Künstliche Intelligenz sinnentleert Ausstellung „Bambi goes art“ im Kunstraum hase29

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Skurril und ungewöhnlich – die Installation “Loop” der Berliner Künstlergruppe “Quadrature”. Foto: Gert WestdörpSkurril und ungewöhnlich – die Installation “Loop” der Berliner Künstlergruppe “Quadrature”. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Zwölf Künstler hinterfragen im Kunstraum hase29 das „Banale in der Kunst“. Bambi übernimmt symbolisch die Interpretationshoheit.

Fünfzehn kleine ovale Spiegel schmücken die Wand. Jedoch: Sie sind nicht ideal dazu gedacht, dass man sich selbst darin anschaut, denn auf der Glasoberfläche entdeckt der Betrachter Icons, kleine Bildchen oder Piktogramme. Zwei Hände, die ein Herz formen, ein Gartenzwerg, ein Schriftzug „Cute“, ein Häschen, ein grünes Monster und ein Bambi. Eines haben diese Bildchen gemeinsam: Sie sehen wie grob gepixelt aus, weil sie aus Bügelperlen hergestellt wurden. Der geduldfordernden Tätigkeit, an die man sich gern aus regennassen Kindheitstagen erinnert, gab sich Marion Tischler hin. Ihre bunten Bügel-Icons werden an der Wand des Kunstraumes hase29 zur ästhetischen Konsumkritik.

„Bambi goes Art“ lautet ab Samstag, 1. Dezember, das Motto, mit dem Kurator Michael Kröger dem „Banalen in der Kunst“ auf die Spur kommen will. Insgesamt zwölf Künstler wählte er im Auftrag der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst aus, die mit ihren Arbeiten das Alltägliche erforschen. Das, was bei Andy Warhol in Form einer Suppendose seinen Anfang nahm und als Readymade a la Marcel Duchamp die Kunstwelt auf den Kopf stellte, wird jetzt in die Gegenwart gebeamt.

Da prangt ein riesiger, stilisierter weißer Apfel an der Wand, als befände man sich in einem Computershop. Verwundert stellt man allerdings fest, dass dieser Apfel gar nicht angebissen ist. Subtil gerät die Hinterfragung turbokapitalistischer Mechanismen, mit der multinationale Konzerne versuchen, ihre Kunden zu steuern. Claire Fontaine nennt sich das Künstlerkollektiv, das den Apfel für die Bambi-Ausstellung nach Osnabrück schickte. Ebenfalls hart in der Realität bewegen sich zwei Roboter, die neben einer Kugelvase positioniert sind: Der eine hebt mittels eines Elektromagneten einen Spielzeuggoldfisch vom Tisch und lässt ihn in dem Miniaquarium zu Wasser. Nachdem er eine Runde geschwommen ist, hievt der zweite Roboter den Fisch wieder aus dem Wasser, um ihn auf dem Tisch abzulegen. Sisyphos mutiert hier zur sinnentleerten künstlichen Intelligenz. Dementsprechend gab das Künstlerkollektiv Quadrature dem Objekt den Titel „Loop“, wohl wissend, dass der eine Roboter in endloser Schleife die Tätigkeit des anderen umgehend zunichtemacht.

Golden schimmernde Puzzleteile, die Wurst als Skulptur, eine Luftmatratze aus Gips, auf vielfältige Art nähern sich die Künstler der Thematik und häufig stellt sich ob der Banalität ihrer Objekte die Frage nach dem Sinn. Wird einem Kohlebrikett die Funktionalität entzogen, indem man es weiß lackiert? Diese Frage stellt die Künstlerin Susanne Tunn. Warum verschwinden Fotos von Menschen hinter einem Filter aus Käse, als würden sie durch das zweckentfremdete Lebensmittel ihre Existenzberechtigung verlieren? Renke Brandt gibt mit seiner Bilderwelt

Denkanstöße: Warum findet man unzählige Fotos von unappetitlich ausschauenden Lebensmitteln und Speisen im Internet? Offenbar definieren sich viele Menschen im Internet über ihre tagtäglichen Tätigkeiten und das Essen nimmt bei vielen eine hohen Stellenwert ein. Chefkoch lässt grüßen.

Zwei Außenstationen erweitern das Spektrum der Exponate: Im Kreuzgang des Doms und in der Marienkirche präsentiert Via Lewandowsky sein Neon-Objekt „Good God“, eine flackernde Frage nach der Existenz eine „guten Gottes“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN