Kraft der Metapher Moralphilosoph Klaus-Jürgen Grün referierte im Lortzinghaus

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Zu Gast in Osnabrück: Der Philosoph Klaus-Jürgen Grün. Foto: Swaantje HehmannZu Gast in Osnabrück: Der Philosoph Klaus-Jürgen Grün. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Mit einem Vortrag über „Die Symbole und die Freiheit, die wir Freimaurer meinen“ war der Frankfurter Moralphilosoph Klaus-Jürgen Grün am Donnerstag zu Gast im Lortzinghaus.

„Erfinder des Vakuums“ – so wurde seinerzeit der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke aufgrund seiner Experimente mit Luftdruck und Halbkugeln im Jahre 1657 genannt. Dass dieses „Erfinden“ eher ein „Entdecken“ war, stellte Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün zum Auftakt seines Vortrages klar. Am Donnerstag sprach der Moralphilosoph und Professor aus Frankfurt am Main über „Die Symbole und die Freiheit, die wir Freimaurer meinen“ im Saal der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ im Lortzinghaus. In seinem Vortrag setzte sich Grün mit der Bedeutung von Symbolen in einer modernen Welt ebenso auseinander wie mit analogem und digitalem Denken und betonte die Bedeutung intelligenter Auswahl und eigener Entscheidungen. Anders als etwa der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, der die vorgefundenen Verhältnisse zur „besten aller Welten“ stilisierte, erklärte Grün: „Es ist nicht wichtig, was wirklich passiert, sondern was Sie für ein Bild daraus konstruieren.“

Von dieser These ausgehend, erläuterte er die Folgen von „analogem Denken“, das die Welt trivialisiert und damit vorhersehbar und kontrollierbar erscheinen lässt. Dem gegenüber stellte Grün das „digitale Denken“, das sich an der Struktur des Lebendigen orientiert und durch seine Vielfalt Raum schafft für eigene Entscheidungen. Diese verstand Grün als Voraussetzung für Ethik und Verantwortung, die eben erst möglich sind, wenn man sich dafür entscheidet. Am Beispiel von SS-Mann Adolf Eichmann, der seine Mitschuld am Holocaust mit Befehlsausübung erklärt hatte, machte Grün deutlich, wohin ein rein analoges Denken führt, das die Verantwortung aufs jeweilige System schiebt. Ob man sich als außenstehender Betrachter der Welt oder als jemand, der in der Welt wirkt, liege auch an eigener Entscheidung und Verantwortung.

Dass Verantwortung und Weitblick auch für Sprache gilt, machte Grün zudem an der Verwendung des Begriffes „Lügenpresse“ oder an aktueller Twitter-Politik deutlich. Darüber hinaus erläuterte er die Bedeutung symbolischer Begriffe für Freimaurer, für die etwa der Begriff „Arbeit“ für Vervollkommnung steht. Zudem wies er darauf hin, dass das Bild, das wir uns machen, nicht unbedingt die Welt widerspiegelt. Dies demonstrierte er etwa mit der Abbildung des Werkes „Verrat des Bildes“ von Surrealist René Magritte: Darauf zu sehen ist die Zeichnung einer Pfeife mit dem Hinweis „Dies ist keine Pfeife“. Die Konstruktion eigener Bilder und Vorstellungen hat eben nicht zwangsläufig was zu tun mit der Realität.


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