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Vonovia als "Abzocker" kritisiert Hamburger Mietpreise im Osnabrücker Stadtteil Schinkel

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Vonovia verlangt 10,53 Euro pro Quadratmeter im Schinkel. Foto: André HavergoVonovia verlangt 10,53 Euro pro Quadratmeter im Schinkel. Foto: André Havergo 

Osnabrück. Der Schinkel ist nach dem NOZ-Immobilienatlas Osnabrücks günstigstes Pflaster. Mieten, die Vonovia dort für modernisierte Wohnungen verlangt, erwecken allerdings den Eindruck, dass es sich um Osnabrücks edelste Wohnlage handelt. Warum Vonovia Hamburger Mietpreise im Schinkel verlangt.

Der Quadratmeterpreis für einige in der Thomasburgstraße im Schinkel angebotene Wohnungen liegt bei 10,50 Euro. Das sind die Daten einer von Vonovia inserierten Wohnung beim Portal Immowelt: Kaltmiete 548,21 Euro, 52 Quadratmeter, Baujahr 1938. Zum Vergleich: Nach einer Statistik von Immobilienscout werden neu vermietete Mietwohnung in Hamburg für durchschnittlich 10,80 Euro pro Quadratmeter angeboten. Am Westerberg, der als Osnabrücks teuerster Stadtteil gilt, liegt die durchschnittliche Miete nach Angaben des Portals Immobilienscout bei 8,67 Euro pro Quadratmeter.

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Vonovia legt Wert auf die Feststellung, dass die Wohnungen, das Haus und Vonovia-Häuser in der Nachbarschaft, in denen bislang überwiegend Bezieher von Sozialleistungen, einkommensschwache Haushalte oder Rentner leben, modernisiert wurden oder noch werden. Ähnlich wie Hunderte andere Vonovia-Häuser in Osnabrück. Vonovia-Sprecherin Bettina Benner sagt: „Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Preislage zu hoch ist.“ Nach energetischer Modernisierung und Wohnungssanierung entspreche eine solche Wohnung fast dem Neubaustandard. Aktuell würden lediglich 132 der 3926 Vonovia-Wohnungen in Osnabrück leerstehen.

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Eigentümerverband: Kaltmiete zu hoch

Der Geschäftsführer des Eigentümerverbands Haus und Grund, Christian Biemann, hält die veranschlagte Kaltmiete von 10,50 Euro pro Quadratmeter für zu hoch: „Bei aller Vorsicht, da ich die Wohnung und deren Standard nicht kenne, halte ich nach Modernisierung eine monatliche Miete von maximal 8,50 Euro pro Quadratmeter für angemessen.“ Er verweist auf den Mietspiegel der Stadt Osnabrück. Bei einer Fertigstellung der Wohnräume ab 2010 - etwa infolge von Modernisierungen - beträgt die durchschnittliche Nettomonatsmiete laut Mietpreisspiegel 7,91 Euro pro Quadratmeter. Nach Angaben der Osnabrücker Stadtverwaltung hat die Vonovia in einem Gespräch jedoch zugesichert, sich bei Neuvermietungen an dem aktuellen Mietspiegel der Stadt Osnabrück zu orientieren. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte der Osnabrücker Pressesprecher Sven Jürgensen: „Die Frage, inwiefern dieser dort verlangte Mietpreis sich am Mietspiegel orientiert, ist eine Frage, die sich Vonovia stellen muss. Das möchte ich für die Stadt Osnabrück nicht kommentieren.“

10,50 Euro pro Quadratmeter: Vonovia verlangt für eine Wohnung in diesem Haus im Schinkel in einem Inserat des Immobilienportals "Immowelt" einen für Osnabrücker Verhältnisse ungewöhnlich hohen Preis. Screenshot: NOZ


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2900 der Wohnungen, die nun im Besitz der Vonovia sind, gehörten vor dem Verkauf im Jahr 2004 noch der der Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft (OWG). Das Haus an der Thomasburgstraße 26 gehörte laut Jürgensen zum Zeitpunkt des Verkaufs der städtischen Wohnungsbaugesellschaft jedoch nicht zum OWG-Bestand.

