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Vonovia appelliert an die Moral Caritas: Vonovia-Mieterhöhungen um 50 Prozent sind asozial

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„Ich bin erstaunt darüber, wie man jetzt mit uns umgeht“, sagt Vonovia-Geschäftsführer Ulrich Schiller nach der harschen Kritik und vermisst dabei „den Anstand“. Das Bild zeigt das Osnabrücker Vonovia-Büro am Hasetorwall. Foto: Michael Gründel„Ich bin erstaunt darüber, wie man jetzt mit uns umgeht“, sagt Vonovia-Geschäftsführer Ulrich Schiller nach der harschen Kritik und vermisst dabei „den Anstand“. Das Bild zeigt das Osnabrücker Vonovia-Büro am Hasetorwall. Foto: Michael Gründel 

Osnabrück. Der Streit um explodierende Mieten nach Sanierungen der Vonovia-Wohnungen in Osnabrück eskaliert: „Mieterhöhungen um fast 50 Prozent sind asozial“, sagt Caritasdirektor Franz Loth und rügt, dass der Wohnungsvermieter sich seiner sozialen Verantwortung nicht bewusst sei. Vonovia sieht sich zu Unrecht in der Kritik und spricht von einer „Frage des Anstands“.

Oberstes Ziel muss es laut Loth sein, „dass niemand durch das skandalöse Geschäftsgebaren der Vonovia seine Wohnung verliert“.“ Auch die Stadt und die Solidargemeinschaft müssten eingreifen. „Notfalls müssen die Mietobergrenzen angehoben werden, wenngleich es eigentlich unsäglich ist, das die Gewinnmaximierung des Dax-Unternehmens zu Lasten der Steuerzahler geht.“ Loth forderte auch die Bundestagsabgeordneten der Region auf, gesetzliche Regelungen anzustoßen, die nach Sanierungen solch drastische Mieterhöhungen wie in den exemplarischen Fällen von Yvonne Fischer und Heike Schierenbeck verhindern. Auch Monika Schnellhammer, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück, fordert von der Vonovia, dringend andere Lösungen zu finden: „Nicht alles, was man gesetzlich darf, muss auch umgesetzt werden. Wenn Härtefälle entstehen, müssen andere Lösungen gefunden werden. Das erwarte ich gerade von einem so mächtigen Konzern.“ Die Caritas hat den Mangel an bezahlbaren Wohnungen unter dem Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ zum bundesweiten Jahresthema gemacht.

Haus und Grund: So zieht Vonovia den Unmut der Mieter auf sich

Selbst der Geschäftsführer des Vereins der Osnabrücker Haus- und Wohnungseigentümer Haus und Grund, Christian Biemann, hält eine Erhöhung um 47 Prozent bei Bestandsmietern für ungewöhnlich. „Eigentlich ist absehbar, dass man damit den Unmut der Mieter auf sich zieht. Wir empfehlen immer, so etwas vorher mit den Mietern abzusprechen oder erst bei einem Leerstand durchzuführen.“ Natürlich sei es legitim, nach einer Modernisierung die Miete zu erhöhen, doch private Eigentümer würden in der Regel langfristige Mietverhältnisse anstreben und daher in der Regel erst die Wohnung modernisieren und die Miete erhöhen, wenn der Mieter ausgezogen ist.

Skandal erster Güte

Die Osnabrücker Linken-Fraktionschefin Giesela Brandes-Steggewentz bezeichnet es als „Skandal erster Güte“, wenn Menschen aus ihren Wohnungen herausmodernisiert werden. „Hier zeigt sich das Geschäftsmodell der Immobilienkonzerne: Aufkauf ganzer Quartiere und billige Modernisierungen der Wohnungen, um Gründe für Mieterhöhungen zu schaffen.“ Vonovia agiere „skrupellos: Es geht nur um die fette Rendite, für bezahlbare Wohnungen werden diese Konzerne niemals sorgen.“ Der Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft OWG sei „ein fundamentaler Fehler“ gewesen. Jetzt sei es an der Zeit, dass CDU und FDP der Neugründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft nicht weiter im Weg stehen.

Unterstützung für neue städtische Wohnungsbaugesellschaft

Auch SPD, Grüne, Osnabrücker Wohlfahrtsverbände und der Mieterverein Osnabrück unterstützen das Bürgerbegehren zur Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, damit die Stadt wieder ein Instrument hat, um steuernd in den Wohnungsmarkt einzugreifen. Von insgesamt 3926 Vonovia-Wohnungen in Osnabrück sind in den Nuller Jahren noch rund 2900 Wohnungen im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft OWG. CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde betont aber, dass die Vonovia-Wohnungen, die zurzeit in der Dodesheide für Schlagzeilen sorgen, im Besitz des Wohnungsunternehmens der Vitus-Gruppe/Gladbau waren. 2008 seien die Briten dort ausgezogen und danach der Verkauf der Wohnungen an die Vonovia erfolgt. Die OWG sei 2004 bei einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt verkauft worden, da sie überschuldet und mit einem hohen Investitionsstau versehen gewesen sei. Im Jahr 2018 hat Vonovia 543 Wohnungen energetisch saniert. Rund 150 Wohnungen jährlich will der Immobilienriese auch in den kommenden Jahren in Osnabrück modernisieren. Dazu werden auch die Wohnungen im ehemaligen OWG-Bestand zählen.

Vonovia-Geschäftsführer ist „erstaunt, wie man jetzt mit uns umgeht“

Besonders im Vorfeld von weiteren Modernisierungen, die Vonovia auch in den nächsten Jahren für den Osnabrücker Bestand plant, wird nach Angaben des Vonovia-Geschäftsführer für die Region Nord, Ulrich Schiller, „auch der Sozialbereich der Stadt zu unseren Gesprächspartner gehören“. Heike Schierenbeck und Yvonne Fischer, deren Mieten nach Modernisierung um fast 50 Prozent erhöht wurden, hätten sich noch nicht bei Vonovia gemeldet, um eine individuelle Lösung zu suchen. Zudem zeigte sich Schiller nach der harschen Kritik „erstaunt darüber, wie man jetzt mit uns umgeht“. Er hätte sich gewünscht, „dass die Caritas und andere vorher mit uns sprechen, bevor man uns so angreift“. Schiller bezeichnete das auch als „eine Frage des Anstands“.

Mieterin bezichtigt Vonovia der Lüge

Yvonne Fischer bezichtigt Schiller der Lüge, denn sie habe sich seit einem Jahr immer wieder an die Vonovia gewandt. Der Wohnungskonzern habe ihr auch auf mehrfache Anfrage keine kleinere und günstigere Wohnung angeboten, obwohl Vonovia diese selbst auf ihrer Webseite angeboten habe: „Eine Begründung dazu, warum ich nicht in diese kleinere Wohnung umziehen konnte, habe ich von Vonovia aber nicht bekommen.“


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