Lichte Momente in der Altstadt Videoprojektionen stellen die Frage nach Identität

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In Szene gesetzt: Lichtinstallationen prägen die Osnabrücker Altstadt. Foto: Swaantje HehmannIn Szene gesetzt: Lichtinstallationen prägen die Osnabrücker Altstadt. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Kunstvoll erstrahlen bei Einbruch der Dunkelheit die Fassaden des Heger-Tor-Viertels in Osnabrück: Zum elften Mal lädt das Outdoor-Videokunst-Projekt „Lichte Momente“ zum Verweilen ein.

Links tanzt ein Mann „Krump“, einen amerikanischen Freestyle-Tanz, der dem Abbau von Frust dient. Rechts erwecken zwei Männer den Eindruck, als wollten sie eine Frau an eine Wand kreuzigen oder sie von einem imaginären Kreuz abnehmen. Dazwischen sieht der Betrachter einen Protagonisten, der gestisch wie hinter Gittern agiert. Automatisch hat der Betrachter Fragen zu den Akteuren im Kopf. Wer seine Fantasie schweifen und seinen Gefühlen freien Lauf lässt, entwickelt eigene Ideen und Geschichten zu den jeweiligen Szenen. Das jedenfalls ist die Intention von Funda Gül Özcan, die in diesem Jahr zu Gast von „Lichte Momente“ ist. An die Fenster an der Rückseite der Kunsthalle Osnabrück projiziert, wird die Videoinstallation zum Bestandteil des Outdoor-Medienkunst-Projekts „Lichte Momente“, das zum elften Mal in der Adventszeit ein besonderes Licht auf die Fassaden der Osnabrücker Altstadt wirft.

Drei Künstlerinnen wurden vom Kuratorenteam Monika Witte und Jan-Hendrik Steffan in diesem Jahr ausgewählt. Neben der Arbeit von Özcan sind Lisa Schittulli und Lea Torcelli mit aktuellen Videos vertreten. Außerdem werden in der Krahnstraße, auf der Fassade des ehemaligen Restaurants La Vie, die Ergebnisse eines Jugendkunstworkshops vorgestellt, der im November unter dem Titel „Crack my Map!“ stattfand. Unter der Leitung von Lisa Schittulli hatten sich junge Leute im Alter zwischen 14 und 20 Jahren künstlerisch mit ihren eigenen Träumen, Wünschen und Utopien auseinandergesetzt. So visualisiert ein junger Mann aus Afghanistan in seinem Video die Fluchtroute, die ihn nach Deutschland führte. Das Jugendprojekt wurde von einem Gremium der VGH-Stiftung als besonders förderungswürdig eingeschätzt.

„Die Projektionen im Heger-Tor-Viertel sind hervorragend dazu geeignet, bei den Besuchern der Altstadt das Interesse für Medienkunst und Kunst im Allgemeinen zu wecken“, erklärte Patricia Mersinger, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, bei der Präsentation des Projekts. Sie dankte Valérie Schwindt-Kleveman, die das Konzept vor elf Jahren entwickelt und die Leitung jetzt in die Hände des neuen Teams übergeben hatte.

„Wir haben unseren Schwerpunkt in diesem Jahr auf junge Videokunst gelegt, die sich mit Selbstfindungsprozessen und der Suche nach Identität beschäftigen“, sagt Witte. So sind in den fünf Arbeiten von Lisa Schittulli so genannte „Trickster“ zu sehen. Das sind Menschen in Tiergestalt, die in der Mythologie die Ordnung des Universums durcheinanderbringen. In den Videos der Französin tanzen maskierte Figuren zu verrückter Musik oder entwickeln Traumvisionen zwischen Himmel und Erde. Die Musik zu den Videos ist per QR-Code an den jeweiligen Standorten mit dem Smartphone abrufbar.

Die vier Elemente und ihre Berührungspunkte zum Menschen thematisiert Lea Torcelli mit drei Arbeiten. Feuer, Wasser, Luft und Erde verknüpft sie mit individuellen Erfahrungsprozessen. Zur Eröffnung stellt sie in Form einer Performance die Verbindung zwischen den drei Projektionsfassaden her. Dabei arbeitet sie mit Eiskugeln, in die Gegenstände des täglichen Lebens eingefroren wurden.


Heger Tor Viertel, Felix-Nussbaum-Haus und Kunsthalle Osnabrück: „Lichte Momente“. Videokunst von Funda Gül Özcan, Lisa Schittulli und Lea Torcelli. 30. November (Eröffnung 17.30 Uhr an der Kunsthalle, Neue Straße) bis 06. Januar, täglich von 17-22 Uhr. Weitere Informationen unter www.lichtemomente-osnabrück.de

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