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Paten für die Fünftklässler Seit zehn Jahren lassen sich Schüler des Wüsten-Gymnasiums zu Mediatoren ausbilden

<em>Zwei streiten, zwei schlichten:</em> So trainieren die Neuntklässler Schlichtungsgespräche in der Mediatorenausbildung und geben einander Feedback. Foto: Stefanie HiekmannZwei streiten, zwei schlichten: So trainieren die Neuntklässler Schlichtungsgespräche in der Mediatorenausbildung und geben einander Feedback. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. Schulwechsel, neue Fächer, neue Lehrer, neue Mitschüler: Ganz schön viele Herausforderungen, die Fünftklässler mit dem Übergang von der Grundschule zum Gymnasium zu meistern haben. Damit sie dabei nicht alleine sind, werden am Gymnasium „In der Wüste“ mittlerweile im zehnten Jahr Schülermediatoren und Paten für die neuen Fünftklässler ausgebildet. Die Neue OZ hat die Neuntklässler während ihrer Ausbildung besucht.

Zweimal drei Tage Schulung: Gesprächsführung, Übungen zur Gruppendynamik, Artikulation im Streitgespräch, Ich-Botschaften und wie war das eigentlich noch mal in der fünften Klasse: Wie tickt man da doch gleich? Die Jungen und Mädchen aus dem neunten Jahrgang haben sich kein schmales Programm vorgenommen. Doch sie sind motiviert, wissen ganz genau, warum das, was sie gerade lernen, wichtig ist: „Als wir in der fünften Klasse waren, gab es das Patenprogramm noch nicht in der Form wie heute“, berichtet ein Schüler. Ein bisschen mehr Halt, eine Anlaufstelle für Probleme, die nicht Lehrer oder Eltern heißt, und einfach jemanden „Großen“. Das tut gut, wenn man sich neu in einer völlig fremden Situation zurechtfinden muss.

Offiziell heißt die Ausbildung, die im Haus der Jugend stattfindet, „Mediatorenschulung“. Doch unterhält man sich mit den angehenden Streitschlichtern, fällt auf, dass es in erster Linie nicht um Streit geht, sondern um die Fünftklässler, denen sie zur Seite stehen werden: Den Jugendlichen geht es darum, sich verantwortungsvoll um die Fünftklässler zu kümmern. „Das klappt so gut, dass die Schüler in Eigeninitiative Fahrten mit den Fünftklässlern organisieren. Kürzlich wurde zum Beispiel eine gemeinsame Fahrt in den Freizeitpark geplant“, sagt Peter Schneppat, Lehrer am Gymnasium „In der Wüste“ und Koordinator im Mediatorenteam. „Sie brauchten nur noch zwei Lehrer, die mitfahren.“ Und dabei habe es sich um Sechstklässler gehandelt, die mit Elftklässlern losgefahren sind. Das Beispiel zeigt, dass die Patenschaft nicht abbricht: „Geplant ist das Patenprogramm für zwei Jahre“, erklärt Schneppat. Die Klassenstufen zehn und elf kümmern sich um die Jahrgänge fünf und sechs. Doch natürlich bleiben auch Kontakte bestehen.

Eine ganz neue Aufgabe

Einige haben bereits eine Patenrolle in der Grundschule übernommen, an die sie jetzt anknüpfen wollen. Für andere Schüler ist das Mediatoren- und Patenprogramm eine ganz neue Aufgabe. „Ich denke, es ist gut, so jemanden an der Seite zu haben, da man einem anderen Schüler mehr anvertrauen wird als einem Lehrer oder den Eltern“, vermutet einer der Neuntklässler, der ab dem kommenden Schuljahr Pate für die Fünftklässler wird. „Und als Schüler ist man näher dran“, meint eine Mitschülerin: „Man kann sich besser in die Probleme und Situationen der Fünftklässler hineinversetzen.“

Auch für sich selbst möchte manch einer der angehenden Paten etwas aus dem Programm mitnehmen: „Ich hoffe, dass ich hier auch lerne, wie ich zu Hause bei Streitigkeiten mit meiner Schwester besser reagieren kann“, sagt Caroline. „Ich habe jetzt schon nach dem ersten Teil der Ausbildung gemerkt, dass es hilft“, berichtet Marie. Die Streitgespräche mit ihren Eltern eskalierten längst nicht mehr so oft. Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass man streiten lernen kann.

Nicht nur am Gymnasium „In der Wüste“ gibt es Schülermediatoren. Auch an anderen Schulen in Osnabrück und Umgebung finden teilweise seit vielen Jahren Konfliktlotsen-Programme statt. Neben den vielen positiven Begleitaspekten für die Schüler profitieren auch Lehrer von diesen Programmen, betont Nicole Baumeister vom Gymnasium „In der Wüste“: „Gerade bei Fünftklässlern gibt es vermehrt kleine oder größere Streitigkeiten in den Pausen. Da ist es für uns Lehrer wirklich eine große Entlastung, dass uns ältere Schüler unterstützen.“


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