ADAC-Experte erklärt Warum ist der Sprit in Osnabrück teurer als in Hannover und Bremen?

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In den vergangenen Wochen sorgte der ansteigende Spritpreis für Frust auch an den Osnabrücker Zapfsäulen. Symbolfoto: Michael GründelIn den vergangenen Wochen sorgte der ansteigende Spritpreis für Frust auch an den Osnabrücker Zapfsäulen. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. In den vergangenen Wochen sorgte der ansteigende Spritpreis für Frust auch an den Osnabrücker Zapfsäulen. Was viele nicht wissen: In Bremen oder Hannover zahlen Autofahrer im Schnitt weniger. Ein ADAC-Experte erläutert, warum das so ist.

Seit dem Frühjahr kennt der Benzinpreis im Grunde nur eine Richtung: nach oben. Während der Bundesdurchschnittspreis für einen Liter Super E10 im April 2018 noch bei rund 1,20 Euro lag, kletterte er bis Mitte November auf mehr als 1,50 Euro. Auch in Osnabrück fluchte so manch ein Autofahrer über die steigenden Kosten beim Tanken. Zwar beruhigte sich der Preis bis Anfang Dezember und sank bis auf rund 1,40 Euro. Mit Blick auf Literkosten von 1,20 Euro im April und 1,30 Euro im September ist der Sprit jedoch aktuell vergleichsweise teuer.


Unverständlich sind für viele Pendler die teilweise gravierenden Unterschiede zwischen den Städten. So kostete der Liter E10-Benzin nach Angaben des Spritpreis-Vergleichsportals www.clever-tanken.de, das seine Daten vom Bundeskartellamt bezieht, am Donnerstagmorgen in Osnabrück im Schnitt 1,44 Euro.  In Bremen zahlten Kunden zum gleichen Zeitpunkt jedoch nur 1,38 Euro. Zwar lag der Durchschnittspreis zum gleichen Zeitpunkt in Hannover auch bei 1,40 Euro. Findige Autofahrer konnten bei den günstigsten Tankstellen in der Landeshauptstadt jedoch nahezu Bremer Verhältnisse nutzen. Die günstigste Tankstelle bot den Liter E10-Benzin schon für 1,36 Euro an. Beim Blick auf die von clever-tanken.de bereitgestellten Statistiken zeigt sich: Vor allem im November waren die Preisunterschiede zwischen den drei Städten ungewöhnlich hoch – mit Osnabrück an der Spitze.

"Jede Stadt und jede Region hat ihren eigenen Kraftstoffmarkt", erklärt ADAC-Experte Andreas Hölzel im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Preisgestaltung sei letztlich ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage. "Das Marktgeschehen ist mittlerweile sehr kleinräumig geworden. Die Tankstellen beobachten sich gegenseitig und danach bestimmt sich der Preis." In größeren Städten wie München gebe es mittlerweile sogar auf Stadtteile bezogene Märkte. "Wenn Sie von Norden in die Stadt kommen, haben Sie oft ein anderes Preisgefüge als im Süden der Stadt", so Hölzel. Grundsätzlich sei das auch in kleineren Städten wie Osnabrück möglich.

Als "wichtiges Korrektiv" bezeichnet der ADAC-Experte in diesem Zusammenhang die Freien Tankstellen auf dem Markt, die mit ihren oft günstigeren Literpreisen für ein offenes Marktgeschehen sorgen. "Man beäugt sich und oft werden dadurch die Preise gedrückt", sagt Hölzel. Generell seien die Literpreise in den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin niedriger als beispielsweise in ländlichen Regionen. Der Grund: Laut Hölzel sorgt der größere Wettbewerb hier für niedrigere Preise.


Mit Blick auf die bundesweiten Statistiken liegt Osnabrück übrigens momentan eher im Mittelfeld. So war ein Liter E10-Benzin am Donnerstagvormittag in Berlin im Durchschnitt für 1,39 Euro zu haben, während er in Osnabrück bei 1,44 Euro lag. Je südlicher die Beispiele, desto teurer wurde es. So zahlten Autofahrer in Augsburg 1,53 Euro und in Konstanz gar 1,66 Euro. 

Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Gerade der Süden der Republik sei momentan arg gebeutelt, was die Kraftstoffpreise angeht, sagt Hölzel. Dennoch seien die regionalen Preisunterschiede nicht von Dauer. "So große Unterschiede von bis zu 20 Cent pro Liter gibt es normalerweise nicht dauerhaft. Das wird sich zeitnah wieder normalisieren", so der ADAC-Experte. Allerdings werde es aus verschiedensten Gründen auch immer regionale Unterschiede geben.

"Man sollte immer vor dem Tanken den Markt sondieren. Dafür gibt es ja mittlerweile zahlreiche Apps."ADAC-Experte Andreas Hölzel

Gibt es eigentlich Tage und Uhrzeiten, an denen der Sprit generell günstiger ist? "Bestimmte Wochentage, an denen es immer günstiger ist als sonst, gibt es so nicht mehr", sagt Hölzel. Vielmehr empfiehlt er, sich aktuell im Internet oder per App über Kraftstoffpreise zu informieren. "Die Preise ändern sich heutzutage im Tagesverlauf so sehr, dass sich immer ein schneller Blick lohnt. Unsere Erfahrung zeigt, dass die günstigsten Stunden zwischen 9 Uhr und mittags liegen sowie zwischen 15 und 17 Uhr."

Woher kommen die Daten zu den Spritpreisen?

Die Datengrundlage für die Recherche stammt vom Spritvergleichsportal www.clever-tanken.de. Das Portal bezieht seine Daten wie rund drei Dutzend weitere Anbieter von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-Kraftstoffe), die beim beim Bundeskartellamt angesiedelt ist. Die MTS erhält wiederum von den Mineralölunternehmen und den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland die Preisdaten für die Sorten Super E5, Super E10 und Diesel – also den jeweils gültigen Preis sowie den Zeitpunkt seiner Änderung. Die MTS-Kraftstoffe reicht diese Daten kostenlos und inhaltlich unverändert an die zugelassenen Anbieter von Verbraucher-Informationsdiensten weiter, die damit im Internet und via Smartphone-App abrufbare Echtzeit-Vergleiche anstellen.

Für die hohen Kraftstoffpreise der vergangenen Wochen hat Hölzel kein Verständnis. "Der Barrel-Preis ist seit Oktober um ein Drittel gesunken, die Kraftstoffpreise aber nicht in diesem Ausmaß." Auch das Argument der niedrigen Pegelstände auf den für die Binnenschifffahrt wichtigen Flüssen hält er für vorgeschoben: "Das ist vielleicht ein Mosaiksteinchen von vielen und rechtfertigt niemals einen derartigen Preisanstieg."


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