Veränderungen für Anlieger Müllwagen im Landkreis Osnabrück verzichten streckenweise aufs Rückwärtsfahren

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Die Müllfahrzeuge der Awigo-Unternehmensgruppe verzichtet im Landkreis Osnabrück künftig streckenweise auf das Rückwärtsfahren. Bis zu 400 Anlieger müssen sich auf Veränderungen bei der Abfallentsorgung einstellen. Archivfoto: Jörn MartensDie Müllfahrzeuge der Awigo-Unternehmensgruppe verzichtet im Landkreis Osnabrück künftig streckenweise auf das Rückwärtsfahren. Bis zu 400 Anlieger müssen sich auf Veränderungen bei der Abfallentsorgung einstellen. Archivfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Wenn ein Müllwagen einen Unfall verursacht, kommen auf die Entsorger unter Umständen hohe Schadenersatzansprüche zu. Um das Risiko zu minimieren, verbietet die Awigo den Fahrern ihrer Müllfahrzeuge künftig mancherorts das Rückwärtsfahren. Das hat Auswirkungen auf Hunderte Anlieger.

Warum die Änderung? Die in Georgsmarienhütte ansässige Awigo reagiert auf eine bundesweite Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Etwa 400 Anlieger müssen sich auf Veränderungen bei der Abfallentsorgung einstellen. Weil sich die Meldungen über tödliche Zusammenstöße zwischen Passanten und rückwärts fahrenden Müllfahrzeuge mehrten, hat die DGUV im Herbst 2016 eine allgemeine Empfehlung für deutsche Entsorgungsunternehmen erlassen. Danach ist es Müllfahrzeugen nur noch in Ausnahmefällen gestattet, Streckenabschnitte rückwärts zu befahren. In der Region Osnabrück wurde die Empfehlung bislang noch nicht umgesetzt. Doch das wird sich in Kürze ändern, wie die Awigo (Abfallwirtschaft Landkreis Osnabrück GmbH) unserer Redaktion mitteilte.

Wiehert da nicht der Amtsschimmel? „Die Umsetzung der Branchenregel hat versicherungstechnische Gründe“, sagt Awigo-Unternehmenssprecherin Daniela Pommer. „Im Falle eines tödlichen Unfalls wird die DGUV-Empfehlung als rechtliche Grundlage bei möglichen Gerichtsprozessen verwendet.“ Heißt: Fährt ein Müllfahrzeug entgegen der Empfehlung rückwärts und verletzt dabei einen Passanten, könnte es teuer werden. Die Awigo will es darauf nicht ankommen lassen.

Wo darf noch rückwärts gefahren werden? Die Empfehlung der DGUV schreibt vor, das Rückwärtsfahren dort zu vermeiden, wo es geht. Ausnahmen können nur erteilt werden, wenn zuvor eine Gefährdungsbeurteilung für die Strecke erarbeitet wurde. Das Regelwerk gibt dafür klare Anforderungen vor: Etwa muss die zu fahrende Strecke mindestens 3,55 Meter breit sein und darf eine Länge von 150 Meter nicht überschreiten. Sind die Kriterien erfüllt, müssen die Fahrer der Entsorgungsfahrzeuge vor Ort zusätzlich geschult werden, um weiter rückwärts fahren zu dürfen – auf einer Strecke dessen Begebenheiten sie nicht nur kennen, sondern auch jahrelang unfallfrei zurückgelegt haben.

Um wie viele Strecken geht es? An fast 700 Stellen im Landkreis Osnabrück fährt die Müllabfuhr bislang rückwärts. Rund drei Prozent aller Haushalte im Kreis liegen an diesen Strecken. Awigo hat jede einzelne Strecke in den vergangenen Monaten überprüfen lassen. Dabei griff der Entsorgungsbetrieb auf die Expertise des Ahlener Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management zurück.

„Die Gefahrenbeurteilung hat ergeben, dass sich auf manchen Strecken der Müllabfuhr etwas ändern muss“, sagte Awigo-Geschäftsführer Christian Niehaves. „An 600 Strecken können wir weiter verfahren wie bisher“, sagte Niehaves. Für diese Punkte wird eine Ausnahmeregelung erteilt. Übrig bleiben nach Aussage von Niehaves rund 70 Strecken, bei denen die Analysen ein zu hohes Unfallrisiko ergaben: „Hier muss sich aus Sicherheitsgründen etwas ändern“, erläutert der Geschäftsführer. Betroffen sind 400 Anlieger, verteilt auf den gesamten Landkreis, die meisten davon in in Melle, Bramsche und Gorgsmarienhütte. Überproportional viele Strecken finden sich in Bissendorf (fünf) Hagen und Belm (je vier).

