Starke „Widerworte“ Gemeinschaftslesung gegen rechts im Osnabrücker Unikeller

Präsentierte Auszüge aus ihrem Roman „Spanische Dörfer - Wege zur Freiheit“ – Die Autorin Maria Braig. Foto: Swaantje HehmannPräsentierte Auszüge aus ihrem Roman „Spanische Dörfer - Wege zur Freiheit“ – Die Autorin Maria Braig. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Bei der Gemeinschaftslesung „Widerworte“ warnten am Sonntag Osnabrücker Autorinnen und Autoren mit ihren Texten vor einem leichtfertigen Umgang mit rechter Gesinnung.

Die Ausschreitungen in Chemnitz waren ebenso Auslöser wie ignorante Facebook-Äußerungen einer jungen Frau. Als Reaktion darauf initiierte der Osnabrücker Autor Harald Keller eine literarische Lesung gegen das Abirren nach rechts, an der sich zehn weitere Osnabrücker Autorinnen und Autoren beteiligten. Am Sonntag fand die Gemeinschaftslesung unter dem Titel „Widerworte“ im Gewölbe des Osnabrücker Unikellers statt (Mitveranstalter: Unikeller und Literaturbüro Westniedersachsen).

Wie fatal Verdrängung und Geschichtsvergessenheit ist, machte zum Auftakt Thomas Wübker mit seinem Text über den früheren Osnabrücker Oberbürgermeister Erich Gaertner deutlich, der 1938 die Zerstörung der Osnabrücker Synagoge verfügt hatte und für seine NS-Verstrickungen nie belangt wurde. Um die Blutgruppenforschung im Dritten Reich kreiste wiederum Heike Maria Fritschs Krimi „Blindes Blut“. Dass rechtsextreme Verbrechen mit der NS-Zeit nicht untergegangen sind, machte Marie-Luise Braun mit ihrem Artikel über die brandenburgische Stadt Eberswalde deutlich, in der 1990 der Angolander Amadeu Antonio Kiowa gejagt und getötet wurde.

Tina Schick las aus ihrem Krimi „Osnabrücker Fenstersturz“ über eine deutsch-türkische Beziehung, und Martha Maschke thematisierte ihre Erfahrungen als Rollstuhlfahrerin. Dass ausgerechnet eine AfD-nahe Stiftung nach Desiderius Erasmus von Rotterdam benannt ist, war für Frank Schulz Anlass, Texte des Renaissance-Humanisten vorzutragen. Um den Weg einer Afrikanerin nach Europa ging es wiederum in Maria Braigs Roman „Spanische Dörfer - Wege zur Freiheit“. Und Ada Dorian las aus ihrem zweiten Roman „Die Zähmung der Tiere“ über die türkische Dichterin Nilay Birol, die mit ihren Märchen politisch aneckt. Dass Hass keine Meinung ist, machte Mareike Eigenwillig mit einer Selbstreflexion deutlich.

Mit Melanie Jungks Fabel über Herrn Hase und Herrn Igel endete ein engagierter Leseabend, dessen Erlöse dem Verein Exil - Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge e.V. zugute kommen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN