Schlagzeugschule eröffnet im Februar "Lauter Speicher" im Osnabrücker Hafen: So sieht es in der Großbaustelle aus

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Der "laute Speicher" im Osnabrücker Hafen ist noch eine Großbaustelle. Foto: Gert WestdörpDer "laute Speicher" im Osnabrücker Hafen ist noch eine Großbaustelle. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Noch ist der „Laute Speicher“ im Osnabrücker Hafen eine Großbaustelle, aber die meisten Proberäume, die hier entstehen, sind bereits vermietet. Im Januar wird der erste Bauabschnitt offiziell eröffnet. Wir haben einen Blick in die Räume gewagt.

Im zweiten Obergeschoss schwingt eine Heavy Metal Band zur brachialen Musik die Mähnen, unter dem Dach lässt ein Künstler seinen Pinsel über die Leinwand streichen, Tänzer proben ein paar Türen weiter den Pas des Deux, derweil ein Tontechniker im Kiosk, das in Parterre eingerichtet wurde, Softdrinks und Snacks für die Band einkauft, die gerade in seinem Tonstudio ein Demo aufnimmt. Eine Vision? Richtig, denn zurzeit ist der „Laute Speicher“ im Hafen noch eine Großbaustelle. 

Der Vision ein ganzes Stück näher gekommen

In Anbetracht der Tatsache jedoch, dass erst im Juli dieses Jahres damit begonnen wurde, den ehemaligen „Bodenspeicher des Heeresverpflegungsamtes“ in einen „Lauten Speicher“ umzubauen, ist man der Vision von einem belebten Kreativzentrum schon ein ganzes Stück näher gekommen.

„Ich werde hier am 1. Februar meine Schlagzeugschule eröffnen“, sagt Joachim Brüntjen. Bisher betrieb er mit seinem Kompagnon Sven Schipp in der Neulandstraße die „Ecole de Batterie“. Als Schipp sich mehr und mehr von der Trommellehrtätigkeit verabschiedete, er sich auf seine benachbarte Möbeltischlerei konzentrierte und schließlich auf die Idee kam, im „Kesselhaus“ ein Restaurant zu eröffnen, dachte Brüntjen über Alternativen nach.

Matthias Folkers (Investor, v.l.), Joachim Brüntjen (Schlagzeugschule) und Carsten Gronwald (Koordinator Bands). Foto: Gert Westdörp

Umzug als Neubeginn

„In der NOZ las ich von den Investoren, die den Speicher im Hafen in ein Proberaumzentrum verwandeln wollten“, erinnert sich der Musiklehrer. Sofort nahm er Kontakt zu Matthias Folkers von der Osnabrücker Speicher GbR auf. Ein Mietvertrag über zwei Räume, die fortan die Schlagzeugschule beherbergen sollen, wurde abgeschlossen. Den Namen „Ecole de Batterie“ nimmt Brüntjen mit in den Hafen und auch ein Großteil seiner Schüler geht mit ihm in die neuen Unterrichtsräume. 

"In Zukunft bin ich mein eigener Herr."Musiklehrer Joachim Brüntjen


Ansonsten betrachtet Brüntjen dem Umzug als einen Neubeginn: „Die Firma, die ich mit Sven Schipp gegründet hatte, haben wir zum Ende des Jahres aufgekündigt. In Zukunft bin ich mein eigener Herr“, betont Brüntjen. Er ist von den Vorteilen überzeugt, die das neue Domizil bieten wird: Schüler proben potentiell in direkter Nachbarschaft mit ihren Bands und es werden genügend Räume zur Verfügung stehen, um Workshops oder Schülerkonzerte zu veranstalten.

Foto: Gert Westdörp


Tatsächlich soll mit dem Abschluss der zweiten Bauphase im April nächsten Jahres auch das Parterre-Geschoss mit Kiosk, Gastronomie und größerem Veranstaltungsraum fertiggestellt sein. Die Eröffnung des ersten Bauabschnitts steht im Januar bevor. Nachdem der ganze Speicher neue Fenster bekommen hatte und die Fassade gedämmt worden war, wurden in vier Geschossen Trockenbauwände eingezogen, flächendeckend Fußbodenheizung installiert und die Elektrik verlegt. So entstanden zunächst 55 Räume, zusätzlich zwei Großräume unter dem Dach, in dem ein Großraumatelier für Künstler sowie ein größerer Raum für Tanzschulen untergebracht werden.

Foto: Gert Westdörp

„Wir haben bereits 48 Mietverträge mit Bands abgeschlossen“, erklärt Carsten Gronwald. Im Auftrag der Investorengruppe kümmert er sich um die Akquise von Mietern und um die Betreuung der Bands. Da er zuvor die Proberäume am ehemaligen Güterbahnhof managte, hat er beste Kontakte zur Szene. „Am Güterbahnhof ist für mich der letzte Zug abgefahren“, sagt Gronwald mit einem Stoßseufzer, weil er dort ständig Ärger mit der Eigentümerin des Areals hatte. Jetzt freut er sich, im Speicher einen „neuen Hafen“ gefunden zu haben. 

Nachfrage nach Räumen groß

Die Bands, die zuvor am Bahnhof geprobt haben, hat er größtenteils im neuen Kreativzentrum untergebracht. Die andere Hälfte der Mietverträge im Speicher konnte er mit Musikern abschließen, die vorher in den Britenbaracken am Limberg geprobt haben. Trotz des höheren Mietzinses (11,60 Euro inklusive Nebenkosten pro Quadratmeter), der im Speicher verlangt wird, ist die Nachfrage nach Räumen groß: Allein während des Pressetermins am Hafen melden sich per SMS wieder drei Interessenten bei Gronwald. „Wenn wir am 15. Januar eröffnen, werden 55 Räume vermietet sein, hauptsächlich an Bands. Aber wir werden beispielsweise auch ein Tonstudio beherbergen“, erklärt Folkers von der Speicher GbR.  

Foto: Gert Westdörp


Im April werden es schließlich insgesamt 70 Räume sein. „Wenn dann immer noch Nachfrage besteht, können wir zusätzlich den Keller ausbauen“, betont der Investor, der die beiden Speicher zusammen mit Martina Bensmann-Krebs sowie den Brüdern Max und Benedictus Lingens gekauft hatte. Wenn der „Laute Speicher“ komplett fertiggestellt ist, wird das Investoren-Quartett mit der Sanierung des benachbarten „Leisen Speichers“ weiter machen, in dem Büroräume für Start-Ups, Verbände, Kreativunternehmen und Kulturvereine sowie Ateliers entstehen sollen.


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