäft errichtet. „Davon einen Monat direkt vor meinem Schaufenster“, klagt er. Das hatte den Trend der immer geringeren Kundenfrequenz durch den zunehmenden Onlinehandel noch weiter verschärft. Außerdem habe er als Einzelhändler eine ganz andere Kostenstruktur als die großen Ketten: „Die können diese Mieten noch bezahlen.“ Sein Blick wandert zur Modekette Snipes, die vis à vis in diesem Jahr eingezogen ist. „Es ist Wahnsinn, was da los ist“, sagt der Osnabrücker und spielt darauf an, dass Sneaker als Hauptprodukt des Geschäfts gerade voll im Trend liegen.

Snipes gehört zu den Modeketten, die zunehmend das Bild der Großen Straße in Osnabrück prägen. Foto: Jean-Charles Fays

Mieten für Familienunternehmen kaum noch zu erwirtschaften 

Auch der Geschäftsführer des Osnabrücker Juweliers Oeding-Erdel in der Großen Straße, Kai Limburg, beklagt das Mietpreisniveau: „Das Quartier hat gelitten. Es gibt hier nicht mehr die Top-Textiler, sondern nur noch die durch das Onlinegeschäft subventionierten Mittelpreis-Textiler.“ Dennoch würden die Mieten steigen. Für Familienunternehmen seien die mittlerweile aufgerufenen Mieten aber kaum noch zu erwirtschaften.

Sportartikel-Filialist JD Sports sucht Laden in Osnabrücker Innenstadt

Andreas Grüß sagt als Experte für einzelhandelsgenutzte Immobilien in 1a-Lagen deutscher Innenstädte und Geschäftsführer des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklerunternehmens Lührmann Osnabrück: „Ich kenne kaum inhabergeführte Einzelhändler, die sich Mieten von 110 Euro pro Quadratmeter in der Osnabrücker 1a-Lage leisten können. Alle namhaften Vermietungen gehen an Ketten wie etwa Müller oder Snipes“. Als 1a-Lage bezeichnet Grüß den Bereich zwischen Peek & Cloppenburg und H&M – also die Einkaufsmeile in der Großen Straße.

Modeketten für Damenunterwäsche wie Hunkemöller können sich Mieten von rund 100 Euro pro Quadratmeter in der Großen Straße in Osnabrück noch leisten. Foto: Jean-Charles Fays

Im Trend seien aktuell etwa Kosmetikanbieter, Geschäfte für Damenunterwäsche wie Hunkemöller oder Läden der Sneaker-Branche. Nachdem in diesem Jahr bereits Snipes eröffnet hat und auf 600 Quadratmetern Sneaker und Streetwear anbietet, würde nun auch noch der britische Sportartikel-Filialist JD Sports einen Laden in der Osnabrücker Innenstadt suchen. Auch der Sportmodegigant aus England hat sein Geschäftsmodell stark auf den Verkauf von Sneaker, die man hierzulande bis zur Jahrtausendwende noch profan Turnschuhe oder Sportschuhe nannte, fokussiert. „Die Textilbranche hingegen schwächelt“, weiß Grüß. Er glaubt, dass selbst die Warenhauskette Galeria Kaufhof den Standort in Osnabrück wegen der Branchenkrise nach dem Auslaufen des Mietvertrags nicht weiter erhalten wird. 

Was L&T richtig macht

Eine gute Perspektive hingegen habe weiterhin das inhabergeführte Osnabrücker Mode- und Sporthaus L&T, das keine Probleme mit hohen Mieten habe, weil es selbst Eigentümer der Immobilien ist und mit einem Alleinstellungsmerkmal wie der Hasewelle versuche, das Einkaufen zum Erlebnis zu machen. Zudem zeige L&T vorbildlich, wie eine Kombination von Einzelhandel und gastronomischem Angebot dazu führen kann, die Verweildauer in dem Geschäft zu verlängern, um der zunehmenden Online-Konkurrenz zu begegnen.

Mieten steigen für den Osnabrücker Einzelhandel um 14 Prozent

Dem gewerblichen Immobilienmarktbericht der IHK zufolge steigen die Mieten im Einzelhandel in unserer Region stärker als im bundesweiten Trend. Während diese bundesweit in den vergangenen vier Jahren demnach unverändert blieben, beträgt der Anstieg in der Stadt Osnabrück insgesamt 14 Prozent, im Landkreis noch 11 Prozent. Die IHK sieht das als zuverlässigen Indikator für die hohe Attraktivität unserer Wirtschaftsregion. Durchschnittlich stieg die Nettokaltmiete für Einzelhandelsflächen in der Stadt in den vergangenen vier Jahren auf 14,24 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten für den Einzelhandel stiegen bei Neuvermietungen in Bramsche demnach auf durchschnittlich zehn Euro, in Georgsmarienhütte auf 10,25 Euro und in Melle auf 8,22 Euro pro Quadratmeter.


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