Diese Anlieger müssen sich auf Veränderungen einstellen
Ankum  An der Kirchenburg Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Ankum  Kurt-Schumacher-Platz  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Ankum Maximilian-Kolbe-Platz  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Ankum Wilhelm-Leuschner-Platz Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bad Essen Im Teich  Mit Kommune im Gespräch 
Bad Essen Jürgensweg  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bad Essen Kniepstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bad Laer Hagestraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Badbergen Osteresch  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Belm Ellerkamp  Mit Kommune im Gespräch 
Belm Oberfeldsweg  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Belm Talkamp  Eigentümer/Verwalter mit Wendemöglichkeit wird angeschrieben 
Belm Westerheide  Eigentümer/Verwalter mit Wendemöglichkeit wird angeschrieben 
Berge Am Goosedamm  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bersenbrück Franz-Hecker-Straße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bissendorf Auf dem Busch  Mit Kommune im Gespräch 
Bissendorf Forstweg  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bissendorf Gradweg  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bissendorf Gruttbrink  Mit Kommune im Gespräch 
Bissendorf Tannenkamp  Mit Kommune im Gespräch 
Bohmte Fuchsweg  Mit Kommune im Gespräch 
Bramsche Blumenweg  Mit Kommune im Gespräch 
Bramsche Brinkhausstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bramsche Lindenweg  Mit Kommune im Gespräch 
Bramsche Luisenstraße Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bramsche Rosenweg  Mit Kommune im Gespräch 
Bramsche Schubertstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Bramsche Taubenweg  Mit Kommune im Gespräch 
Bramsche Wittkopstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Dissen am Teutoburger Wald Ausdehne  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Dissen am Teutoburger Wald Gräfenwiese  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Georgsmarienhütte Birkkamp  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Georgsmarienhütte Hans-Böckler-Straße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Georgsmarienhütte Lammersbrink  Mit Kommune im Gespräch 
Georgsmarienhütte Lindenbreede Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Georgsmarienhütte Zum Tannenkamp  Mit Kommune im Gespräch 
Glandorf Kalberkamp  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Hagen am Teutoburger Wald Grafenstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Hagen am Teutoburger Wald Heidbergstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Hagen am Teutoburger Wald Zum Sundern  Eigentümer/Verwalter mit Wendemöglichkeit wird angeschrieben 
Hagen am Teutoburger Wald Zur Grafentafel  Mit Kommune im Gespräch 
Hasbergen Finkenburg  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Hasbergen Tannenkamp  Mit Kommune im Gespräch 
Hilter am Teutoburger Wald Brinkstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Hilter am Teutoburger Wald Maschgang  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Am Königskamp  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Melle Barkhausener Straße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Melle Barkhausener Straße  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Brunnenstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Burtonstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Hellortsweg  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Im Klusgarten  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Melle Im Wiele Mit Kommune im Gespräch 
Melle In den Blessen Mit Kommune im Gespräch 
Melle Meller Berg  Mit Kommune im Gespräch 
Melle Stuckenbergstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Melle Vossiekweg Mit Kommune im Gespräch 
Ostercappeln Kirchweg Eigentümer/Verwalter mit Wendemöglichkeit wird angeschrieben 
Quakenbrück Große Kirchstraße  Mit Kommune im Gespräch 
Quakenbrück Kleine Kirchstraße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Wallenhorst Finkennest  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 
Wallenhorst Paul-Melchers-Straße  Eigentümer/Verwalter wird angeschrieben 

*Achtung: Es sind nicht immer ganze Straßen, sondern auch nur einzelne Teilstücke (Stichstraßen o.Ä.) oder Grundstücke betroffen.
Werden auch Strecken umgebaut? An 30 der 70 Strecken können bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Die Awigo hat deshalb Städte und Gemeinden kontaktiert, um nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Möglich ist, Straßen zu verbreitern, Wendemöglichkeiten zu schaffen oder temporäre Parkverbote einzuführen. Die Kosten dafür sind noch nicht absehbar. Sollten sich Entsorgungsbetrieb und Gemeinden einigen, wird sich für die Anlieger bei der Müllentsorgung nichts ändern. Für die kommenden Monate gilt zunächst eine Übergangszeit. 


Was könnte auf die Anlieger zukommen?
Bei den anderen 40 Strecken werden die Anlieger jedoch nicht um Änderungen herumkommen: Die Awigo verschickt derzeit Anschreiben an die Betroffenen und gibt – je nach Ort – eine Lösung vor. Möglich ist demnach, dass Abfalltonnen durch Säcke ersetzt werden. Diese werden dann von einem Transportfahrzeug abgeholt.

Deutlich wahrscheinlicher ist aber, dass Anwohner ihre Tonnen zukünftig an eine nächstgrößere Straße stellen müssen. Dies könnte für körperlich eingeschränkte Anlieger allerdings zu einem Problem werden. Die dritte Option: Anwohner erlauben Müllfahrzeugen künftig, auf ihrem Privatgrundstück zu wenden.

Wann ändert sich etwas? Die Awigo will die Maßnahmen für die 40 betroffenen Strecken ab Januar 2019 umsetzen. „Das erhöhte Unfallrisiko lässt uns an diesen Stellen keinen Spielraum“, betont Niehaves. „Wir bitten die Anwohner daher um Verständnis.“

Warum setzt der Entsorgungsbetrieb künftig nicht auf kleinere Müllfahrzeuge? „Das Beispiel aus anderen Landkreisen zeigt, dass kleinere Müllwagen zu einer Steigerung der Abfallgebühren von 3,50 Euro pro Haushalt führen würden“, so Pommer. Weil lediglich 400 Anlieger betroffen sind, sei diese Erhöhung unverhältnismäßig. Und auch die technische Aufrüstung der Fahrzeuge sei laut der Unternehmenssprecherin keine Option. „Die Müllfahrzeuge der Awigo sind bereits mit Rückfahrkameras ausgestattet, allerdings lässt sich die Richtlinie damit nicht umgehen.“

Und in Osnabrück? Zuständig für die Müllentsorgung in der Stadt Osnabrück sind die Osnabrücker Service Betriebe (OSB). Dieser befindet sich derzeit noch im Prozess der Gefahrenbeurteilung. Wenn dieser abgeschlossen ist, müssten für diverse Strecken ebenfalls Lösungen gefunden werden.


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