Der Wert getragener Schuhe Landgericht muss Höhe des Schadenersatzes neu berechnen

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Mit dem Wert von gestohlenen Schuhen musste sich das Landgericht Osnabrück beschäftigen. Foto: Michael GründelMit dem Wert von gestohlenen Schuhen musste sich das Landgericht Osnabrück beschäftigen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Welchen Wert hat gebrauchte, gestohlene Kleidung? Mit einem Teilaspekt des Urteils aus der ersten Instanz, mit der Höhe der Schadensersatzforderung nämlich, befasste sich nun das Landgericht Osnabrück.

Dass Strafprozesse in der nächsthöheren Instanz neu aufgerollt werden, ist nicht ungewöhnlich. In den meisten Fällen ist die Anklage oder der Angeklagte dabei nicht mit der Höhe der ausgeurteilten Strafe einverstanden. "In diesem Fall aber hat die Staatsanwaltschaft zugunsten des Angeklagten Berufung eingelegt", stellte die Vorsitzende Richterin gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung klar. Die Anklagevertretung war nämlich der Auffassung, dass dem Amtsgericht bei der Berechnung der Schadensersatzforderung ein Fehler unterlaufen sei. 

Zwei Einbrüche

Im Juli diesen Jahres hatte der 20-jährige Angeklagte an zwei aufeinander folgenden Nächten zunächst die Scheibe eines Bekleidungsgeschäfts und in der darauffolgenden Nacht die Scheibe eines Elektronik-Ladens eingeschlagen und die dort ausgestellten Waren geplündert. Dabei entwendete er hochpreisige Klamotten im Wert von knapp 3200 Euro und später WiFi-Lautsprecher im Wert von gut 800 Euro. Nach der zweiten Tat wurde er von der Polizei gefasst und ein Teil der Kleidung, die er selbst trug, sowie die Elektronik sichergestellt. 

Im Oktober verurteilte das Amtsgericht den jungen Mann zu sechs Monaten Freiheitsstrafe und legte ihm zudem auf, Ersatz für den entstandenen Schaden, unter anderem für das Diebesgut im Wert von rund 4000 Euro zu leisten. "Aber es ist eben nicht richtig, dabei den Wert der sichergestellten Waren nicht zu berücksichtigen", sagte sowohl die Vorsitzende wie auch die Staatsanwältin nun im Rahmen der neuerlichen Verhandlung. 

Der Wert der sichergestellten Beute

Den ungefähren Wert gebrauchter Lautsprecher konnten die Prozessbeteiligten schell im Internet ermitteln und veranschlagten dafür etwa 550 Euro. Hinsichtlich der Kleidung, also Hemd, Hose und Sneaker, herrschte aber zunächst Uneinigkeit. "Kann man denn dafür überhaupt noch etwas erzielen?", fragte die Staatsanwältin. Worauf die Vorsitzende erwiderte: "Darüber hat die Kammer im Vorfeld auch lange diskutiert." 

Schlussendlich betrieben die Richter aber auch hier Internet-Recherche und zeigten sich überrascht, zu welchen Preisen dort insbesondere gebrauchte Sportschuhe noch gehandelt werden. Aber auch Hemd und Hose lassen sich nach Ansicht der Kammer noch verwerten. Für die eingezogene Kleidung gab es insgesamt einen Abschlag von 175 Euro. 

Und so änderte das Landgericht schließlich das Urteil des Amtsgericht dahingehend, dass es die Schadensersatzforderung gegen den Einbrecher um rund 625 Euro reduzierte. "Zu diesem Thema gibt es übrigens auch schon höchstrichterlich Urteile", betonte die Vorsitzende, "die genau dieses Vorgehen verlangen."


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