Vergleich mit Ku‘damm in Berlin Wird die Osnabrücker Johannisstraße zur Prachtstraße?

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Die Johannisstraße bleibt Baustelle – sie ist wegen des Weihnachtsgeschäfts aber vorübergehend für Teile des Busverkehrs geöffnet. Anwohner und Geschäftsleute klagen seit Jahren über den Zustand der Einkaufsmeile. Foto: Michael GründelDie Johannisstraße bleibt Baustelle – sie ist wegen des Weihnachtsgeschäfts aber vorübergehend für Teile des Busverkehrs geöffnet. Anwohner und Geschäftsleute klagen seit Jahren über den Zustand der Einkaufsmeile. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Eine überraschende Prognose wagte Stadtwerke-Chef Christoph Hüls im Bürgerforum Innenstadt: Er sieht die Johannisstraße vor einer erfolgreichen Entwicklung. Anwohner diskutierten über die dortige Dauerbaustelle, über Lärm am Wallring, neue Wohnungen und das künftige Busliniennetz.

Einen „Niedergang“ diagnostizieren Anwohner und Geschäftsleute der Johannisstraße bereits seit Jahren. Jetzt leiden sie darunter, dass die Stadtwerke dort eine „Dauerbaustelle“ eingerichtet haben. Brigitte und Klaus Möller aus der Nachbarschaft fragten im Bürgerforum: „Wann ist für Fußgänger wieder ein normaler Spaziergang auf der Johannisstraße möglich?“ Sie finden: „Die Bautätigkeiten könnten durchaus etwas eingeschränkt werden, ohne dass diese übermäßig behindert werden.“ Diesen Wunsch werden die Stadtwerke ihnen nicht erfüllen, wie Christoph Hüls berichtete: Die Baustellen sollten nicht eingeengt werden. Die Arbeiten an den Gas- und Wasserleitungen sowie Schmutz- und Regenwasseranschlüssen werde „am 23. Mai 2019“ beendet sein. Dann sollen die Straßenbauarbeiten beginnen.

Die Johannisstraße und der Kurfürstendamm

Die Sorge der Möllers, „dass man die Johannisstraße ganz abschreibt“ teilt Hüls nicht – im Gegenteil: „Sie wird eine Prachtstraße werden.“ Damit löste er Gelächter aus, und Klaus Möller sagte: „Ihr Wort in Gottes Ohr.“ Aber der Stadtwerke-Chef meint es ernst: „Ich bin wirklich davon überzeugt.“ Er zog den Berliner Kurfürstendamm als Beispiel heran: Auch der „Ku’damm“ habe schlechte Jahre überstanden.

Die Bewohnbarkeit des Walls

Am Wall ist es auch dann laut, wenn der Neumarkt nicht gesperrt ist. Klara Ostendorf wohnt zwar an der Heinrichstraße, fühlt sich aber wegen einer Lücke in der Bebauung „vom Lärm her“ auch als Anwohnerin des Schlosswalls – und damit der Bundesstraße 68. Ab 4 Uhr morgens werde sie wach, weil viele Fahrzeuge mit erhöhter Geschwindigkeit über den Wall „rasen“. Ihr Wunsch sind Geschwindigkeitskontrollen. Und sie wollte wissen, wie es mit den Bemühungen der Stadt für die Anwohner aussieht. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der das Bürgerforum leitete, konnte noch „nichts Neues“ verkünden. Bevor sich Gremien mit Förderungen für Lärmschutzfenster befassen, würden sich Juristen mit der Sperrung des Neumarktes beschäftigen müssen. Ob Osnabrück beim niedersächsischen Modellversuch „Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen“ dabei ist, werde sich erst Anfang 2019 herausstellen. Bleibt der Lärmaktionsplan: Den schreibe die Stadt derzeit fort. Diese Antwort reichte Klaus Möller nicht: „Fangt doch endlich damit an, etwas zu tun, damit der Wall wieder bewohnbar wird!“ Brigitte Möller appellierte an die Stadt, „Menschen als Schutzgut“ zu betrachten.

Autofahrer drehen ihre Anlagen auf

Birgit Reverts findet, dass es auch deshalb „immer lauter auf dem Wall“ wird, weil Autofahrer ihre Musikanlagen aufdrehen. Ein Anwohner berichtete, in anderen Städten beschäftigten sich Kommissionen mit dem Phänomen „Autoposer“. Oberbürgermeister Griesert erläuterte, dass es sich dabei aber weniger um Musik als vielmehr um Manipulationen an der Technik gehe – etwa an Auspuffanlagen.

Neue Wohnungen unter den Dächern von Geschäften?

Michael Schäfer interessierte sich dafür, wie auch in der Innenstadt neuer Wohnraum geschaffen werden kann. Stadtplanerin Helma Pötter berichtete, dass die Verwaltung außer Verdichtungen auf Grundstücken und Aufstockungen von Gebäuden auch ungenutzte Etagen in Geschäftshäusern im Blick hat. Unter den Dächern vieler Geschäfte könnten ehemalige Lagerräume zu Wohnungen umgebaut werden. Es hänge aber von der Bereitschaft der Eigentümer ab, ob sie investieren wollen.

Neue Buslinien durch die Innenstadt

Welche Auswirkungen hat das künftige Busliniennetz auf die Innenstadt? Auch diese Frage beschäftigt Michael Schäfer. Harald Schulte von den Stadtwerken sprach von „deutlichen Mehrleistungen“ und neuen Verknüpfungen. Aber durch die Hasestraße sollen deshalb nicht mehr Busse fahren als jetzt, denn einige Linien führten dann auch um die Altstadt herum.


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