Landgericht Osnabrück Spielothekenaufsicht streckt Gast mit Stuhlbein nieder: Strafe gilt

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Erneut musste sich ein Gericht mit der Gewalteskalation in einer Spielothek beschäftigen. Foto: Michael GründelErneut musste sich ein Gericht mit der Gewalteskalation in einer Spielothek beschäftigen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein 53-jähriger Osnabrücker hat in seiner Funktion als Spielothekenaufsicht einen Gast niedergestreckt. Dazu benutzte er ein abgesägtes Stuhlbein: gefährliche Körperverletzung. Nach erneuter Befragung des Geschädigten zog die Verteidigung die Berufung vor dem Landgericht zurück.

Das Amtsgericht Osnabrück hatte den 53-jährigen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Der Angeklagte wollte in der Berufung erreichen, dass der Schlag mit dem Stuhlbein als Fahrlässigkeit gewertet wird - von vornherein eine schwierige Unternehmung.

Zum Hergang des Vorfalls: Der Geschädigte spielte mit seinem 19-jährigen Sohn an einem Automaten in einer Osnabrücker Spielothek, während der Angeklagte dort Aufsicht führte. Er habe den Verdacht gehabt, dass die beiden Männer den Automaten manipulierten, so der Angeklagte.

Seiner Forderung, die Spielothek zu verlassen, seien die beiden Männer nicht nachgekommen, sagte der 53-jährige. Daraufhin habe er den Strom abgestellt und die Polizei gerufen. Die beiden Gäste seien auf ihn zugegangen, hätten ihn beschimpft, kurz: Er habe sich bedroht gefühlt und zugeschlagen.

Doch keine Beleidigungen?

Da wurde der Richter schon ungeduldig: "Mit welchen Worten sind Sie denn beschimpft worden?" Der Punkt: Der Geschädigte spricht nur Bulgarisch. Entsprechend dürftig fiel die Antwort des Angeklagten aus, genauer gesagt: Er konnte keine einzige der angeblichen Beleidigungen wiedergeben.

Der Gast wiederum sagte aus, er habe weder manipuliert noch angegriffen, sondern ebenfalls die Polizei rufen wollen, als ihn der 53-jährige auch schon mit dem abgesägten Stuhlbein zu Boden geschlagen habe. Die Platzwunde am Kopf des Geschädigten musste genäht werden, er erlitt eine Gehirnerschütterung.

Der 53-jährige hat schon einige Gewaltdelikte auf dem Zettel, ist also einschlägig vorbestraft. Mit Blick auf die Strategie der Verteidigung, bei dem Knüppelschlag von Fahrlässigkeit auszugehen statt von Vorsatz, gab der Richter dem Angeklagten zu verstehen: "Ihnen muss doch klar sein, dass Sie mit Ihrer Vorgeschichte ganz vorsichtig sein müssen bei solchen Sachen."

Berufung zurückgezogen

Es zeichnete sich also schon ab, dass die Verteidigung entschieden bröckelte. Auf Drängen des Verteidigers zog das Gericht sich zur Beratung zurück, der Richter teilte anschließend die starke Tendenz mit: "Beim derzeitigen Stand kommt eine Fahrlässigkeit in dieser Sache nicht in Betracht." Klarer ließ sich das außerhalb eines Urteils nicht formulieren.

Darum dann auch die Entscheidung, die Verteidiger und Angeklagter nach kurzem Zwiegespräch fällten: Der 53-jährige zog seine Berufung zurück. Die Bewährungsstrafe gilt, dazu trägt er die Kosten des Verfahrens.


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