Lichteraktion auf Nikolaiort Osnabrücker gedenken ertrunkener Flüchtlinge

Von Raphael Steffen

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Lichter als Mahnung: Die „Seebrücke Osnabrück“ erinnert mit ihrer Aktion auf dem Nikolaiort an das tödliche Schicksal zahlreicher Flüchtlinge. Foto: Elvira PartonLichter als Mahnung: Die „Seebrücke Osnabrück“ erinnert mit ihrer Aktion auf dem Nikolaiort an das tödliche Schicksal zahlreicher Flüchtlinge. Foto: Elvira Parton

rast Osnabrück. Der Nikolaiort am frühen Freitagabend: Auf dem zentralen Platz der Osnabrücker Innenstadt steht schon der Weihnachtsbaum, aber die flackernden Lichter daneben sollen nicht zum Feiern einladen, sondern mahnen. Die Initiative Seebrücke Osnabrück erinnert an das Sterben von Migranten im Mittelmeer.

„Mit der Aktion soll daran erinnert werden, dass die europäischen Regierungen die Seenotrettung im Mittelmeer weiter blockieren und die zivilen Seenotretter kriminalisieren“ sagt Michael Bünte, Sprecher der Initative: „Doch wir finden uns mit der menschenverachtenden Politik Europas nicht ab. Neue Rettungsschiffe sind inzwischen ausgerüstet und wieder im Mittelmeer unterwegs.“ So brachten die Aktivisten ein Schlauchboot zum Leuchten und erschienen in oranger Kleidung – eine Anspielung auf die Rettungswesten, die vielen Bootsflüchtlingen nur einen trügerischen Schutz bieten.

Der Tod im Mittelmeer

Nach Angaben der Seebrücke, die sich auf Informationen des Flüchtlingshilfswerks UNHCR berufen, sind seit Beginn dieses Jahres mehr als 2000 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen. „Die Todesrate ist rapide gestiegen, seit die Anrainerstaaten die Rettungsschiffe blockieren“, so Bünte. Sein Ziel ist, dass weitere deutsche Städte eine Erklärung zur freiwilligen Aufnahme weiterer Migranten abgeben – wie Osnabrück es bereits getan hat. „Leider kommt die Bundesregierung dem nicht nach“, kritisiert Bünte: „Letztes Jahr waren 18 private Schiffe im Mittelmeer unterwegs. Jetzt sind es nur noch zwei.“

Die Veranstalter verlasen 50 Namen von Migranten, die nach ihrer Meinung „Opfer der restriktiven europäischen Flüchtlingspolitik“ wurden. Darunter fassten sie auch solche, die in Europa durch Selbsttötungen oder Unglücksfälle zu Tode kamen.

Flüchtlinge sind Kriegsopfer

Seebrücke ist eine lockere bundesweite Organisation, die sich in Osnabrück alle zwei Wochen trifft. Die Lichteraktion sollte eigentlich deutschlandweit koordiniert zum Totensonntag stattfinden, doch die Osnabrücker zogen sie zum Volkstrauertag vor. „Wir betrachten auch die Flüchtlinge als Opfer von Kriegen“, sagt Bünte dazu: „Der Wirtschaftskriege gegen Afrika und der heißen Kriege wie in Syrien.“


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