Namensforscher Der erste Grimstein kam aus Grimmenstein

Von Winfried Breidbach


Osnabrück. Unsere Leserin Anita Grimstein hat keine Theorie, wie ihr Familienname entstand.Mit etwa 60 Namensträgern ist Grimstein ein relativ seltener Nachname – ein Fall für unseren Namensforscher Winfried Breidbach.

Der Name ist vor allem im Nordwesten anzutreffen, wo sich im Landkreis Emsland ein schwaches Zentrum abzeichnet. Doch auch im Rheinland, in Hessen und im Saarland gibt es Namensträger. In den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Niederlande, Polen und Tschechien ist Grimstein nicht nachzuweisen. Als Schreibvariante findet sich nur die sehr seltene Namensform Grimmstein.

Der ähnliche Familienname Grimmenstein ist mit etwa 150 Namensträgern deutlich häufiger als Grimstein. Der Name Grimmenstein ist in mehreren Regionen ansässig, aber mit einer deutlichen Konzentration in den thüringischen Landkreisen Gotha und Weimarer Land.

Historisch ist der Name Grim(m)stein nur schlecht nachzuweisen. Der älteste Beleg kommt aus den Niederlanden: 1604 „Tonis van Grimsteijn“ in Loosdrecht/Nordholland. „Grimsteijn“ bezieht sich sehr wahrscheinlich auf die ehemalige Burg „Grimmestein“ bei Baarn in der niederländischen Provinz Utrecht. Ob der heutige Name Grimstein im Emsland hiermit zusammenhängt, ist mangels entsprechender Belege nicht zu erweisen.

Ansonsten wird der Name Grim(m)stein mit Schwund der unbetonten Mittelsilbe aus Grimmenstein verkürzt sein, wie etwa auch bei Kop(p)stein aus Koppenstein oder Öhlbüttel aus Öhlenbüttel. Mehrere gegenwärtige bzw. ehemalige Siedlungen namens Grimmenstein sind nachzuweisen. Als Ortsname bezeichnet Grimmenstein einen Wohnplatz der Gemeinde Wolfegg (Württemberg) und eine Marktgemeinde in Niederösterreich (1180 auch als „Grimstein“ belegt). Ferner trugen vier Burgen (zwei in der Schweiz, eine in Hessen und eine in Gotha/Thüringen) sowie ein Kloster (in der Schweiz) diesen Namen. Der Siedlungs- und Burgenname Grimmenstein enthält den Rufnamen Grimmo (Kurzname zum Namenwort grim „Maske, Kampfmaske“) und bedeutet „Stein (= Burg) des Grimmo“.

Von welchem Ort der heutige Familienname Grimstein ursprünglich ausging, bleibt im Dunkeln, da die verfügbaren historischen Belege aus Deutschland nur ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Der Name ist vermutlich erst in dieser Zeit nach Nordwestdeutschland gelangt - möglicherweise aus Osteuropa, da zahlreiche USA-Einwanderer namens Grimstein aus Russland stammten.

Alte Belege von Grimmenstein (alle aus der Schweiz): 1279 „Peter Grimmenstein“ (Sulgen/Thurgau), 1400 „Johannis Grimmenstain“ (Gams/St. Gallen), 1456 „Hans Grimmenstein“ (Chur/Graubünden).


Hier finden Sie die Familiennamen, die Winfried Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat. Weitere Namensvorschläge bitte an namensforscher@noz.de senden.

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