Lärm durch Güterbahnhof

Der Geschäftsführer des Osnabrücker Mietervereins, Carsten Wanzelius, hält eine Miete für ein komplett modernisiertes Haus an der Thomasburgstraße von maximal sieben Euro pro Quadratmeter für gerechtfertigt. Er begründet: „Die Thomasburgstraße liegt unmittelbar an der Schinkelschleife auf der bis tief in die Nacht hinein Zugverkehr zu verzeichnen ist.“ Auch der Lärm durch den Güterbahnhof im Fledder verursache erhebliche Beeinträchtigungen des Wohnwertes. Eine Lärmemissionskarte für die Stadt Osnabrück, die auch von Sachverständigen vor Gericht benutzt werde, sehe erhebliche Abzüge für die Wohnwerteinstufung der Thomasburgstraße vor.

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Eigentümerin vermietet zu einem Preis von 6,07 Euro pro Quadratmeter

Eine Eigentümerin, die ein in der Vergangenheit ebenfalls energetisch modernisertes Haus vis à vis der Vonovia-Häuser in der Thomasburgstraße besitzt, schüttelt nur mit dem Kopf, als sie auf die Vonovia-Mietpreise angesprochen wird. „Ich habe mein Haus etliche Male saniert, aber dann doch nicht 160 Euro auf die Miete aufgeschlagen, wie es Vonovia macht.“ Die Frau, die hier nicht namentlich genannt werden möchte, verlange für eine gepflegte 56 Quadratmeter große Wohnung eine Kaltmiete von 340 Euro, was einem Preis von 6,07 Euro pro Quadratmeter entspricht. Sie sei daran interessiert, ordentliche Mieter zu haben, die vernünftig mit ihren Wohnungen umgehen. Dafür verzichte sie dann auch gerne darauf, die nach der Modernisierungsumlage gesetzlich maximal mögliche Miete herauszupressen. 

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Stimmen aus der Politik

Fritz Brickwedde, CDU-Fraktionschef: „Angebot und Nachfrage sind an diesem Standort offensichtlich in keinem ausgewogenen Verhältnis. Unsere Antwort: 5000 neue Wohnungen für Osnabrück. Die drei Wohnungsbaugesellschaften sollen auf städtischen Flächen bezahlbaren Wohnraum schaffen können, um den Wohnungsmarkt zu entspannen.“

Frank Henning, SPD-Fraktionschef: „Die Stadt Osnabrück braucht wieder eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die im Gegensatz zu dem Vonovia-Dax-Konzern eben nicht ausschließlich gewinnorientiert arbeitet, sondern auch dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes verpflichtet ist und Wohnungen zu bezahlbaren Preisen anbieten kann.“ 

Robert Seidler, stellvertretender FDP-Fraktionschef: „Ich habe mir das Exposé angesehen. Die zu dem Objekt eingetragenen Maßnahmen sind keine Modernisierungen, sondern Instandhaltungsmaßnahmen, die keine Umlage auf den Mietzins rechtfertigen. Ein Mietzins von 10,50 Euro pro Quadratmeter ist daher sittenwidrig, weil der Tatbestand des Wuchers erfüllt ist.“ 

Volker Bajus, Grünen-Fraktionschef:  „10,50 Euro pro Quadratmeter, das wären - Modernisierung vorausgesetzt - 33 Prozent mehr als der Mietpreisspiegel. Insbesondere mit Blick auf die Lage ist das mit Verlaub ‚Abzockerei‘. Man kann nur hoffen, dass niemand so verzweifelt ist, sich auf solche Mondpreise einlassen zu müssen. Um Mietwucher zu verhindern, hätte man natürlich auf den Verkauf der städtischen OWG verzichten müssen.“

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