Auftraggeber NWL greift durch Wieder alles schlecht: Eurobahn droht Kündigung der Verträge

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Die Eurobahn wird wegen miserabler Leistungen von ihrem Auftraggeber NWL erneut angezählt. Unser Bild zeigt eine Regionalbahn der Linie RB 66 im Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: Sebastian StrickerDie Eurobahn wird wegen miserabler Leistungen von ihrem Auftraggeber NWL erneut angezählt. Unser Bild zeigt eine Regionalbahn der Linie RB 66 im Hauptbahnhof Osnabrück. Foto: Sebastian Stricker

Osnabrück. Nach einer Abmahnung im Februar schien die Eurobahn den Weg aus der Krise gefunden zu haben. Doch jetzt geht es dem Unternehmen erneut an den Kragen – und zwar heftig. Wegen erheblicher Leistungseinbrüche in allen Netzen droht der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) offen mit Vertragskündigung.

Die Eurobahn betreibt im Verkehrsraum Westfalen-Lippe vier Bahnnetze, darunter seit Dezember 2017 das für die Region Osnabrück wichtige Teutoburger-Wald-Netz. Dieses besteht aus fünf Linien und reicht von Paderborn, Herford und Bielefeld in Ostwestfalen sowie Nienburg an der Weser über Osnabrück, Rheine und Münster bis nach Hengelo in den Niederlanden. 

Zugausfälle, Unpünktlichkeit, Kapazitätsmängel 

Infolge anhaltend schlechter Qualität im Teutoburger-Wald-Netz hatte der NWL die Eurobahn im Februar 2018 abgemahnt. Gefordert wurde eine Qualitätsoffensive des Bahnunternehmens, die auf eine Vermeidung von Zugausfällen, Unpünktlichkeit und Kapazitätsmängeln abzielt. 

"Die betrieblichen Probleme haben inzwischen Dimensionen erreicht, die ein Handeln des NWL als Vertragspartner der Eurobahn erforderlich machen"Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe


Entscheidung am Nikolaustag

Und der Warnschuss wirkte – aber nur bis zum Herbst: Ernüchtert stellt der Auftraggeber fest, dass nach anfänglichen Verbesserungen in etlichen Betriebsbereichen die Leistungskurve der Eurobahn in den vergangenen Wochen wieder rapide nach unten zeigt. Erneut sei es zu "erheblichen Einbrüchen" gekommen, und das nicht nur im Teutoburger-Wald-Netz, sondern auch im OWL-Dieselnetz Nord, Hellweg-Netz und Maas-Rhein-Lippe-Netz. 

"Die betrieblichen Probleme haben inzwischen Dimensionen erreicht, die ein Handeln des NWL als Vertragspartner der Eurobahn erforderlich machen", heißt es in einer Mitteilung des Zweckverbands vom Freitag. Der NWL werde nun "sämtliche rechtlichen und vertraglichen Schritte dahingehend prüfen, ob diese letztlich zu einer Stabilisierung des Betriebes in den Netzen der Eurobahn geeignet sind". Am 6. Dezember entscheide dann die Verbandsversammlung – ein Gremium aus Vertretern der Kommunen in den Netzgebieten – über das weitere Vorgehen gegenüber dem Unternehmen. 

Das Teutoburger-Wald-Netz umfasst fünf Linien: RB 61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld–Osnabrück–Hengelo), RB 65 „Ems-Bahn“ (Münster–Rheine), RB 66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück–Münster), RB 72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford–Paderborn) und RE 78 „Porta-Express“ (Bielefeld–Minden–Nienburg). Grafik: NOZ/Langer


NWL erhebt sämtliche Vertragsstrafen

Der NWL betont, dass er unabhängig davon alle vorgesehenen Vertragsstrafen erhebe, die bei Ausfällen und Verspätungen fällig werden oder auch, wenn die Züge zu dreckig und kaputt sind und die Fahrgastinformation an Bord mangelhaft. Darüber hinaus erwarte der Auftraggeber von der Eurobahn "sehr kurzfristig die umfangreiche Gewährung von Kulanzregelungen". Sie sollen den betroffenen Fahrgästen "unbürokratisch, ohne Zuhilfenahme von anderen Stellen und in adäquatem Maße" angeboten werden.

Alle Eurobahn-Züge in der Werkstatt

Der Eurobahn-Mutterkonzern Keolis Deutschland, nationaler Ableger einer französischen Staatsbahn-Tochter, erklärt seine Probleme unter anderem damit, dass nach Unfällen gleich mehrere Fahrzeuge fehlen – im Teutoburger-Wald-Netz teilweise bis Anfang 2019. Inzwischen habe sich die Eurobahn einen Ersatzzug von der Nordwestbahn geliehen. Damit sollen Löcher auf der Strecke Bielefeld–Minden (RB 78) gestopft werden.

Eurobahn-Geschäftsführerin Magali Euverte vor der NWL-Verbandsversammlung im Februar 2018. Foto: Sebastian Stricker


Schäden am Radsatz festgestellt

Weiterer Grund für die andauernden Kapazitätsabweichungen in allen Netzen sei eine seit Mitte August laufende Sicherheitsprüfung der gesamten Flotte von rund 90 Fahrzeugen. Nachdem bei einem Zug ein defekter Radsatz festgestellt worden war, soll ausgeschlossen werden, dass die übrigen Fahrzeuge ähnliche Schäden aufweisen. Voraussichtlich Ende November werde der Großteil der Prüfungen abgeschlossen sein, kündigt Keolis Deutschland an. Die aktuelle Betriebslage sei auch für das Unternehmen nicht zufriedenstellend. Geschäftsführerin Magali Euverte: "Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Fahrgästen und Partnern, dass wir aktuell nicht unseren vollen Service anbieten können."


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